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Tübingen/Bad Wildbad Partner schlägt Kinder grün und blau

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Im Schwurgerichtssaal im Landgericht Tübingen wird ein Misshandlungsfall erneut verhandelt. Foto: M. Bernklau

Nordschwarzwald/Tübingen - Der Bundesgerichtshof hat das Urteil gegen die 27-jährige Mutter kassiert – als zu hart. Es waren vor allem zwei Fälle von Kindesmisshandlung durch Unterlassen in Neuenbürg und Bad Wildbad, derentwegen sie für zwei Jahre ins Gefängnis sollte. Jetzt wird das Strafmaß neu verhandelt.

Das erste Kind bekam Kathrin S. mit 16 und gab es bald zur Adoption frei. Sie kannte ihren eigenen Vater nicht und stammte aus einer Pforzheimer Familie, in der Gewalt, Alkohol und wechselnde Männer die Regel waren. Das Mädchen rebellierte, trank, kiffte, wurde kriminell und kam auch in einer Pflegefamilie und einer betreuten Wohngruppe nicht mehr zurecht. Ein Schulabschluss war nicht drin.

Ihre beiden mittleren Kinder bekam sie – den Buben 2012, im Jahr 2014 die Tochter – mit einem Mann, der auch wieder ein gewalttätiger Trinker war. Über Facebook nahm sie später, noch vor der Trennung, wieder Kontakt zu einem vorbestraften Bekannten auf, der in der Calwer Landesklinik Nordschwarzwald stationär seine Süchte und Gewaltneigungen behandeln lassen sollte.

Frau versucht Kinder vor gewalttätigem Partner zu schützen

Nach seiner Entlassung zog dieser Mann im Herbst 2016 nach Neuenbürg in die Wohnung der Mutter und ihrer beiden Kinder, die vom Jugendamt betreut wurden und von Hartz IV lebten. Dass er bei seinen Gewaltausbrüchen, wenn die Mutter nur zum Einkaufen außer Haus war, die zwei- und vierjährigen Geschwister brutal zusammenschrie, schlug, quälte und abartig strafte, konnte in der Kita nicht lang völlig verborgen bleiben.

Auf den erstem Argwohn der Neuenbürger Erzieherinnen wegen der vielen blauen Flecken bei den Geschwistern reagierte das Paar kurzerhand mit einem Umzug nach Bad Wildbad, wo ein anderes Jugendamt zuständig war. Diese Verdeckung der ständigen schlimmen Misshandlungen ihrer Kinder wurde der Mutter im ersten Urteil besonders zur Last gelegt, obwohl sie beide auch immer wieder gegen den brutal gewalttätigen Partner zu schützen versucht hatte.

Mutter bringt Kinder nicht ins Krankenhaus oder zum Arzt

In Wildbad wurde es nicht besser. Dort nahm eine Nachbarin die Brüll-Exzesse des Stiefvaters mit dem Handy auf und bot der Mutter ihre Hilfe an. "HILFE!" hatte die Mutter an die verstaubten Fenster geschrieben. Sie lehnte dann aber doch alles ab. Erst eine Mitarbeiterin des Job-Centers setzte der monatelangen Kinderhölle ein Ende. Sie verständigte bei einem Termin angesichts der unübersehbar grün und blau geschlagenen Geschwister das Jugendamt.

Untersuchungen in der Kinderklinik der Uni Karlsruhe brachten einen länger zurückliegenden Schädelbruch des dreijährigen Mädchens ans Tageslicht. Dass die Mutter nach dem angeblichen gemeinsamen Sturz mit dem Stiefvater auf der steilen Stiege zum Obergeschoss ihr Kind doch nicht ins Wildbader Krankenhaus oder zu einem Arzt brachte, war der zweite Hauptgrund für die harte Bestrafung der Frau im ersten Urteil. Sie hatte sich dem damaligen Partner gefügt, der – inzwischen rechtskräftig – wegen insgesamt neun nachgewiesener brutaler Misshandlungen der Kinder zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde.

Die wegen Unterlassung und Verletzung der Fürsorgepflicht mitangeklagte Mutter bekam nach den Misshandlungen, dem Prozess und der Trennung von dem Gewalttäter ein weiteres Kind. Dessen Vater, wiederum suchtkrank und vorbestraft, hat unter jugendamtlicher Betreuung doch das Sorgerecht bekommen.

Vor wenigen Monaten hat Kathrin S. einen neuen Mann geheiratet und einen neuen Namen angenommen. Ihre mittleren Kinder darf sie alle sechs bis acht Wochen in der zweiten Pflegefamilie besuchen. Ihr tue alles so furchtbar leid, sagte sie vor Gericht unter Tränen. Irgendwann wolle sie ihre Kinder wiederbekommen und hoffe, dass sie ihr dann verzeihen könnten.

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