Einen Waldkindergarten wird es in Bad Herrenalb in absehbarer Zeit wohl nicht geben. Das gefällt nicht allen. Foto: iamjura - stock.adobe.com

Der Bad Herrenalber Gemeinderat hat einen Waldkindergarten abgelehnt. Das wollen die Eltern nicht hinnehmen und werfen der Stadtverwaltung auch Falschaussagen vor.

Der Bad Herrenalber Gemeinderat hat die Einrichtung eines Waldkindergartens abgelehnt. Kein Geld, kein Bedarf – so lautet die einfache Formel, die die Stadtverwaltung in der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte. Der Gemeinderat schloss sich dieser Meinung an und lehnte den Waldkindergarten ab. Zumindest vorerst.

 

Nach der Gemeinderatssitzung und der damit einhergehenden Berichterstattung meldete sich die Interessengemeinschaft (IG) Waldkindergarten Bad Herrenalb bei unserer Redaktion, da die Stadtverwaltung „einige relevante Informationen in dieser Sitzung verschwiegen hatte und das Thema Waldkindergarten gekonnt blockiert“.

Realität in Bad Herrenalb zeige anderes Bild

In Bad Herrenalb werde derzeit „kontrovers über einen Waldkindergarten diskutiert. Während aktuelle Berichte Zweifel am Bedarf und an den finanziellen Möglichkeiten äußern, zeigt die Realität vor Ort ein ganz anderes Bild“, schreibt die IG.

Mindestens neun Kinder aus Bad Herrenalb müssten derzeit auf Waldkindergärten in umliegenden Orten wie Burbach, Ettlingen und Durlach ausweichen, was für die Familien einen täglichen Zeitaufwand von über einer halben Stunde bedeute.

IG wirft Stadt Falschaussagen vor

„Die Stadtverwaltung hält trotzdem vehement an ihrer Behauptung fest, dass es für einen Waldkindergarten in Bad Herrenalb keinen Bedarf gäbe“, schreibt die IG weiter. Zudem sei in der jüngsten Gemeinderatssitzung seitens der Stadtverwaltung „fälschlicherweise“ behauptet worden, „dass bisher kein Kind vom Kindergarten in Bad Herrenalb abgemeldet wurde, um einen Waldkindergarten in der Umgebung zu besuchen“. Die Burbacher Gruppe der Wald- und Wiesenknirpse widerlege das eindeutig.

Dort würden derzeit bereits sieben Kinder aus Bad Herrenalb betreut, von denen zuvor ein Großteil in Bad Herrenalb im Kindergarten angemeldet gewesen seien, heißt es weiter.

Kein finanzieller Spielraum für Stadtverwaltung

Allerdings: In den öffentlichen Gemeinderatssitzung hieß es vonseiten der Stadtverwaltung nie, dass es für einen Waldkindergarten keinen Bedarf gebe. Vielmehr ging es bei den Bedarfszahlen um die gesamte Kinderbetreuung.

Bereits in der Gemeinderatssitzung im März dieses Jahres sagte Hauptamtsleiterin Ilona Störner-Meier, dass die Verwaltung „sehr deutlich gemacht“ habe, „dass wir der Idee sehr offen gegenüber stehen“. Allerdings könne man die dadurch entstehenden Kosten in diesem Jahr nicht tragen. Laut Bedarfsplanung hätten im vergangenen Mai keine Plätze gefehlt. „Wir konnten jedem Kind einen Platz anbieten“ und man werde auch nächstes Jahr freie Plätze haben, so Störner-Meier weiter. Zudem seien noch „1000 Fragen offen“. Aus Sicht der Verwaltung sei die Idee wunderbar, „aber finanziell haben wir keinen Spielraum und keinen Bedarf“.

Kein Anspruch auf Wunschkindergarten

Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz regelt lediglich, dass jedes Kind von der Vollendung des ersten Lebensjahres an bis zur Einschulung einen Anspruch auf Betreuung in einer Kindertagesstätte hat. Ebenso geregelt ist aber auch, dass kein Anspruch auf Betreuung in der Wunschkita besteht. Heißt: Wenn die Kommune genügend freie Plätze hat, muss sie keinen weiteren Kindergarten einrichten, erst recht keinen Wunschkindergarten.

