Charles III. und Donald Trump mit der königlichen Ehrengarde Foto: AFP

Bei Trumps Staatsbesuch ziehen die Briten alle Register. Doch es gibt auch lautstarke Proteste. Kritiker wie der Londoner Bürgermeister wurden erst gar nicht eingeladen.

Ein wahrhaft „eleganter Gentleman“ sei König Charles, ließ sich Donald Trump vor Antritt seines zweiten Staatsbesuchs in Großbritannien vernehmen. „Er ist mein Freund – und er repräsentiert sein Land so gut.“ Natürlich, fügte der US-Präsident hinzu, sei ihm bewusst, dass die britische Regierung anlässlich seines Besuchs allerlei mit ihm bereden wolle. „Aber in erster Linie“ reise er nach England, „um den König und die Königin zu treffen“. Charles und Camilla seien schon „Freunde von mir gewesen, lange bevor er König geworden ist“.

 

Pflichtbewusst traten die Royals denn auch am Mittwochmorgen an, als Donald und Melania Trump in Great Windsor Park, dem weitläufigen Gelände um Windsor Castle westlich von London, Einzug hielten. Wegen der endlosen Renovierungsarbeiten im Buckingham-Palast hatte man Zeremoniell und Staatsbankett, zur Freude Trumps, nach Windsor verlegt.

Trump ist zum zweiten Mal auf Staatsbesuch in Großbritannien

Schon dass er, wie niemand vor ihm, zu einem zweiten Staatsbesuch in Großbritannien eingeladen worden sei, fand der US-Präsident „eine große Ehre“. Windsor Castle aber sei „das Höchste der Gefühle“ – genau das Richtige bei dem von den Briten für ihn ausgerichteten „Fest“. Und für Hochstimmung des Gastes aus Washington suchten Regierung und Krone nach Kräften zu sorgen, auch wenn der Himmel nicht ganz mitspielte und es reichlich feucht und dunstig war. Das für Trump angelegte Spektakel schlug jedenfalls alles, was man bisher bei solchen Gelegenheiten aufgeboten hatte im Vereinigten Königreich.

Über 1300 Angehörige der Streitkräfte und 120 Pferde waren im Einsatz. Kanonen donnerten. Militärkapellen spielten. Die größte Ehrengarde aller Zeiten zog auf. Die berühmten „Red Arrows“ waren angewiesen, Windsor Castle nachmittags zur Tea Time zusammen mit britischen und amerikanischen Maschinen zu überfliegen. Das Staatsbankett in St George’s Hall am Abend war aufgewertet worden zu einer Zehn-Sterne-Veranstaltung.

König Charles III. gab sich alle Mühe, die Erwartung seines „Freundes“ auf „eine gute Zeit“ und auf „tolle Fernsehbilder“ zu erfüllen. Er hielt sich, so weit möglich, an des Präsidenten Seite (schon um nicht ganz von ihm vergessen zu werden, wie einst seine Mutter, Queen Elizabeth). Königin Camilla, die noch tags zuvor wegen einer Nebenhöhlenentzündung die Teilnahme an einer Trauerfeier absagen musste, hatte sich offenbar über Nacht mit starken Medikamenten versorgt, um Donald Trump nicht durch Abwesenheit zu verstimmen.

William und Kate empfangen die Trumps

Kronprinz William und seine Frau Kate spielten ihrerseits jovial lächelnd die ihnen zugedachte zentrale Rolle auf und hinter der Bühne. Sie sind außerordentlich populär in den USA und übernahmen den Empfang der Trumps in Windsor, um später im Schloss für anregende Unterhaltung zu sorgen.

Aus Windsor Great Park verbannt worden war unterdessen der bis heute dort fest ansässige jüngere Bruder des Königs, Prinz Andrew, der bei Donald Trumps erstem Staatsbesuch 2019 noch als britischer Handels- und Wirtschaftsbeauftragter mit von der Partie gewesen war. Seither ist „Randy Andy“ wegen seiner früheren Freundschaft zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und wegen Vorwürfen eigener Beziehungen zu Minderjährigen zur persona non grata im Windsor-Clan erklärt worden. Und da mittlerweile dem Präsidenten selbst seine vormals enge Verbindung zu Epstein zu schaffen macht, hatte der Prinz dieses Mal gänzlich unsichtbar zu bleiben.

Ebenfalls unsichtbar blieb gezwungenermaßen Lord Peter Mandelson, bis vorigen Donnerstag noch britischer Botschafter in Washington und seinerseits einer der hartnäckigsten Epstein-Freunde. Er, der Trumps Besuch maßgeblich vorbereitet hatte, war von Premierminister Sir Keir Starmer des Amtes enthoben worden, nachdem letzte Woche immer mehr Details über seine Bewunderung für Epstein bekannt wurden.

