In zwei deutschen Bundesländern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, sind erstmals Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Foto: dpa

Oberarzt und Tochter infiziert. Beiden Patienten geht es Umständen entsprechend gut.

Tübingen - In Baden-Württemberg haben sich zwei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Nach dem ersten Fall im Kreis Göppingen seien nun zwei Infektionen am Uniklinikum in Tübingen bestätigt worden, teilte das Krankenhaus am Mittwoch mit.

Einer der beiden mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Patienten in Tübingen ist als Oberarzt in der Pathologie des Universitätsklinikums beschäftigt. Der 60-Jährige soll seit dem Wochenende auch Kontakt zu anderen Medizinern gehabt haben - diese Kontakte seien vollständig erfasst, teilte das Klinikum am Mittwoch in Tübingen mit. Es seien ein Dutzend Oberärzte getestet und "aus der Krankenversorgung rausgenommen worden". Sie seien unter Beobachtung.

Auch die 24 Jahre alte Tochter des Mannes ist mit dem Virus infiziert und wird isoliert behandelt. Den beiden geht es nach Angaben des Universitätsklinikums gut. "Sie sind in gutem Zustand und fühlen sich wohl", sagte Nisar Malek, Ärztlicher Direktor an der Medizinischen Klinik. Der Oberarzt habe "so gut wie keine Symptome", seine Tochter verspüre lediglich leichte Halsschmerzen. Sämtliche Kontaktpersonen der beiden Patienten aus den vergangenen Tagen seien bekannt und informiert.

Kurz vor Bekanntwerden der neuen zwei Fälle hatte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) Einzelheiten zum "Patienten Null", einem 25-jährigen Mann aus Göppingen, bekanntgegeben. Der Fall war am Dienstagabend bekannt geworden.

Göppinger Landrat zeigt sich zuversichtlich

Nach Angaben Luchas hatte der junge Mann gemeinsam mit einer Freundin eine Bekannte in Mailand besucht. Zwei Tage nach den ersten Symptomen meldete er sich beim Gesundheitsamt. Noch am selben Tag sei ein Abstrich im Landesgesundheitsamt (LGA) untersucht und der Patient in eine Klinik gebracht worden, sagte Stefan Brockmann, der Leiter des LGA-Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz. Dort werde der Patient isoliert behandelt. Es gehe ihm aber gut, sein Zustand sei stabil.

Wie das Landratsamt in Neu-Ulm am Mittwoch berichtete, hatte sich der Mann aus dem Landkreis Göppingen noch am vergangenen Samstagabend den Krimi-Thriller "Bad Boys for Life" angeschaut. In dem Saal des Neu-Ulmer Kinos seien 138 Besucher gewesen.

"Die Möglichkeit einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus besteht für Personen, die mindestens 15 Minuten in Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt mit dem Erkrankten waren", heißt es in einer Mitteilung der Kreisbehörde. Auf welche Besucher dies möglicherweise zutreffe, könne im Nachhinein nicht näher bestimmt werden.

Lucha: "Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns."

Besucher der Kinovorführung, die in den kommenden zehn Tagen Krankheitssymptome wie Fieber, Husten oder Schnupfen bekämen, sollten sofort die Kontakte zu anderen Menschen minimieren und ihren Hausarzt sowie das örtliche Gesundheitsamt anrufen, betonte das Landratsamt. Der 25-Jährige hatte sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich auch seine Reisebegleiterin sowie deren Vater infiziert haben.

Während die Zahl der Fälle in Nordrhein-Westfalen und die Sorge angesichts der lange unbeobachtet gebliebenen Krankheit der dortigen Patienten steigt, sagte Lucha: "Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns." Auch der Göppinger Landrat zeigte sich zuversichtlich: "Wir setzen darauf, dass wir das Virus in den Griff bekommen und eine Weiterverbreitung verhindern können", sagte Edgar Wolff. Es gebe einen Krisenstab, der die Lage stets neu bewerte.

Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in China. Die Zahl der Todesopfer und Infizierten dort ist erneut gestiegen.

Desinfektionsmittelhersteller erhöhen Produktion

Baden-Württemberg - Wegen der Ausweitung des neuartigen Coronavirus fahren Hygiene- und Medizinartikelhersteller Sonderschichten. "Die Nachfrage nach Masken oder Desinfektionsprodukten ist in den vergangenen Wochen gestiegen", sagte Philipp Hellmich, Sprecher des Medizinartikelherstellers Paul Hartmann mit Sitz in Heidenheim. Das Hartmann-Tochterunternehmen Bode Chemie in Hamburg produziert das Desinfektionsmittel Sterillium, das in Krankenhäusern und Arztpraxen zur Desinfektion der Hände zum Einsatz kommt. Bei Bode werde nun auch am Wochenende gearbeitet.

Für die gestiegene Nachfrage reicht das jedoch nicht. "Wir haben bei ausgewählten Produkten wie den Masken frühzeitig entschieden, dass die Verteilung manuell erfolgt", sagte Hellmich. "Das heißt, dass wir je nach Anforderung und Anfrage entsprechende Produkte einzeln den Bedarfen unserer Kunden - unter anderem aus dem klinischen und ambulanten Bereich - sowie akuten Notfällen zuordnen."

Beim Hersteller von Sagrotan, der RB Hygiene Home Deutschland GmbH mit Sitz in Heidelberg, spricht man von einer "exponentiellen Zunahme" der Nachfrage nach Desinfektionsmitteln. "Wir arbeiten unermüdlich daran, die Marktnachfrage zu erfüllen", teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Lieferkette sei auf den steigenden Bedarf ausgerichtet. "Wir versuchen, trotz eventuell möglicher Einschränkungen, alle unsere Kunden, Verbraucher und Patienten bestmöglich zu bedienen", hieß es.

Aktuelle Meldungen, wissenswerte Hintergründe und nützliche Tipps – in unserem Dossier bündeln wir alle Artikel zu Corona.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: