Ingo Fricker und Jörg Fehrenbacher betreiben gemeinsam den Leimgrabenhof. Foto: Sebastian Schnitzer

Wie der Leimgrabenhof in Bochingen trotz Fachkräftemangel und Preisschwankungen weiter wachsen kann, verraten die beiden Chefs des Familienbetriebs.

In Zeiten, in denen viele Metzgereien aufgeben müssen, ist es kaum vorstellbar, dass manche Betriebe sogar expandieren.

 

Doch auch das gibt es: Der Leimgrabenhof aus Donaueschingen setzt auf Wachstum und hat seine Direktvermarktung im Sommer nach Bochingen erweitert. Der Hof ist ein echtes Familienunternehmen: Heute führen Jörg Fehrenbacher und Ingo Fricker den Betrieb gemeinsam. Er wurde einst von Jörg Fehrenbachs Großvater gegründet.

„Wir wollen möglichst viel aus einem Produkt rausholen“, erklärt Jörg Fehrenbacher im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Hof gliedert sich in drei Bereiche: Zur Landwirtschaft, der Leimgraben GbR, gehören Strohrinder, Weideputen und die Felder, auf denen das Futter wächst. Die anfallenden Reststoffe werden in einer Biogasanlage verwertet, ergänzt durch mehrere Photovoltaikanlagen: die Energieerzeugung.

Seit August in Bochingen

Die Direktvermarktung, das dritte Standbein, gibt es seit drei Jahren in einem Laden in Tuningen, seit August auch in Bochingen. Zusätzlich betreibt der Hof Verkaufsautomaten. Fleisch, Wurst und andere Produkte stammen meist vom eigenen Hof. Tiere, die zugekauft werden, oder Produkte wie Käse kommen ausschließlich aus der Region. „Wir sind dadurch resilienter als andere; beispielsweise Preisschwankungen spüren wir gar nicht so stark“, sagt der gelernte Agrartechniker.

Sein Partner Ingo Fricker bringt als Metzgermeister die handwerkliche Kompetenz mit ein. „Bei uns weiß jeder, wovon er spricht“, sagt Fehrenbacher mit einem Lächeln.

Das Futter, die Tiere, der Tiertransport in eine Schlachtung in einem nur fünf Kilometer von der Hofstelle entfernten Schlachthof und auch die Verarbeitung werden von den beiden und ihren Mitarbeitenden komplett selbst gestemmt. Jörg Fehrenbacher erklärt:

„Wenn Ingo zu mir sagt, das letzte Fleisch war nicht ganz so perfekt, dann schaue ich mir nochmal das Futter an und verändere vielleicht eine Zusammensetzung, damit das nächste wieder perfekt wird.“ Deshalb sei es auch wichtig für sie: „Wir sind keine Metzgerei – wir sind eine Direktvermarktung.“

Trend geht zum bewussten Fleischkonsum

Vom Trend zu vegetarischer oder veganer Ernährung spüren die beiden nichts. „Aber wir merken, dass viele Menschen bewusster Fleisch essen“, erzählt Fehrenbacher. „Unsere Kunden legen Wert auf Herkunft, Haltung und Qualität.“ Viele kommen auch direkt auf den Hof, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.

Während andere Betriebe über Fachkräfte- und Nachwuchsmangel klagen, scheint das beim Leimgrabenhof kein Problem zu sein. „Am Anfang war es etwas zäh, aber mittlerweile haben wir keine personellen Engpässe“, berichtet Fehrenbacher. Doch was ist der Schlüssel zum Erfolg? „Ganz klar Social Media.“ Fast alle der mittlerweile zwölf Mitarbeitenden in Landwirtschaft und Direktvermarktung habe der Hof über die sozialen Netzwerke gefunden.

„Wir sind dort mit unseren Videos einfach ansprechbar und nahbar – das spüren Kunden und potenzielle Mitarbeiter“, sagt er. Authentizität und Transparenz seien entscheidend. Auf der anderen Seite: „Wenn aber mal was nicht so läuft, müssen wir dann natürlich auch dafür einstehen.“

Wird die Ladenfläche bald noch größer?

Auch beim Thema Ausbildung denkt der Hof langfristig: In der Landwirtschaft wird ausgebildet, auch für die Direktvermarktung wäre das bereits möglich, noch gebe es aber keine Azubis. „Wir sind gerade noch im Wachstum und wollen, wenn es so weit ist, eine richtig gute Ausbildung bieten können.“

Das im Sommer neu eröffnete Ladengeschäft in Bochingen befindet sich in einem Gebäude, das die Veränderungen im Einzelhandel sichtbar macht: links die Frischetheke des Leimgrabenhofs, rechts eine dunkle Verkaufstheke mit altem Bäckerei-Schild. „Wir sind bereits mit dem Vermieter im Gespräch, was mit der anderen Ladenhälfte passiert“, sagt Fehrenbacher.