Nur noch die Grundmauern stehen vom Alten Bahnhof in Truchtelfingen. Foto: Karina Eyrich

Das war’s mit dem Alten Bahnhof in Truchtelfingen: Bereits am Montag hat der Abriss begonnen. Inzwischen stehen nur noch die Grundmauern des Gebäudes, das von einem Pilz befallen war und seit Jahren nicht mehr benutzt werden durfte.

Die Empörung der Truchtelfinger über den unangekündigten Abriss des Alten Bahnhofs ist für das Landratsamt des Zollernalbkreises nur schwer nachvollziehbar: Seit Jahren sei bekannt gewesen, dass das Gebäude abgerissen werden musste, erklärt Pressesprecher Steffen Maier. „Der Abriss war seit längerer Zeit vorgesehen, musste aber aufgrund zu gering angesetzter Haushaltsmittel auf 2023 verschoben werden.“ Am Montag, 20. März, hätten die Abrissarbeiten begonnen.

 

Dass eine Instandsetzung des Alten Bahnhofs nicht mehr möglich war, liege am Befall mit einem „konstruktionszerstörenden Pilz“, so das Landratsamt. Dem letzten Mieter habe der Landkreis, dem die Talgangbahntrasse und die Bahnhofsgebäude gehören, im Jahr 2019, nach Bekanntwerden der Schäden und des Pilzbefalls, kurzfristig das Mietverhältnis gekündigt; das Gebäude habe nicht mehr benutzt werden dürfen.

„Nachweis der Entsorgung muss normalerweise erbracht werden“

„Wie eine geheime Mission, wie eine konspirative Aktion“, so schildert ein Anwohner hingegen den plötzlichen Beginn der Abbrucharbeiten am Montagmorgen – und wundert sich nun, da er gehört hat, der Abbruch sei „verfahrensfrei“ möglich gewesen: „Normalerweise braucht man heutzutage für jeden Abbruch eine Genehmigung, ebenso wie für einen Bau, und muss nachweisen, wo die Abbruchreste deponiert werden“, so der Anwohner. Zumal sie ja von dem Pilz befallen seien. „Genehmigungsfreie Abbruchverfahren gibt es nicht“, sagt er aus seiner Kenntnis.

Zweimal am Morgen war plötzlich der Strom weg

Was ihn ärgert ist die Tatsache, dass am Morgen zwei Mal der Strom in seinem kompletten Haus ausgefallen sei – mit allen Konsequenzen: Nicht nur Computer, an denen er zur frühen Stunde bereits gearbeitet hat, musste er wieder hochfahren, sondern auch Anlagen wie die Wärmepumpe – und ihr durch Eingabe des Passwortes erst wieder „beibringen, mit welchem WLAN sie sich verbinden soll“. Er habe Verständnis dafür, dass der Strom abgestellt werden müsse, damit auf der Baustelle nichts passieren könne – „aber da kann man doch vorher mal kurz klingeln und Bescheid sagen!“. Gerade, als er alles wieder hochgefahren hatte, sei der Strom ein zweites Mal ausgefallen – der Anwohner wundert sich.

Im Zuge der Talgangbahn-Reaktivierung soll nun ein neuer Haltepunkt gebaut werden – wie der aussehen wird und wo genau er liegen wird, wird aber zunächst noch geplant.

Neben dem Truchtelfinger Bahnhof gehören dem Landkreis auch die Bahnhofsareale in Tailfingen und Onstmettingen, die im Zuge der geplanten Reaktivierung der Talgangbahn umgestaltet werden, so die Behörde.