Nach 22 Jahren macht Daniel Wurster in der Sommerpause Schluss beim TSV Simmersfeld. Foto: Kraushaar

Seit 22 Jahren ist Daniel Wurster beim TSV Simmersfeld, die letzten vier davon als Trainer. Ab der neuen Saison übernimmt Marc Baur vom VfL Oberjettingen.

Am Ende war der Akku bei Daniel Wurster einfach leer. „Wenn man bei seinem Heimat- und Herzensverein das Traineramt begleiten darf, will man es immer maximal gut machen“, sagt der scheidende Trainer des TSV Simmersfeld, dem er seit 22 Jahren angehört – als Spieler, Kapitän, Mannschaftsverantwortlicher und seit 2022 als Trainer. Im Sommer wird jedoch Schluss sein. Seine Nachfolge übernimmt Marc Baur, der aktuell noch Spieler beim VfL Oberjettingen ist und zuvor beim SV Schönbronn war.

 

Bereits vor 2022 war Wurster schon einmal zwei Jahre lang Trainer beim TSV Simmersfeld. Er blickt zurück: „Die zwei Amtszeiten und sechs Jahre als Trainer waren anstrengender als die 16 Nicht-Trainer-Jahre. Wahrscheinlich liegt es am fortschreitenden Alter und dem Herzblut, dass man in der Zeit einbringt, dass irgendwann der Akku nicht mehr voll wird. Ich konnte dem Verein keine weitere Saison mit vollem Einsatz garantieren. Daher mein Entschluss an dieser Stelle einen Schlussstrich zu ziehen.“

Verein weiter selbstständig

Insgesamt blickt Wurster positiv auf die vergangenen vier Jahre zurück: „Die Bezirksreform hat in den vergangenen Spielzeiten für viel Unruhe und Aktionismus in den Vereinen gesorgt. Der TSV Simmersfeld ist dennoch weiterhin komplett selbstständig im Aktivenbereich, mit fast ausschließlich Jungs, die aus der eigenen Jugend kommen. Wir stellen zwei Mannschaften ohne Flex-Meldung und das in Zeiten, in denen sich andere Vereine bei den Aktiven in Zweier- oder Dreier-Bündnissen zusammenraufen müssen. Zudem hat sich die Mannschaft sportlich weiterentwickelt, was sich im derzeit dritten Platz auch tabellarisch belegen lässt.“ In der ersten Mannschaft habe der TSV Simmersfeld erfolgreich einen Generationenwechsel vollzogen. „Das Durchschnittsalter der Stammelf betrögt knapp 24 Jahre und hat noch Entwicklungspotenzial. Dank der Unterstützung des Vereins und des Teams ist es gelungen, eine Einheit zu formen, die sportlich ambitioniert ist und zudem einen Top-Charakter aufweist“, unterstreicht Wurster.

Die momentane Situation mit dem dritten Platz in der Staffel 2 der Kreisliga A, in der der Turn- und Sportverein lange die Chance auf den Aufstieg in die Bezirksliga hatte, beschreibt Wurster als Höhepunkt: „Mich freut es riesig für Verein, Fans und Team, dass Sie nach vielen Jahren im Abstiegskampf und Mittelmaß nun auch mal an die Bezirksliga anklopfen durften. Darauf können alle zusammen sehr stolz sein. Mein persönlicher Höhepunkt war aber, dass Verein und Mannschaft mit mir als Trainer auch in die kommende Saison gehen wollten. Das bedeutet mir viel und zeigt, dass der Weg der Richtige ist und mein Beitrag dazu positiv bewertet wird.“

Verlässlich und kollegial

Abteilungsleiter Jochen Brunn sagt über die nun endende Ära Daniel Wurster: „Daniel hat sich durch ein super Engagement und außerordentliche Einsatzbereitschaft ausgezeichnet. Sein Führungsstil, seine Fachkompetenz und sein stetiges Bestreben, das Beste aus jeder Saison herauszuholen, haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der TSV Simmersfeld heute sportlich solide aufgestellt ist. Er hat es geschafft, unsere Mannschaft in nicht einfachen Zeiten mit der Bezirksreform durchgehend in der Kreisliga A zu halten, was für uns als TSV Simmersfeld alles andere als selbstverständlich war und ist. Daniel war zudem verlässlich, kollegial und stets bestrebt, eine positive Klubkultur zu fördern.“

Tochter geht vor

Mit Marc Baur kommt nun ein Mann mit Bezirksliga-Erfahrung nach Simmersfeld. Mit dem VfL Oberjettingen steht er derzeit auf dem letzten Tabellenplatz der Bezirksliga Stuttgart/Böblingen, bestritt als Spielertrainer bislang 22 von 27 Partien und erzielte dabei ein Tor. Über seinen Wechsel zurück in den Kreis Calw sagt er: „Das Gespräch und Konzept der Verantwortlichen haben mich sofort überzeugt. Innerlich wusste ich sofort, dass es das ist, was ich will. Das Wichtigste musste ich dann aber noch abklären: Da ich eine wundervolle kleine Tochter habe, musste ich schauen, wie ich das unter einen Hut bekomme und die Kleine nicht zu kurz kommt. Als ich wusste, dass ich das organisatorisch hinbekomme, habe ich selbstverständlich zugesagt.“

Baurs Ziel sei es, die Mannschaft in Simmersfeld sportlich wie menschlich weiterzuentwickeln und dabei „den bestmöglichen Erfolg“ herauszuholen. Was er anders machen wird als sein Vorgänger Wurster? „Das kann ich erst vor Ort beurteilen. Diese Saison wurde ja nicht viel falsch gemacht, daher muss man wahrscheinlich nur an der einen oder anderen Schraube drehen“, meint der 38-Jährige, der in Simmersfeld nicht nur an der Seitenlinie stehen, sondern als Spieltrainer mitmischen will.

Karten neu gemischt

Armin Bruder von der sportlichen Leitung des TSV Simmersfeld sagt über Baurs Verpflichtung: „Wir wollten einen Trainer, der unserer jungen Mannschaft die Erfahrung aus höherklassigen Ligen weitergibt, der durch andere und neue Trainingsmethoden, Sichtweisen und Philosophien punktuelle Verbesserungen erreicht, der aber auch menschlich zur Mannschaft und dem Verein passt. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Marc einen solchen Trainer gefunden haben.“ Brunn ergänzt: „Ein externer Trainer bringt naturgemäß einen anderen Blick auf die Mannschaft und den Verein mit. Gerade im Trainings- und Spielbetrieb sind Anpassungen denkbar, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Alte Rollenbilder und eingefahrene Hierarchien könnten an Bedeutung verlieren, die Karten werden neu gemischt.“

Verpasstes wird nachgeholt

Und was passiert mit Wurster ab der Sommerpause? „Das wird ab Juni komplettes Neuland für mich. Wenn man ein solches Amt ausübt, bleibt viel Privates auf der Strecke. Stand heute freue ich mich auf die hinzu gewonnene Zeit und die Möglichkeit, Verpasstes nachzuholen“, meint der scheidende Trainer über seine Zukunft.