„Erfolg ist kein Glück“ – Tim Keller setzt auf Disziplin, Ausdauer und Willen. Foto: Manuel Kamuf/lightworkart

Zehn Jahre Fechtsport: Tim Keller vom TSV Calw blickt zurück.

Der erfolgreiche Fechter gibt Einblick in seine Sportart und macht deutlich, dass Fechten für ihn weit mehr ist als Medaillensammeln.

 

Wenn du heute auf deine bisherigen Jahre im Fechtsport zurückblickst – was fühlst du?

Wenn ich heute zurückblicke, spüre ich noch immer denselben Enthusiasmus wie am ersten Tag. Damals wusste ich nur eines ganz sicher: Ich wollte fechten. Es war mein Traum als Kind – und auch heute, zehn Jahre später, stehe ich mit demselben Ehrgeiz und derselben Begeisterung im Fechtsport. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Schritte auf der Planche und an das erste Florett, das ich in der Hand hielt. Mir kommt es vor, als wäre es erst gestern. Es liegen jedoch Jahre voller Erfahrungen zwischen diesen ersten Schritten und heute: schöne Augenblicke, Enttäuschungen, Herausforderungen und Prüfungen, die mich gestärkt haben.

Was hat dir das Fechten auf deinem Weg beigebracht?

Durch das Fechten habe ich früh gelernt, wie wichtig es ist, ein Ziel zu haben und nicht aufzugeben. Mit der Zeit habe ich aber auch verstanden: Nicht das Ziel selbst ist das Wichtigste, sondern der Weg dorthin. Die kleinen Schritte, die Erfahrungen und die Menschen, die einen auf diesem Weg begleiten, sind es, die wirklich zählen. Leicht war es nie, und auch heute ist es oft eine Herausforderung, Schule, Training, Turniere und Freundschaften miteinander zu verbinden. Es kostet viel Schweiß, Zeit und manchmal auch Zweifel. Aber genau das macht den Sport aus: Er bereitet einen nicht nur auf Wettkämpfe, sondern auf das echte Leben vor.

Welche persönliche Bedeutung hatte Fechten für dich?

Für mich als eher schüchternes Kind war Fechten mehr als nur ein Sport. Wenn ich die Maske aufgesetzt habe, fühlte ich mich stärker. Sie war meine Rüstung, mein Schutz und mein Raum, in dem ich Mut entwickeln konnte. Hinter dieser Maske habe ich gelernt, an mich selbst zu glauben. Natürlich gab es Erfolge, Titel und Medaillen: Bezirks- und Landesmeisterschaften, Deutsche Meisterschaften, internationale Turniere, die Nominierung in den Bundeskader und die Teilnahme als Nachwuchssportler im Rahmen der Olympischen Spiele in Paris. Darauf bin ich stolz. Noch wichtiger ist aber das, was mir der Sport innerlich gegeben hat: den Mut, meinen eigenen Weg zu gehen und Schritt für Schritt an meinen Zielen festzuhalten.

Wie gehst du mit Niederlagen und Rückschlägen um?

Ich erinnere mich auch an Niederlagen und Turniere, nach denen man sich fragt, ob sich all das wirklich lohnt. Gerade dort lernt man am meisten. Im Leben hat man für jeden Moment nur eine Entscheidung. Es ist unmöglich, immer die richtige zu treffen – und ohne Fehler gibt es keinen Fortschritt. Niederlagen und Rückschläge sind kein Scheitern, sondern Teil des Weges. Ralph Waldo Emerson sagte einmal: „Die einzige Person, die du werden kannst, ist die, die du sein möchtest.“ Genau darum geht es: nicht perfekt zu sein, sondern den Mut zu haben, weiterzugehen. Man wird nicht plötzlich zu der Person, die man sein möchte – man wächst Schritt für Schritt.

Was möchtest du jungen Sportlern – egal ob im Leistungs- oder Breitensport – mitgeben?

Ich möchte Ihnen mitgeben, an den eigenen Traum zu glauben, auch wenn andere daran zweifeln, und trotz Rückschlägen weiterzugehen. Denn Erfolg ist kein Glück, sondern entsteht durch Disziplin, Ausdauer und den Willen, nicht stehen zu bleiben. Fechten ist deshalb nicht nur ein Sport für Medaillen. Es ist eine Schule fürs Leben. Jeder kann davon profitieren – unabhängig davon, ob im Leistungssport oder im Breitensport.

Welche Rolle spielt dabei der TSV Calw für dich?

Ein wichtiger Teil meines Weges war und ist der TSV Calw. Der Verein war nie nur ein Trainingsort, sondern ein Stück Heimat. Dort habe ich nicht nur das Fechten gelernt, sondern auch Vertrauen, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Diese Treue zum Verein hat mich geprägt und begleitet mich bis heute.

Dein persönliches Motto zum Schluss?

Lebe den Traum, der in dir ist. Lebe das Märchen, das in dir steckt.