Nach Trumps klarem Wahlsieg müsse die EU zusammenstehen, sagt Simone Menne, Präsidentin der einflussreichen amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Sonderlösungen einzelner EU-Länder mit Trump lehnt sie entschieden ab.
Die amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) fördert die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA. Welche Folgen der Wahlsieg des künftigen US-Präsidenten Donald Trump haben wird, sagt Präsidentin Simone Menne im Interview.
Frau Menne, hatten Sie mit diesem klaren Wahlergebnis gerechnet?
Ich habe mit gar nichts gerechnet, denn nahezu alle Umfragen der letzten Monate haben den engsten Wahlausgang aller Zeiten in den USA vorausgesagt. Viele Amerikanerinnen und Amerikaner hatten offenbar das Gefühl, es gehe ihnen jetzt schlechter als in den Jahren unter Trump.
Woher kommt dieses Gefühl, das offenbar die Wahl mitentschieden hat?
Viele Amerikaner haben Probleme, eine Wohnung zu finden oder können in einer anderen Stadt keinen neuen Job annehmen, weil sie noch vor Ort ihre Hypothek abzahlen müssen. Die Preise von Lebensmitteln und Energie haben sich verteuert. Das führte zu einer weitverbreiteten Zukunftsangst.
Wie wirkt sich Trumps Wahlsieg auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland aus?
Die AmCham Germany besteht seit mehr als 120 Jahren, wir haben also schon viele kritische Phasen erlebt. Im transatlantischen Verhältnis gibt es zum Glück viele Verflechtungen – es geht um Freundschaften, Werte und natürlich auch um Wirtschaftsbeziehungen. All das ist längerfristiger als die Amtszeit eines US-Präsidenten. Auch deshalb sehe ich keine großen Verwerfungen.
Was, wenn Trump die Zölle massiv erhöht?
Hier müssen wir abwarten, was eine Wahlkampfaussage war und was Realität wird – Trump hat ja Zölle von bis zu 2000 Prozent angekündigt. Aber schon Zölle von zehn Prozent beeinträchtigen den Handel deutlich – abhängig davon, welche Branchen sie betreffen und wie hoch Zölle auf chinesische Produkte erhoben werden, was unter Umständen Produkten deutscher Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnte.
Viele Wirtschaftsbeziehungen existieren zwischen den deutschen Bundesländern und den US-Bundesstaaten. Garantiert das mehr Beständigkeit?
Ich glaube schon. Auf dieser Ebene gibt es viel Austausch zwischen Politikern, Universitäten, Start-ups etc. Jetzt gilt es, diese Beziehungen zu stärken. Noch wichtiger aber ist, dass die deutschen Unternehmen wettbewerbsfähiger werden. AmCham Germany betont schon lange, dass der Standort Deutschland unter zu hohen Energiekosten und Steuern sowie fehlender Verlässlichkeit der Regulierung leidet. Hier sollten wir nicht auf den Beginn von Trumps zweiter Amtszeit warten, sondern sofort aktiv werden und den Standort deutlich stärken.
Was setzt Trump von seinen Ankündigungen um – sei es in der Migration oder der Verfolgung politischer Feinde?
Das ist schwer zu sagen. Vieles stellt er in den Raum, um Deals zu verhandeln. Höhere Zölle werden auf jeden Fall zu Preiserhöhungen führen. Es ist daher fraglich, was er umsetzen wird. Nicht berechenbar zu sein, scheint zu Trumps Verhandlungsstil zu gehören. Manche sagen, dass das ein Teil seines Erfolgsgeheimnisses ist.
Wie kann man dieses Denken für sich nutzen?
Das weiß ich nicht. Man sollte ihm klar machen, dass es auch Win-Win-Situationen gibt, es nicht nur einen Gewinner geben muss und beide Seiten von einem Abkommen profitieren können.
Wie ist Europa auf einen US-Präsidenten Donald Trump dieses Mal vorbereitet?
Besser als vor acht Jahren, wo niemand wirklich damit gerechnet hat. Inzwischen haben die meisten europäischen Länder ihre Militärausgaben gesteigert und sich ein wenig unabhängiger gemacht. Die EU hat zudem Regularien geschaffen, die sie resilienter machen. Ob das ausreicht, wird die Zukunft zeigen.
Könnte Trump die EU spalten?
Nur wenn Europa sich das gefallen lässt. Eine Spaltung der EU würde sie stark schwächen. Deshalb brauchen wir ein starkes Europa und ein starkes Deutschland, das sich mit den anderen Mitgliedsländern abstimmt. Einzelne Deals mit Trump schaden am Ende allen.
Verlieren Europa und die USA zunehmend das gemeinsame Wertesystem?
Nein. Alle Demokratien, auch die Europas und der USA, müssen aber zeigen, wie wichtig ihnen die gemeinsamen Werte sind. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das gelingt und die transatlantische Partnerschaft weiter wächst.
Was sind Ihre persönlichen Beziehungen zu den USA?
Ich bin mit amerikanischer Kultur groß geworden – mit der Hippie-Zeit, Walt-Disney-Filmen und Aufstiegsgeschichten. Ich schätze sehr den amerikanischen Spirit, Dinge einfach anzupacken. In den USA fühlen sich die Menschen selbst verantwortlich für ihr Glück.
Präsidenten eines einflussreichen Verbands
Biografie
Simone Menne, 1960 in Kiel geboren, ist seit 2021 Präsidentin der amerikanischen Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany). Nach dem BWL-Studium bekleidete sie Führungspositionen bei Boehringer Ingelheim und der Lufthansa AG.
Verband
Die AmCham Germany wurde 1903 von amerikanischen Geschäftsleuten in Berlin gegründet. Damit ist sie der älteste bilaterale Handelsverband Deutschlands.