Das Land erhebt 25 Prozent Zölle auf Importe aus den USA. Trumps Drohung mit weiteren Strafen verfehlt vorerst ihre Wirkung auf die Nachbarn im Norden.
Kanada und die USA haben stets ihre engen Beziehungen gefeiert. Dies ist Vergangenheit. Nachdem US-Präsident Donald Trump Zölle auf Importe aus Kanada verfügt hat, reagiert die kanadische Regierung ihrerseits mit Zöllen auf US-Importe in gleicher Höhe. Premierminister Justin Trudeau rief die Bevölkerung auf, US-amerikanische Produkte beim Einkauf zu boykottieren. Auch auf Reisen in die USA solle verzichtet werden.
Die Drohung von Trump, auf Gegenmaßnahmen Kanadas, Mexikos und Chinas mit weiteren Strafmaßnahmen zu reagieren, verfehlte zunächst ihre Wirkung. Kanada habe keine andere Wahl gehabt als auf die US-Zölle zu reagieren, sagte Trudeau. „Wir wollen nicht eskalieren, aber wir setzen uns für Kanada und kanadische Arbeitsplätze ein.“
Trudeau warf der US-Regierung vor, mit ihrer Entscheidung eine „historische Beziehung“, die beiden Ländern genützt und Wohlstand gebracht habe, zu gefährden. In seiner Rede am Samstagabend wandte er sich direkt an die Amerikanerinnen und Amerikaner, „unsere engsten Freunde und Nachbarn“. Er beschwor die gemeinsamen Kämpfe beider Länder im Zweiten Weltkrieg, als US- und kanadische Soldaten nebeneinander kämpften, im Korea-Krieg und in Afghanistan. Die Entscheidung Trumps werde Kanada schaden, „aber sie wird auch Konsequenzen für euch, das amerikanische Volk, haben“. Denn die Zölle gegen Kanada würden ebenso in den USA Arbeitsplätze gefährden. Sie könnten zum Stillstand von Fertigungsanlagen für Autos in den USA und zu höheren Preisen für Lebensmittel und Benzin führen, für Mineralien, Kali-Dünger, Uran und Stahl.
Die kanadische Regierung hat seit der Ankündigung Trumps nach seiner Wahl im November versucht, den US-Präsidenten von diesem Kurs abzubringen. Trudeau war zu Trump an dessen Wohnsitz Mar-a-Lago in Florida gereist. Aber die Bemühungen verliefen erfolglos.
Mit den Zöllen ist eine der weltweit engsten Verflechtungen von Volkswirtschaften betroffen. Seit den 1950er-Jahren wurden zwischen den beiden Ländern Zölle abgebaut. Mit dem NAFTA-Abkommen stieß Mexiko dazu. Der tägliche Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen den USA und Kanada beläuft sich auf täglich 2,6 Milliarden US-Dollar. Kanada, vor allem die Provinz Ontario, ist für die US-amerikanische Autoindustrie ein wichtiger Zulieferer, zudem produzieren mehrere US-Unternehmen Autos in Kanada, die für den US-Markt bestimmt sind. Nach Presseberichten werden Autoteile bis zur Herstellung des kompletten Autos bis zu achtmal über die Grenze ex- und importiert werden.