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Tübingen Forscher: "Ratten für Hirnforschung ungeeignet"

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Tierschützer machen gegen Experimente mit Affen mobil. Foto: Niedermüller

Tübingen - Der Tübinger Wissenschaftler Nikos Logothetis äußert sich erstmals zu Gründen für seinen Ausstieg aus der Primatenforschung. Anfeindungen radikaler Tierschützer hätten ihn dazu getrieben.

Mit dem Verzicht auf Experimente an Affen nimmt der Direktor des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik nach eigener Aussage Einschränkungen in der Hirnforschung in Kauf. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die menschliche Kognition und damit auch das Wissen über neurologische und psychiatrische Krankheiten nur an Primaten erforscht werden können", sagte Neurowissenschaftler Nikos Logo­thetis gestern laut einer Mitteilung. Er hatte nach monatelangen Anfeindungen von Tierschutzaktivisten kürzlich erklärt, die Versuche an Primaten in Tübingen auslaufen zu lassen und fortan nur noch mit Ratten arbeiten zu wollen.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) verurteilte die persönlichen Attacken scharf. "Ich finde es absolut unerträglich, dass in Deutschland Wissenschaftler bedroht und unter Druck gesetzt werden", sagte sie. Es bestehe zudem die Gefahr, dass weltweit renommierte Forscher ins Ausland abwandern. "Unsere Gesellschaft lebt von Debatten und dem Austausch von Argumenten. Versuche der Einschüchterung und eine Atmosphäre der Aggression bedrohen aber das Fundament, auf dem unsere Wissenschaft und unsere Demokratie aufgebaut sind."

Ähnlich äußerte sich Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) noch einmal. Sie habe Verständnis dafür, dass Debatten über Tierversuche von Emotionen begleitet seien. Es gehe um schwierige Abwägungen von Forschungsfragen und ethischen Aspekten. Sie wünsche sich eine sachliche öffentliche Debatte jenseits eines Schwarz-Weiß-Denkens.

Nach 18 Jahren Forschung an Primaten und Ratten will Neurowissenschaftler Logo­thetis künftig lediglich mit den Nagern weiterarbeiten. Er begründete seine Entscheidung mit "unaufhörlichen Diffamierungen von Seiten der radikalen Tierversuchsgegner". Doch nur Primaten hätten vergleichbare Verknüpfungen der Hirnareale und dieselbe Organisation der Hirnrinde wie der Mensch. "Ratten sind als Modellorganismus für höhere kognitive Prozesse vollkommen ungeeignet, da bei ihnen bestimmte Hirnstrukturen überhaupt nicht vorhanden sind", sagte er. Jedoch könnten sie dazu dienen, Messmethoden weiterzuentwickeln und die Selbstorganisation neuronaler Netzwerke zu erforschen.

Die Max-Planck-Gesellschaft bekräftigte, die Primatenforschung sei zur Klärung drängender Fragen, die für das Verständnis von Krankheiten Voraussetzung ist, unentbehrlich. Auch Wanka betonte: "Der Stand der Wissenschaft erlaubt heute keinen vollständigen Verzicht auf Tierversuche." Deshalb müsse es grundsätzlich möglich sein, zu Forschungszwecken Erkenntnisse aus Tierversuchen zu gewinnen. "Wenn es um die Heilung von Krankheiten geht, gerade um die Entwicklung von Therapien gegen Demenz, Parkinson oder Alzheimer, sind und bleiben vor der Anwendung am Menschen Tierversuche unerlässlich." Dafür gebe es in Deutschland strenge Kriterien.
 

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