Der Altheimer Rat hat dem Gfrörer-Projekt auf dem Container-Terminal zugestimmt. Die Hoffnungen des Unternehmens ruhen auf einem Auftrag für den Pfaffensteigtunnel.
Im wohl wichtigsten Tagesordnungspunkt der letzten Sitzung im alten Jahr beschäftigte sich der Altheimer Ortschaftsrat mit der Bebauungsplanänderung für das Intermodale Service-Zentrum Horb (ISH) im Horber Industriegebiet Heiligenfeld.
Den Aufstellungsbeschluss für die vierte Änderung des Bebauungsplans „Intermodales Servicecentrum Horb“ (ISH) im beschleunigten Verfahren nach § 13a Baugesetzbuch (BauGB) hatte das Gremium bereits in seiner November-Sitzung einstimmig befürwortet. Ein Verfahren, dass kurz darauf vom Gemeinderat, nach kontroverser Diskussion, mehrheitlich bestätigt wurde.
Herstellung von „Tübbinge“ soll Flaute beenden
Im Wesentlichen geht es bei dieser Bebauungsplanänderung darum, dass das Empfinger Erdbauunternehmen Gfrörer, das inzwischen das Terminal im Industriegebiet Heiligenfeld zu 100 Prozent eigenverantwortlich betreibt, dort sogenannte „Tübbinge“ herstellen möchte.
Mit dieser Produktionserweiterung möchten Gfrörer die aktuelle Flaute am Verkehrsterminal abfangen. Dort dürfen aktuell nur nachts bis zu zehn Züge ins Terminal einfahren, da die Weiche der Bahnstrecke nur von Hand geschaltet werden kann, das Stellwerk nicht besetzt ist und tagsüber die Strecke nicht freigegeben ist.
Kurzum: Mit so einer Auslastung kann man ein Terminal in dieser Größe, wie man es 2023 im Heiligenfeld eröffnet hat, nicht wirtschaftlich betreiben.
Deshalb gibt es aktuell die Überlegung, in den Tunnelbau, genauer gesagt, in die Produktion von Tübbinge, einzusteigen.
„Tübbinge“ werden im Tunnelbau eingesetzt
Tübbinge sind Betonfertigteile, die als Innenschale oder Außenschale von Tunnel und Schächten eingesetzt werden. Diese Stahlbetonfertigteile sind für den Tunnelbau ein wesentlicher Bestandteil. In der gebräuchlichsten Form bilden sieben Segmente einen vollständigen Ring. Der Tunnel setzt sich wiederum aus einer Vielzahl von Ringen zusammen.
Und gerade beim Bau des Pfaffensteigtunnels, der ein Teil des Gäubahn-Ausbaus ist, der die Bahnstrecke Zürich-Böblingen-Stuttgart Flughafen mit dem Hauptbahnhof Stuttgart verbinden soll, sieht Gfrörer durch die räumliche Nähe zum Projekt die große Chance, einen Mitbewerber aus Niederbayern auszustechen. „Die Chancen stehen 50:50, diesen Großauftrag zu bekommen“, betonte Uwe Gfrörer in der November-Sitzung.
Gutachten müssen neu bewertet werden
Da bereits vom Ortschaftsrat und dem übergeordneten Gemeinderat grünes Licht für das Projekt gegeben wurde, gilt es nun, das Projekt formaljuristisch auf den Weg zu bringen, wie der Chef der Horber Stadtentwicklung, Fachbereichsleiter Peter Klein in der jüngsten Sitzung betonte.
Zwar müssten vorliegende Gutachten, die 2023 zur Freigabe des Terminals erstellt wurden, neu bewertet werden, doch hier sieht weder die Stadtverwaltung noch der Antragssteller größere Probleme. Die bisher angenommene Verkehrszahlen aus dem Verkehrsgutachten ISH reichen aus, um auch Tübbinge-Logistikverkehr darzustellen, wussten die Planer.
Vor diesem Hintergrund billigte der Altheimer Ortschaftsrat einstimmig die geänderte Entwurfsplanung.
Nun kann das Empfinger Unternehmen, das eine Rechnung mit zwei Unbekannten – kommt der Pfaffensteig-Tunnel und bekommen wir den Auftrag – aufgemacht hat, nur noch hoffen, dass alles gut geht.
Bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 16. Dezember, dürfte der Änderungsantrag wohl durchgehen, sodass einer ersten Planauslegung noch vor Weihnachten nichts im Weg steht.
Anzahl der Fahrten
Im ersten Feststellungsverfahren wurde eine maximale Zahl von 284 Fahrten pro Tag festgelegt. Aktuell ergeben sich durch die Nutzungskapazität des Terminals etwa 30 bis 40 Fahrten pro Tag. Bei der Kapazitätserweiterung der Nutzung durch die Tübbing-Fabrik kämen zwischen 78 bis 94 Fahrten pro Tag (eingehend Gesteinskörnung, Zement, Einbauteile und ausgehend Tübbinge) dazu. „Also weit unter der zulässigen Höchstfahrtenzahl“, machte Uwe Gförer deutlich, der sich sicher ist, dass auch ein neues Gutachten, dass mit den modifizierten Parametern erstellt wird, rein rechnerisch keine Verkehrsmehrbelastung für Altheim bringt.
Fläche
Groß ändern wird sich laut Gfrörer an der bislang genutzten Fläche auch nichts. Die Baulinie verändert sich etwas, es kommen ein Betonmischwerk und weitere Gebäude hinzu, etwa eine Produktionshalle und Bürogebäude. Auf einer großen Freifläche werden die Tübbinge gelagert, bevor sie zur Baustelle nach Böblingen gefahren werden.
Klare Bedingungen
Ortschaftsrat Friedemann Schindele fragte vorsichtshalber nach, ob denn auch eine andere Nutzung möglich wäre, falls Gförer den Auftrag, mit dessen Vergabe man Ende Februar 2026 rechnet, nicht bekommt. Dem ist nicht so – nur Tübbinge dürfen auf dem Terminal-Gelände hergestellt werden, bestätigten sowohl Planer als auch Peter Klein. Dies sei im Bebauungsplan so festgeschrieben.