Ein erstes Spiel mit Endspiel-Charakter hat die TSG Balingen vor der Brust. Das Kellerduell beim FC Bayern Alzenau steht an – mit Ivo Colic, der nach seiner Sperre zurückkehren wird.
In schwierigen Phasen und wichtigen Spielen braucht es Anführer, die vorangehen. Ivo Colic ist so einer – und das Auswärtsspiel der TSG Balingen diesen Samstag (14 Uhr) beim FC Bayern Alzenau so eines.
Drei Punkte und einen Tabellenplatz trennen die Zollernälbler vom FC Bayern aus Unterfranken, der Regionalliga-Viertletzter ist. Anders gesagt: Wollen die Balinger im Abstiegskampf der Viertliga-Südweststaffel nochmals Land sehen, genügt ihnen eine gute Leistung allein nicht wirklich, auch ein Remis wäre im Grunde zu wenig.
Wollen sie zunächst zum Tabellen-15. (Alzenau) aufschließen und anschließend bestenfalls zum Regionalliga-14. (Offenbach), den es im Abstiegskampf derzeit mindestens zu überholen gilt. Dann, ja dann brauchen sie in Alzenau eigentlich einen „Dreier“.
Colic redet Tacheles
Das weiß auch Colic, der zwar dafür bekannt ist, Tacheles zu reden, dem Kellerduell in Alzenau aber dennoch keinen exklusiven Endspiel-Charakter zuschreiben will. „Wir haben noch zehn Spiele, um zehn Punkte aufzuholen“, sagt der Mittelfeld-Antreiber. „Für uns ist jedes Spiel ein Endspiel.“
Hätten die Schwaben am vergangenen Wochenende den Ex-Drittligisten SV Sandhausen geschlagen, wären es nun nur noch sieben Zähler auf Rang 14. Möglich war das allemal. Stattdessen jedoch fingen sich die von Murat Isik trainierten Fußballer erneut eine Niederlage ein, die angesichts des Spielverlaufs und des Gegentreffers kurz vor Schluss abermals das Prädikat „bitter“ verdient. „Das 1:2 hat mich extrem geärgert“, sagt denn auch Colic, der wegen einer fragwürdigen Ampelkarte (Meckern und Allerweltsfoul), die er zuvor beim 3:2-Sieg in Frankfurt kassierte, auf der Tribüne Platz nehmen musste.
Ein 50:50-Duell
„Es war wieder ein 50:50-Duell, in dem beide Teams defensiv wenig zulassen und wir eigentlich einen Tick mehr vom Spiel haben. Doch anstatt den Punkt mitzunehmen, fressen wir kurz vor dem Ende den unglücklichen Knockout – ein Spiegelbild der ganzen Saison.“ Dass er seiner Mannschaft nicht helfen konnte, das 1:1 über die Zeit zu bringen, habe ihn ein Stück weit frustriert, gesteht der 27-jährige Colic, im Januar 2025 vom FC 08 Villingen in die Kreisstadt gekommen. „Aber das muss man akzeptieren. Und die Jungs haben ja auch ohne mich ein gutes Spiel gemacht.“
Alle drei Kapitäne fehlen
Neben Colic musste die TSG erneut auf zwei weitere Leader verzichten, auf Spielführer Matthias Schmitz und Sascha Eisele (Saisonaus nach Kreuzbandriss). Anders gesagt: Isik fehlten alle drei Kapitäne. Schmitz feierte in Sandhausen zwar spät ein Comeback, dürfte nach langer Auszeit aber noch ein paar Tage brauchen, bis er wieder in Bestform ist.
Colic setzt ein Zeichen
Colic, der zuletzt mit Marvin Jäger als erster seinen Vertrag um eine weitere Saison verlängerte und damit im Abstiegskampf ein Zeichen setzen möchte, glaubt jedenfalls noch an den Liga-Vergleich. „Warum nicht“, fragt er, gewiss rhetorisch. „Wir sind in jedem Spiel auf Augenhöhe, mindestens. Warum sollten diese engen Spiele nicht auch mal auf unsere Seite kippen und wir Momentum aufnehmen, warum nicht?“
Gute Erfahrungen
Ja, warum eigentlich nicht. Schließlich hatte die TSG gegen den FSV Frankfurt vor zwei Wochen eine spektakuläre Wende geschafft und einen 0:2-Pausenrückstand in ein 3:2 gedreht. Auch Sandhausen hatten die Schwaben nach dem 0:1-Rückstand am Rande einer Niederlage. Und mit Bayern Alzenau (zuletzt 0:2 gegen Mainz 2) haben sie im Hinspiel ohnehin gute Erfahrungen gemacht (3:1-Sieg).
Keine Rechnerei
„Wir schauen nach uns und nicht auf die Tabelle“, erklärt nun Colic. „Die Rechnerei frisst nur unnötig Energie, die wir woanders brauchen können“, so der gebürtige Nöttinger weiter. „Es fehlt uns nie viel, aber bisher fehlte leider immer etwas.“ Und was? Wenn er das nur wüsste. Sicher ist: Nicht fehlen wird den Balingern in Alzenau ihr Anführer, Ivo Colic. Der hat seine Sperre abgesessen.