Rudelbildung statt Pokaleinzug feiern: Nach Abpfiff wurde es auf dem Spielfeld hitzig. Foto: Eibner Foto: Schwarzwälder Bote

WFV-Pokal: Mit einem knappen, aber nicht unverdienten 2:1-Sieg gegen die Stuttgarter Kickers zieht die TSG Balingen ins Finale ein

TSG erreicht erneut Endspiel des WFV-Pokals nach spannendem Halbifinale bei den Stuttgarter Kickers

Die TSG Balingen steht erneut im Finale des WFV-Pokals. Nach einem knappen 2:1-Sieg im Halbfinale gegen die Stuttgarter ­Kickers wartet auf den Regionalligisten am 29. Mai nun die Endspiel-Revanche gegen den SSV Ulm. Bis dorthin war es aber ein hartes Stück Arbeit – und eine Geduldsprobe.

Die Erleichterung war den Balinger Spielern nach Abpfiff im Kickers-Stadion auf der Waldau deutlich anzumerken. Eben noch Rudelbildung im eigenen Strafraum, die erzürnten Gesichter der Spieler der Stuttgarter Kickers direkt vor der Nase. Dann endlich konnten sie sich vor der eigenen Trainerbank in die Arme nehmen und ausgelassen feiern. Mit einem nicht unbedingt unverdienten, aber doch knappen 2:1-Sieg zog der eine Klasse höher spielende Regionalligist in das Finale des WFV-Pokals ein.

"Wir sind sehr glücklich, dass wir gewinnen konnten", sagte TSG-Trainer Martin Braun bei der Pressekonferenz nach dem Spiel und analysierte: "Es war für mich das erwartete Spiel gegen einen Gegner, der fußballerisch sehr viel Qualität hat. Ich fand auch, dass die Kickers in der ersten Halbzeit ein bisschen besser war als wir. Da standen wir zwar defensiv ordentlich, hatten aber ein paar Mal Glück."

In der Tat: Offensiv war von der TSG Balingen in der erste Hälfte nicht viel zu sehen. Dabei hatte Braun vor der Partie noch eindringlich vor der Offensivstärke des ehemaligen Bundesligisten gewarnt. Kickers-Trainer Ramon Gehrmann musste jedoch eingestehen: "Vorne waren wir nicht zwingend genug."

Nichts zu sehen war hingegen davon, dass die "Blauen" seit einem halben Jahr kein Pflichtspiel mehr bestritten hatten. Ihren letzten Auftritt in der inzwischen abgebrochenen Oberliga-Saison hatten sie am 24. Oktober mit einem 3:0-Sieg beim SSV Reutlingen. Zuletzt standen sie auf dem zweiten Tabellenplatz. Ein Garant für diesen Erfolg: Kickers-Torjäger Mijo Tunjic, der in 13 Spielen satte 17 Treffer erzielte. Dass der angeschlagene Tunjic gegen die TSG Balingen nach 33 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste, machte die Gastgeber – gelinde gesagt – nicht torgefährlicher.

Der defensiv stehende Regionalligist tat dagegen gut daran, nicht die Geduld verloren zu haben. Seine Zeit kam nach einer Stunde Spielzeit: Nach zwei Balinger Großchancen durch Simon Klostermann (56./61.) wurde der 20-Jährige versehentlich von Kickers-Torwart Thomas Bromma angeschossen. Der abgefälschte Ball kullerte ins Tor zur Balinger Führung. Zwei Minuten später pennte die Stuttgarter Abwehr, was der zuvor erst eingewechselte Felix Heim mit einem Alleingang zur vorentscheidenden 2:0-Führung ausnutzte. "Die Entstehung der Gegentore war besonders bitter", ärgerte sich Kickers-Coach Gehrmann.

Der Anschlusstreffer durch Denis Zagaria (82.) brachte Spannung in der Schlussphase, in der die "Blauen" Gift und Galle spuckten, weil sie einen Elfmeter nicht zugesprochen bekamen. "Dass es in einem Pokal-Halbfinale nach einem späten Anschlusstreffer nochmals hitzig wird, ist klar", räumte TSG-Trainer Braun ein, während Gehrman mit der Leistung der Schiedsrichter haderte. Die Balinger Defensive blieb jedoch standhaft, der Ausgleichstreffer fiel nicht.

Schon nach dem Spiel schaute die TSG nach vorne – auf das Pokalfinale am 29. Mai gegen den SSV Ulm, gegen den sie bereits in der Vorsaison im Endspiel stand. In dem pandemiebedingt erst im August im Kickers-Stadion ausgetragenen Finale unterlag die TSG klar mit 0:3. Auch bei den beiden Aufeinandertreffen in der Regionalliga setzte es Niederlagen für die Balinger gegen den SSV Ulm. Braun ist jedoch zuversichtlich: "Wir haben dreimal relativ deutlich gegen Ulm verloren. Jetzt bekommen wir die vierte Chance."

Zahlreiche Fans der Stuttgarter Kickers hatten sich rund ums Stadion eingefunden, ihre Mannschaft nach einem halben Jahr Pause mit reichlich Pyrotechnik begrüßt und in der ersten Spielhälfte lautstark angefeuert. In der Halbzeitpause tauchte dann die Polizei auf und löste die Versammlung vor umgehend auf. Unter den Kickers-Offiziellen auf der Haupttribüne sorgte das für Kritik. Unter anderem war zu hören: "Die Querdenker dürfen das, aber unsere Fans nicht."

Apropos Offizielle: Die emotionale Schlussphase war nicht nur auf dem Rasen zu spüren: Mit dem Schlusspfiff geriet die Delegation der TSG Balingen verbal mit einigen "Blauen" auf der Haupttribüne aneinander. Nach dem hitzigen Wortgefecht drehten sich die Balinger Offiziellen jedoch wieder in Richtung Spielfeld um und applaudierten dem Team.

Schon in eineinhalb Wochen gibt es für die TSG Balingen ein Wiedersehen mit dem Kickers-Stadion, in dem auch in diesem Jahr das Finale um den WFV-Pokal stattfinden wird. Ein Wiedersehen mit den Hausherren wird es beim Endspiel gegen den SSV Ulm allerdings nicht geben. Kickers-Trainer Ramon Gehrmann kündigte bei der Pressekonferenz nach dem verlorenen Halbfinale bereits an: "Ich werde nicht ins Stadion hochfahren."

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