Die deutschen Autohersteller werden durch höhere Importzölle in den USA gleich mehrfach belastet. Auch die Lieferketten für Werke in Amerika kommen unter Druck. Welche Schlüsse die Unternehmen daraus ziehen.
Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle auf importierte Autos stellen die deutschen Hersteller vor massive Probleme. Mit Gegenreaktionen seitens der EU wäre es nicht anders, sollten sie ebenfalls auf Autos abzielen. Denn die größten Autoexporteure der USA sind nicht etwa Marken wie Ford oder Chevrolet, sondern BMW und Mercedes mit ihren Werken in Spartanburg (South Carolina) und Tuscaloosa (Alabama).
Die global vernetzte Produktionsstruktur der Unternehmen hat sich in der Vergangenheit als hoch effizient erwiesen. In Zeiten des Handelskriegs aber werden sie nun an vielen Stellen verwundbar und müssen mit Einbußen rechnen – auch wenn diese momentan kaum seriös zu beziffern sind.
Mercedes-Benz
Der Konzern hat im vergangenen Jahr 324 500 Autos in den USA verkauft, das sind fast 14 Prozent des Gesamtabsatzes. Ein guter Teil davon kommt aus dem Werk in Tuscaloosa, wo Mercedes die großen SUV-Modelle wie GLS und GLE sowie die elektrischen Pendants EQS SUV und EQE SUV produziert. Im vergangenen Jahr waren es 260 000 Exemplare, von denen rund zwei Drittel in den Export gingen. Hingegen werden Limousinen des Premiumsegments wie die S-Klasse ausschließlich im Werk Sindelfingen hergestellt und von dort in die Staaten gebracht. Sie würden durch die neuen Zölle von 25 Prozent auf den Preis erheblich verteuert, bisher liegt der Tarif bei lediglich 2,5 Prozent. Umgekehrt kassiert die EU derzeit zehn Prozent auf amerikanische Importe.
Die Produktion in den USA schmälert zwar die Wirkung der Zölle für Hersteller wie BMW und Mercedes. Gänzlich davon unberührt dürfte sie aber nicht bleiben, denn Trumps Direktive bezieht sich nicht nur auf komplette Autos, sondern auch auf noch nicht näher definierte wichtige Teile von Zulieferern, die aus dem Ausland kommen.
Rund um die Ballungszentren der amerikanischen Industrie haben sich längst staatsübergreifende Cluster gebildet. Teile, die in den US-Werken verbaut werden, überqueren teils mehrfach die Grenzen zu Mexiko und Kanada. Bisher hat dies die Produktion günstig gemacht und die Erträge der Hersteller gestützt. Trumps Zölle machen deshalb auch amerikanischen Autobauern zu schaffen.
Ob sie dazu führen, dass Mercedes künftig noch weitere Modelle in den USA baut – und folglich Produktion in der Heimat kürzt – ist offen. In einem „Handelsblatt“-Interview sagte Vorstandschef Ola Källenius vor Kurzem, alles sei denkbar. „Wenn hohe Zollbarrieren dauerhaft Bestand haben sollten und zu einer neuen Normalität würden, dann müssten wir eventuell sogar unsere industrielle Struktur anpassen“, so Källenius. Allerdings sei dafür Verlässlichkeit nötig. Man brauche „zumindest einen Planungshorizont von drei Jahren“. Ein frommer Wunsch angesichts der bisher von Trump an den Tag gelegten Sprunghaftigkeit. Mercedes fordert deshalb schon länger von der EU, sich in Verhandlungen für die Absenkung der gegenseitigen Zölle auf null einzusetzen. Schließlich ist der Autobauer auch an einer anderen Front mit der Problematik konfrontiert: Die von der EU verhängten Strafzölle gegen China wegen unerlaubter Subventionen treffen auch das Joint Venture Smart, das Mercedes zur Hälfte gehört.
Auch der weltgrößte Autozulieferer Bosch blickt sorgenvoll Richtung Washington und Brüssel. „Die von den USA angekündigten zusätzlichen Zölle auf Importe von Fahrzeugen und Automobilkomponenten sind eine Belastung für die gesamte, global aufgestellte Automobilindustrie – diese lebt von offenen Märkten und Export“, teilt der Stiftungskonzern mit. Es sei nötig, ein „level playing field“ für die europäische Automobilindustrie und vor allem auch die Zuliefererindustrie zu erhalten, also Regeln, die gegenseitig als ausgeglichen empfunden werden. „Wir setzen darauf, dass politische Entscheidungsträger den Dialog fortsetzen, um in der aktuellen komplexen Lage gemeinsam eine Lösung zu finden“, so Bosch.
Das Unternehmen beschäftigt in den USA rund 20 000 Mitarbeiter und verfolgt einen „Local-for-local“-Ansatz, demzufolge dort produziert wird, wo das Produkt verkauft werden soll. Gleichzeitig aber arbeitet Bosch in einem internationalen Produktionsnetzwerk. „Wir überprüfen unsere Warenströme fortlaufend vor dem Hintergrund der sich ständig ändernden Handelsgesetzgebung“, so das Unternehmen. Was dies in der aktuellen Situation konkret heißt, lässt Bosch aber offen. Man „evaluiere derzeit die Auswirkungen der angekündigten Zölle auf unsere globalen und regionalen Geschäftsaktivitäten“.
Der Stuttgarter Sportwagen- und SUV-Hersteller Porsche befindet sich in einer Sondersituation, da die gesamte Produktion in Stuttgart, Leipzig und Bratislava (Slowakei) beheimatet ist. Ein Werk in den USA aufzubauen, um Zölle umgehen zu können, ist bisher keine Option – und scheint auch für die Zukunft ausgeschlossen zu sein. Aufgrund der vergleichsweise geringen Stückzahlen wäre der Aufwand nicht rentabel – auch wenn Nordamerika inklusive Kanada als Absatzmarkt große Bedeutung für den Hersteller aus Zuffenhausen hat. 86 541 Autos hat Porsche dort 2024 verkauft – knapp 28 Prozent des Gesamtabsatzes.
Bei Porsche stellt sich eher die Frage, wie die Verteuerung der Autos durch Zölle überhaupt auf die Nachfrage durchschlägt. Vereinfacht gesagt: Wer sich einen Porsche leisten kann, verkraftet vielleicht auch den Preisaufschlag. (Für die Spitzenmodelle anderer Hersteller gilt das möglicherweise auch.) Andererseits hat sich zuletzt während der Immobilienkrise in China gezeigt, dass auch das Luxussegment nicht krisenimmun ist: Der Absatz aller deutschen Premiumhersteller ist dort massiv eingebrochen.
Amerikas Handelsdefizit
Ungleichgewicht
Nach Daten der amerikanischen Behörde International Trade Administration wurden im vergangenen Jahr 784 889 Autos aus der EU in die USA exportiert, davon 446 566 aus Deutschland. Hingegen wurden nur 217 230 Autos aus den USA in die EU gebracht.
Made in USA
Deutsche Hersteller sind ein bedeutender Faktor in der amerikanischen Autoindustrie. Sie produzierten 2024 844 000 Autos in den USA – unter anderem in Alabama, South Carolina und Tennessee. Rund die Hälfte davon wurde laut Herstellerverband VDA in alle Welt exportiert.