Die Fahnen der EU und Tschechiens (re.) wehen vor dem Prager Kongresszentrum Foto: dpa

EU kritisiert Tschechien für Penis-Kontrollen bei homosexuellen Asylbewerbern.

Prag - Die EU hat Tschechiens Behörden für Penis-Kontrollen bei homosexuellen Asylbewerbern kritisiert. Bei den Erektions-Kontrollen wurden Asylbewerbern Pornofilme mit Heterosexuellen gezeigt und ihnen dabei der Blutfluss zum Penis gemessen.

Damit sollte nach Prager Angaben überprüft werden, ob die Asylbewerber, die eine Verfolgung wegen Homosexualität in ihrem Heimatland geltend machten, womöglich doch heterosexuell seien. Ein Sprecher des Prager Innenministeriums erklärte am Donnerstag, die "phallometrischen Tests" würden seit Beginn dieses Jahres nicht mehr ausgeführt.

Innenminister Radek John verteidigt die Tests

Die EU-Grundrechteagentur hatte das tschechische Vorgehen in einem Bericht kritisiert. Es sei für die Asylbewerber entwürdigend und verstoße mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen die Grundrechtecharta der EU. Die Praxis war ans Licht gekommen, weil ein Gericht in Schleswig-Holstein nach EU-Angaben die Rückführung eines iranischen Asylbewerbers nach Tschechien verweigert hatte. Das Gericht hatte dies damit begründet, dass der Iraner in Tschechien "phallometrischen Tests" ausgesetzt wäre.

Nach Angaben des tschechischen Innenministerium hat es zwischen 2006 und 2009 insgesamt nur zehn Fälle gegeben, in denen das von Gerichtsmedizinern bediente "Phallometrie"-Gerät zum Einsatz kam. Innenminister Radek John verteidigte die Tests. Die Asyl-Bewerber müssten den Behörden überzeugend beweisen können, dass sie Homosexuelle sind, sagte der Minister im tschechischen Rundfunk. Andernfalls hätte der Betroffene keinen Anspruch auf Asyl. "Dann soll er doch in ein Land gehen, wo diese Tests nicht durchgeführt werden und dort Asyl beantragen", sagte John. Die betroffenen Asylbewerber hätten nach Angaben des Ministeriums selbst um diese Tests gebeten oder ihnen zumindest zugestimmt, hieß es.