Roland Kose hat am Dienstagmorgen den Staffelstab übernommen – und seine Runden auf der Tartanbahn in der Balinger Bizerba-Arena gedreht. Foto: Marschal

Seit mehr als einer Woche wird 24 Stunden am Tag auf der Tartanbahn in der Bizerba-Arena gelaufen – im besten Fall werden daraus 30 Tage. Grund dafür ist eine Aktion der TSG Balingen.

Das klingt fast rekordverdächtig: Seit mehr als einer Woche wird auf der Kunststoffbahn in der Balinger Bizerba-Arena durchgängig gelaufen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Auch mitten in der Nacht und bei strömendem Regen begeben sich Läufer auf die Strecke – und das nicht ohne Grund. „Run the Alm“ ist eine Spendenaktion der TSG Balingen. Über eine Crowdfunding-Plattform sammeln die Fußball-Oberligisten Spenden, um die Almhütte mitzufinanzieren, die als Fantreff neben dem Stadion gebaut wird.

 

„Im besten Fall laufen wir 30 Tage bis zur Eröffnung der Hütte“, erklärt TSG-Geschäftsführer Jonathan Annel. Denn ob die Aktion weiter geht, ist an ein paar Bedingungen geknüpft: Alle paar Tage wird ein Spendenziel festgelegt, das es zu erreichen gibt. Wird diese Hürde nicht genommen, endet der Lauf. Das nächste Ziel von 25 000 Euro soll in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um Mitternacht erreicht werden.

Super Stimmung

Der Startschuss fiel am 22. September um 6 Uhr morgens. Anfangs waren es vor allem Mitglieder der TSG, die sich auf die Strecke begaben, mittlerweile laufen auch Menschen mit, die keine Verbindung zum Verein haben. Annel ist überwältigt von der Stimmung. Oft sind mehrere Läufer auf der Strecke: Manche bringen Freunde als Verstärkung mit und teilen sich den das einstündige Zeitfenster. Einzelne laufen gar einen Halbmarathon auf er 400-Meter-Bahn, Vereine wie beispielsweise die Garde der Narrenzunft Erlaheim verlegten ihr Training auf die Strecke. Ein Rentner komme täglich sogar zweimal vorbei und läuft morgens eine Stunde und abends. Am Montagabend war die Feuerwehrabteilung Balingen am Start: In voller Einsatzmontur bewältigten die Feuerwehrleute die Strecke. Ob diese gerannt wird oder lässig gegangen, sei egal, betont Annel. Ein Teilnehmer habe den Staffelstab sogar im Rollstuhl weitergetragen.

Die Balinger Feuerwehr lief in voller Montur mit. Foto: privat

Bei der Übergabe und beim Laufen komme man oft ins Gespräch, außerdem gibt es eine Lounge, wo sich die Läufer bei Getränken und Snacks erholen können oder von wo die Begleiter den Lauf verfolgen.

Damit gewährleistet wird, dass der Staffelstab nie abgelegt wird, hat die TSG ein Online-Buchungssystem mit einstündigen Zeitfenstern eingeführt. „Bis auf die Nachtstunden ist der nächste Tag immer komplett ausgebucht“, erklärt Annel. Damit kein Leerlauf entsteht, springen in den Randzeiten die Organisatoren der TSG ein. Rund um die Uhr ist immer ein Mitglied des Vereins vor Ort, um die Sicherheit der Teilnehmer zu gewährleisten, im Notfall zu helfen, Fragen zu beantworten oder – manchmal auch spontan – als Läufer einzuspringen.

Guiness-Weltrekord

Um zu beweisen, dass ununterbrochen gelaufen wird, wird der Staffellauf live im Internet übertragen. Das ist nicht nur für die Freunde und Angehörigen der Läufer ein Spaß, sondern dient auch der Dokumentation. Der Verein ist nämlich mit „Guiness World Records“ in Kontakt. Ob mit „Run the Alm“ wirklich ein Weltrekord aufgestellt wird, ist aber noch unklar, da bereits ein 40-tägiger Staffellauf festgehalten wurde – allerdings nicht in einem Stadion, sondern im freien Gelände. „Aber der Weltrekord ist zweiranging“, betont Annel.

Aus Einzelsport wird Gemeinschaftsevent

Fast zur Nebensache ist auch der eigentliche Anlass des Laufs geworden. „Vielen geht es nicht mehr unbedingt um die Hütte, sondern um das Ding am Laufen zu halten“, erklärt Annel. „Aus einem Einzelsport ist ein Gemeinschaftsevent geworden.“ In den vergangenen Tagen hat die Aktion so viel Aufmerksamkeit bekommen, dass viele Menschen mitmachen wollen, auch über den nächsten „Checkpoint“ Mittwochnacht hinaus. Beispielsweise haben sich auch Firmen angemeldet, die aus dem Lauf ein Teamevent machen wollen. Am Dienstagabend stand die Spendensumme bei 12 890 Euro, doch bei den Organisationen sind zuversichtlich, dass auch die nächste Hürde genommen wird.

„Run the Alm“

Zwischenstand
Nach einer Woche zählt die Aktion 238 Läufer, die gemeinsam in rund 3000 Runden 1200 Kilometer zurückgelegt haben.

Spendenziel
Wenn 30 Tage lang durchgängig gelaufen wird, heißt es, dass das Spendenziel von 225 000 Euro erreicht wird.

Almhütte
Als Fantreff und Einkehrmöglichkeit nach den TSG-Spielen baut der Verein eine Almhütte neben der Bizerba-Arena. Die Eröffnung ist für das Wochenende um den 17. und 18. Oktober geplant. Bestenfalls läuft „Run the Alm“ bis zur Eröffnungsfeier.

Teilnehmen
Spenden oder Zeitfenster für den Lauf buchen kann man online unter https://wir-bauen-eine-alm.de/.