Das 0:4 in Homburg wirkt nach bei der TSG Balingen. Eine Fehlentscheidung brachte die Isik-Elf aus dem Tritt. Jetzt kommt der Spitzenreiter der Regionalliga.
Viel unglücklicher hätten die Regionalliga-Fußballer der TSG Balingen nicht ins neue Spieljahr starten können. Dass es die Mannschaft um Trainer Murat Isik beim FC 08 Homburg schwer haben könnte und sie beim Tabellendritten zumindest auch eine erneute Niederlage einkalkulieren musste, ist das eine.
Nur wurden die Schwaben am Wochenende beim 0:4 (0:2) im Saarland weniger von sich selbst – oder zunächst dem Gegner – als vielmehr von Schiedsrichterin Naemi Breier ausgebremst.
Die 32-Jährige stellte den Balinger Jonas Fritschi nach gut einer halben Stunde wegen eines harmlosen Fouls mit Rot vom Platz. Und das Spiel damit auf dem Kopf.
Forscher TSG-Beginn
Denn bis dahin, bis zu dieser Fehlentscheidung in der 31. Minute, konnte man der jungen Balinger Elf wenig vorwerfen, die Chancenverwertung vielleicht. Die TSG, die als Tabellen-16. tief im Abstiegsstrudel der Regionalliga Südwest steckt, hatte forsch begonnen und die nominell überlegenen Gastgeber mit ihrem aggressiven Pressing direkt vor Probleme gestellt.
Immer wieder hatten sie sich in der Anfangsphase Räume und Abschlüsse erarbeitet, während von den Homburgern zunächst kaum etwas kam.
Platzverweis ändert das Spiel
Der Feldverweis gegen Fritschi, der das erste Mal in dieser Saison von Beginn an auflief und davor 18 Spiele ohne Einsatz geblieben war, änderte die Dynamik der Partie jedoch völlig. Nun konnten die Gastgeber ihre spielerische Qualität auf den nassen Rasen des Waldstadions und den neunten Sieg im 21. Punktspiel mit konsequenter Vehemenz in trockene Tücher bringen.
Homburg nutzt den Platz
Dies angeführt von Winter-Neuzugang Kaan Inanoglu – der Doppeltorschütze war an allen vier Homburger Treffern beteiligt. Isik, der sich selten zu Schiedsrichter-Kritik hinreißen lässt, behielt nach dem Spiel zwar die Fassung, blieb ruhig im Ton und relativ schonend in der Wortwahl.
Es brodelt in Murat Isik
Doch unterschwellig dürfte es im Balinger Trainer gebrodelt haben. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass der TSG ein Spiel „runterpfiffen“ (O-Ton Isik) wurde. Da half es dem 50-Jährigen auch wenig, dass sich Breier nach der Partie für ihre dürftige Einschätzung zu entschuldigen versuchte.
„Die Niederlage tut weh“
Sie werde aus ihren Fehlern lernen, habe sie ihm gegenüber gesagt, berichtete Isik. „Die Bilder zeigen es: Das war nie und nimmer eine Rote Karte“, sagte der TSG-Coach. „Und deswegen tut die Niederlage extrem weh. Denn bis zu diesem Zeitpunkt waren wir richtig gut und das bessere Team.“
Eindeutige Sache
Videoaufnahmen brauchte man gar nicht, um auf diese Einschätzung zu kommen. Fritschi, in der besagten Szene zwar zu spät, aber noch weit weg vom Tor, brachte seinen Gegenspieler auf der rechten Seite mit einer gezielten Berührung aus dem Tritt, zwei weitere Balinger hatten im Zentrum schon gelauert, anders gesagt: Weder war Fritschi letzter Mann, noch vereitelte er eine glasklare Torchance.
Ein Soft-Foul
Und das Foul an sich? Eher von der softeren Sorte. Auch Fritschi, der es in dieser Saison nur auf drei Einsätze und 45 Minuten Spielzeit bringt, war nach der Partie angefressen. „Bis zu der Roten Karte waren wir ordentlich im Spiel“, sagte der 25-Jährige, der nun gesperrt ist und die angeschlagene TSG-Defensive zusätzlich schwächt.
Zweite strittige Szene
„Die Entscheidung hat das Spiel sehr beeinflusst. Ein kleiner Stellungsfehler führte dazu, dass ich ein taktisches Foul ziehen musste. Wie man in der Situation aber Rot zeigen kann, verstehe ich nicht.“ Doch nicht nur über diese Szene ärgerten sich die Balinger. Vor dem zweiten Gegentreffer wähnten die Schwaben zudem eine Hand im Spiel. Ganz so eindeutig war jene Szene, bei der Homburgs Vorlagengeber, Miguel Goncalves, im Strafraum der TSG ins Straucheln geraten war und beim Fallen wie Aufstehen dem Ball mit der Hand verdächtig nahe kam, derweil nicht.
Roland Seitz atmet auf
„Wir hatten in den ersten 20 Minuten doch Probleme“, meinte derweil Roland Seitz. „Das Publikum murrt dann, es baut sich Druck auf, und plötzlich spielt da nicht mehr das dominante Team, das ich noch in der Vorbereitung gesehen habe“, so der Homburger Trainer, der damit indirekt ein Lob an die TSG verteilte.
Davon können sich die Schwaben nichts kaufen. Weiterhin fehlen ihnen bis zu zehn Punkte auf Platz 14, den es derzeit für den Klassenerhalt bräuchte. Weil am Wochenende zudem einige Partien ausfielen, reflektiert die Tabelle derzeit eine verzerrte Lage. Und ausgerechnet jetzt kommt mit dem SGV Freiberg der Tabellenführer nach Balingen (Samstag, 14 Uhr, Bizerba-Arena).
Hoffen auf Sonnenhof
Dessen Heimspiel gegen Trier war am Samstag witterungsbedingt abgesagt worden. Am Mittwoch, wenn Verfolger SG Sonnenhof Großaspach (ein Punkt Rückstand) sein verschobenes Duell gegen den SC Freiburg II austragen wird, könnten die Freiberger ihre Führung daher kurzfristig an Aspach loswerden. Von einem Sonnenhof-Dreier würde nun auch die TSG profitieren. Denn als Tabellenfünftletzte belegen die Freiburger genau jenen Platz, auf den die Isik-Elf spekuliert. Oder angesichts der bescheidenen Ausgangslage: hoffen muss.