Fast jeder dritte Job soll bei Curevac gestrichen werden. Foto: Curevac/Patrick Hipp

Mit dem Verkauf der Rechte an Impfstoffen gegen Corona und Grippe konzentriert sich das Unternehmen wieder stärker auf die Forschung. Ein folgerichtiger Schritt, kommentiert Werner Ludwig.

Seit Jahren verzeichnet Curevac dreistellige Millionenverluste, die die bescheidenen Umsätze um ein Vielfaches übersteigen. Dass das nicht unbegrenzt weiter gehen konnte, musste jedem klar sein. Bis heute haben die mRNA-Pioniere kein marktfähiges Produkt– die Erlöse beschränken sich vor allem auf Zahlungen des Partners Glaxo Smith Kline (GSK) für die Erreichung von Etappenzielen in der Entwicklung.

 

Investoren wollen wirtschaftliche Erfolge sehen

Ungeachtet dicker roter Zahlen hat Curevac kräftig investiert, die Mitarbeiterzahl auf rund 1000 gesteigert – und mehrfach Geld von Anlegern eingesammelt. Doch auch risikofreudige Biotech-Investoren wollen nach einiger Zeit wirtschaftliche Erfolge sehen. Nun verschafft sich Curevac auf andere Weise einen ordentlichen Batzen frisches Geld: Die Tübinger treten alle Rechte an den in der Entwicklung befindlichen Impfstoffen gegen Corona und Virusgrippe an GSK ab.

Je nach Blickwinkel kann man darin den Verkauf des Tafelsilbers in großer Not sehen oder aber eine Konzentration auf die Entwicklung neuer vielversprechender Anwendungen der mRNA-Technik – etwa in der Krebstherapie. Fakt ist: Mit den Rechten an den Corona- und Grippevakzinen entledigt sich Curevac auch der damit verbundenen ökonomischen Risiken. Insbesondere mit Blick auf Corona stellt sich die berechtigte Frage, ob es neben den Impfstoffen der Platzhirsche Biontech und Moderna noch Bedarf für ein weiteres Vakzin gibt. Mit dem jetzigen Schritt begibt sich Curevac quasi zurück auf Los – zum Leidwesen hunderter Mitarbeiter, die nun ihren Job verlieren.

Anleger befürworten den Schritt

Nicht ausgeschlossen ist, dass das Unternehmen mit einem mRNA-Impfstoff gegen eine andere Infektionskrankheit oder mit einem Präparat gegen Krebs mehr Glück hat als mit seinem ersten Corona-Vakzin, dessen Wirksamkeit weit hinter den Erwartungen zurückblieb.