Dazu kommt: An der finanziellen Lage der Stadt hat sich nichts geändert – zumindest nicht zum Guten. Deshalb war auch die Stellungnahme der Kämmerei zu einem Waldkindergarten eindeutig: „Angesichts der desaströsen Haushaltslage kann die Aufnahme des Kostenrisikos ohne erkennbaren Gesamtbedarf nicht empfohlen werden.“ In der jüngsten Sitzung ergänzte Kämmerer Philipp Göhner: „Stand jetzt vor dem Haushalt wäre das eigentlich finanzieller Wahnsinn.“

Falsch- und Nichtinformationen?

Obwohl „der Gemeinderat Bad Herrenalb bereits mehrfach signalisiert“ habe, dass er hinter der Idee eines Waldkindergartens stehe, scheine „die Stadtverwaltung sich mutwillig dagegen zu stellen und einen Waldkindergarten aktiv mittels Falsch- oder Nichtinformationen sowie Verzögerungen zu verhindern“, schreibt die Elterninitiative weiter.

Die IG wirft dem Bad Herrenalber Bürgermeister Klaus Hoffmann vor, dass er „versucht zu tricksen“. Das zeige sich in der Formulierung der Frage zur Abstimmung über einen Waldkindergarten in Bad Herrenalb im Gemeinderat. Anstatt die Frage so zu formulieren, wie sie in der Sitzungsvorlage stand, nämlich als Grundsatzfrage „Soll Bad Herrenalb einen Waldkindergarten eröffnen?“ habe er den Nebensatz eingefügt „Wenn der Bedarf da ist.“. Damit habe er das ganze Vorhaben auf unbestimmte Zeit verschoben, denn zukünftig würden „immer mehr Eltern versuchen, ihre Kinder außerhalb der Gemeinde in einen Waldkindergarten unterzubringen, wodurch der Gesamtbedarf“ weiter sinke, argumentiert die IG weiter.

Missverständliche Zahlen

Die IG teilt weiter aus: „Zudem hat die Gemeinde wohl ihre eigenen Zahlen nicht im Griff, denn als einer der Gemeinderäte in der Oktobersitzung, in der die Grundsatzfrage Waldkindergarten ja oder nein geklärt werden sollte, wie viel denn die Gemeinde bereits an andere Gemeinden für die Kinderbetreuung bezahle, konnte der Kämmerer keine Zahlen vorlegen.“

Bereits in der Vergangenheit habe er „missverständliche Zahlen zur Berechnung der Kitagebühren und der anfallenden Kosten für einen Waldkindergarten vorgelegt“. Dies sei „ein Armutszeugnis“, findet die IG, die ihrerseits bereits mehrfach Berechnungen auf Basis der ihnen bekannten Zahlen erstellt und vorgelegt und ihre Hilfe von Organisation bis hin zur Unterstützung bei dem Bau eines professionellen Waldkindergarten-Bauwagens angeboten habe.

Wartelisten in anderen Gemeinden gut gefüllt

Die betroffenen Eltern können nicht nachvollziehen, „warum sich die Stadt so quer stellt“. Umliegende Gemeinden wie Schwann, Calmbach und Loffenau setzten schon jahrelang auf Waldkindergärten und hätten Wartelisten, die so gut gefüllt seien, dass gemeindeexterne Kinder kaum eine Chance auf einen Platz hätten. In Burbach scheint das anders zu sein, dort sind nach Angaben der IG selbst bereits sieben Bad Herrenalber Kinder untergekommen.

Für Bad Herrenalb gebe es bereits eine Warteliste, die von der IG geführt werde. „Die Eltern wünschen sich die Ergänzung des Betreuungskonzeptes innerhalb der Gemeinde und eine naturnahe Betreuung ihrer Kinder vor Ort, bevor sie ins Schulsystem starten“, schreiben die IG-Vertreter weiter.

In einer Zeit, in der Kinder ohnehin ständig von digitalen Reizen umgeben seien, sei es „vielen Eltern wichtig, dass ihre Kinder zumindest in den frühen Jahren noch die Möglichkeit haben, viel draußen in der Natur zu sein“. Daher plädieren sie dafür, „dass Bad Herrenalb hier noch einmal genau hinschaut und die Realisierung eines Waldkindergartens ernsthaft in Angriff nimmt.“