Epstein verfolgt Trump bis nach Großbritannien

In Regierungskreisen herrschte daher größte Sorge, dass neben Regenschauern auch der Name Epstein die Festtagsstimmung trüben könnte. Bereits am Dienstagabend war es Trump-Gegnern gelungen, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ein riesiges Bild Trumps und Epsteins auf einen der Schlosstürme Windsors zu projizieren – und eine handschriftliche Notiz Trumps mit den Worten „Du bist der Größte, Jeff.“

Andere Gegner des Staatsbesuchs sammelten sich nahe dem Schloss und am Mittwoch auch in London zum Protest. Tatsächlich hat letzten Umfragen zufolge nur jeder Sechste im Vereinigten Königreich eine gute Meinung vom US-Präsidenten. Schon aus Angst vor Demonstrationen hatte man sich dafür entschieden, Trump ganz von der Bevölkerung abzuschirmen und einen „Ring aus Stahl“ um Windsor zu ziehen.

Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan, den Trump wegen dessen Kritik an seiner Politik kürzlich noch eine „eine widerliche Person“ genannt hatte, wies darauf hin, dass seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus „eine Rekordzahl an amerikanischen Anträgen auf britische Staatsbürgerschaft“ eingegangen sei. Allein zwischen April und Juni habe sich die Zahl der US-Bürger, die wegen der Entwicklung in den USA nach London drängten, um die Hälfte erhöht. Trump, so Khan, habe „mehr als sonst jemand in den letzten Jahren dazu beigetragen, rund um die Welt die Flammen einer polarisierenden, rechtsradikalen Politik anzufachen“. Zum Bankett eingeladen hatte man Khan vorsichtshalber nicht.

Trump wird auch für den Gaza-Krieg kritisiert

An Unwägbarkeiten fehlte es nicht bei dieser Trump-Visite, schon in den ersten 24 Stunden. Begrüßt worden war der Präsident bei seiner Ankunft in Stansted Airport ausgerechnet von Starmers neuer Außenministerin Yvette Cooper, die als Oppositionspolitikerin Trump „ignorant“ und „gefährlich“ genannt hatte – und die dafür gestimmt hatte, ihn 2019 nicht im Namen von Queen Elizabeth zum Staatsbesuch einzuladen. Und der Vorsitzende der britischen Liberaldemokraten, Sir Ed Davey, ließ mitteilen, dass er leider nicht am Staatsbankett teilnehmen könne, weil er Trump Mitschuld an den Vorgängen in Gaza geben müsse.

Dass der Premier für Trump die Königs-Karte ausspiele, nur um den Präsidenten geneigt zu stimmen, passt vielen Briten nicht. Auch in Starmers Partei mehren sich Unmut und Unruhe. Ein „Festtagsumzug“ für Trump sei schlicht nicht genug, klagte etwa Liam Byrne, der Labour-Vorsitzende des Wirtschafts- und Handelsausschusses im Unterhaus, solange es „keinerlei bindende Zusagen“ seitens der USA gebe – etwa im Blick auf Zölle. Allerdings wurde just zu Beginn des Staatsbesuchs bekannt, dass sich alle Hoffnungen Starmers auf die Abschaffung der Zölle auf britische Stahl- und Aluminium-Exporte in die USA früheren Signalen Trumps zum Trotz zerschlagen hatten, was die Britische Handelskammer „mit grosser Betroffenheit“ quittierte .

Der Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz erklärte, keine der den Briten zugesicherten Handels-Vereinbarungen sei „das Papier wert, auf dem sie geschrieben steht“. Unterdessen sucht Starmers Regierung alle Aufmerksamkeit auf eine künftige Zusammenarbeit im Tech-Bereich zu lenken. Über 30 Milliarden Pfund wollen große US-Konzerne in den Bau neuer Datenzentren und die Forschung an Künstlicher Intelligenz im Vereinigten Königreich investieren.

Trump schwärmt von seiner Liebe zur „alten Heimat“

Und in für Europa wichtigen politischen Fragen, von Gaza bis zur Ukraine und zur Zukunft der Nato, hofft Starmer am Donnerstag auf seinem Landsitz in Chequers erneut etwas Einfluss auf den US-Präsidenten nehmen zu können – wiewohl man in London weiß, dass sich Trumps Kurs sehr schnell wieder ändern kann.

Am ersten, für ihn wichtigsten, Tag seines zweiten Staatsbesuchs bei den Briten hielt sich der US-Präsident jedenfalls unbeirrt ans Zeremoniell und an „seine“ Royal Family. Schließlich, erklärte er seinen Gastgebern immer wieder, „liebe“ er das Vereinigte Königreich.

Als Sohn einer schottischen Mutter und als Besitzer mehrerer „phantastischer Golfplätze“ in Großbritannien glaubt sich Donald Trump der „alten Heimat“ auf emotionale ebenso wie auf kommerzielle Weise verbunden. Die dunklen Wolken über Windsor suchte er zu ignorieren. Auf der Insel zu Gast zu sein, versicherte er, „wärmt mir das Herz“.