Im Grundstücks- und Wohnungsgeschäft sind neben der Land- und Forstwirtschaft, dem Unternehmensdienstleistungsbereich sowie dem Kommunikationsgewerbe die meisten Soloselbstständigen anzutreffen. Foto: picture alliance/dpa//Christin Klose

Die Soloselbstständigen und Kleinstfirmen sehen sich von der aktuellen Krise besonders getroffen. Die neue Bundesregierung muss ihren Problemen mehr Beachtung schenken, meint unser Autor.

Die Gruppe der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen ist insgesamt ein Schwergewicht. Politisch hat sie dennoch Mühe, sich ausreichend bemerkbar zu machen. So sinkt der Anteil der „Soloselbstständigen“ (die etwa die Hälfte aller 3,8 Millionen Selbstständigen ausmachen) anteilmäßig seit mehr als zehn Jahren. Die Pandemie verstärkte diesen Trend, selbst wenn die Coronahilfen die Folgen massiver Arbeitsausfälle (zumindest in Form von Darlehen) ein wenig auffangen konnten.

 

In der aktuellen Krise droht ein weiterer Rückschlag. Ein relativ hoher Anteil an Insolvenzen entfällt auf die Selbstständigen. Und weil immer mehr große Unternehmen einen Sparkurs ankündigen, sehen die Minifirmen dem neuen Jahr besonders pessimistisch entgegen.

Die Industrie hat eine starke Lobby: Während die Bundesregierung für deren Beschäftigten mit der verlängerten Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes gut vorgesorgt hat, wähnen sich die Selbstständigen unter dem politischen Radar. So können sie nur hoffen, dass ihnen die Nachfolgeregierung mehr Beachtung schenkt. Da fragt sich etwa, wie die Regelungen zur Abwehr von Scheinselbstständigkeit gelockert werden. Diese stellen eine erhebliche Hürde für die Unternehmen dar, mit externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten. Fehler können teuer werden; das erzeugt erhebliche Unsicherheiten.

Bürokratie trifft Selbstständige unmittelbar

Auch die ausufernde Bürokratie, die die Minifirmen vollständig selbst bewältigen müssen, lässt sie nicht selten verzweifeln. Ein weiterer Faktor ist der schwindende Gründergeist, denn junge Menschen streben eher in den sicheren Arbeitsmarkthafen etwa des öffentlichen Dienstes. Gewiss, etlichen Selbstständigen geht es noch immer gut. Insgesamt muss die Politik aber für eine regulatorische Entlastung sorgen: Auf ihren Mut, das Spezialistentum und die Kreativität kann die Wirtschaft nicht verzichten.