Frank Schührer, Direktor des Lise-Meitner-Gymnasiums, ruft nach besserer didaktischer Ausstattung für den Bereich Naturwissenschaften. Doch sein Ruf verhallt zunächst.
Weil der Bildungsplan ab dem Abitur 2027 unter anderem praktische Experimente in Prüfungen vorsieht, werde das Gymnasium beziehungsweise das Schulzentrum perspektivisch spezielle Materialien und neue Gerätschaften benötigen. Diese könnten jedoch nicht über das zur Verfügung stehende Schulbudget finanziert werden, stellte Schührer im Rahmen der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses des Gemeinderats klar. Die Gemeinde als Schulträgerin werde daher in die Tasche greifen müssen, damit die entsprechende didaktische Ausstattung der Fachräume angeschafft werden könne.
Finanzielle Dimension bleibt offen
Das Gremium nahm Schührers Vortrag allerdings mit Zurückhaltung zur Kenntnis. Auch, weil der LMG-Direktor die Antwort auf die von mehreren Ausschussmitgliedern aufgeworfene Frage nach der finanziellen Größenordnung der Anschaffungen schuldig blieb.
Er habe den Ruf vernommen und den Wunsch auch „notiert“, sagte Bürgermeister Tobias Benz am Ende der Debatte. Mit Blick auf Priorisierungen im Zuge der anstehenden Haushaltsberatungen wäre es aus seiner Sicht auf jeden Fall „hilfreich, zu wissen, ob Sie 50 000 oder 500 000 Euro brauchen“, sagte Benz in Richtung des Schulleiters.
Schührer: „Müssen Bildungsplan umsetzen“
Dieser gab sich im Nachgang im Gespräch mit unserer Redaktion schmallippig, was die finanzielle Größenordnung betrifft. Er wisse wohl, dass das „kein Wunschkonzert“ sei, sagte Schührer. Aber es sei ihm wichtig gewesen, offen und rechtzeitig darzulegen, was der Bildungsplan 2027 bedeute. Das Gymnasium werde diesen umsetzen müssen. Und stünden die notwendigen Gerätschaften für mehrere naturwissenschaftliche Fächer bis dahin nicht zur Verfügung, werde es wohl nicht so einfach, die Schüler optimal auf die dann geltenden Prüfungen vorzubereiten. Denn diese werden mit dem Abitur 2027 erstmals auch praktische Experimente in Prüfungen beinhalten. In Chemie, Biologie und Physik sei dann auch das Selbstentwerfen von Experimenten gefragt. Aber wie, wenn die nötigen Gerätschaften nicht zur Verfügung stehen?
Schührer hatte für die Räte im Hauptausschuss eine Präsentation dabei, in der er verschiedene Geräte vorstellte, die im Unterrichtsalltag genutzt werden (sollen). Dazu gehört unter anderem ein digitales Messgerät („Vernier LabQuest“) mit eigenständiger Schnittstelle zur Erfassung von Sensordaten mit integrierter Grafik- und Analyseanwendung. Auch ein Experimentierset aus dem Bereich Elektrochemie stellte der LMG-Direktor vor. Weiter erläuterte er einen Gas-Chromatographen. Mit diesem können zum Beispiel Stoffgemische untersucht und getrennt werden. Der Facherlass 2027 Chemie sehe für die Kursstufe zum Beispiel die Analyse von Schadstoffen, Verunreinigungen und Giftstoffen vor, führte Schührer aus.
Schule will Geräte auch „für Schülerhände“
„Wir haben im Schulzentrum in den vergangenen Jahren tolle neue Räume bekommen und dadurch sehr gute Arbeitsmöglichkeiten“, sagt Schührer dankbar. Doch würden alsbald entsprechende Materialien und Möglichkeiten nötig, um das im Bildungsplan Geforderte in diesen Räumen umzusetzen. Dazu brauche das Schulzentrum auch „Geräte für Schülerhände“ und nicht nur eines für den Fachlehrer, der vorne am Pult stehend sein Experiment durchführe.
Räte rufen nach Landesmitteln
Bei den Ausschussmitgliedern stießen Schührers Ausführungen zwar auf Interesse, aber die prekäre Finanzlage und ein drohendes Haushaltsstrukturkonzept lassen die Räte nur ungern in die Schatulle greifen. „Die Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, sind vorbei“, sagte Annette Grether (Grüne). Sie sehe klar das Land am Zuge, „denn wer einen Bildungsplan macht, muss dafür sorgen, dass er umgesetzt werden kann“. Angesichts der Wunschliste Schührers mit am liebsten ganzen Klassensätzen an neuen Gerätschaften reagiert Grether kritisch: „Es muss nicht immer der Mercedes sein. Wir haben damals auch gelernt.“
Ulrike Ebi-Kuhn (CDU) fragte den LMG-Direktor konkret, was die Schule denn benötige. In diesem Kontext gelte es Fördermöglichkeiten abzuklopfen. Leon Intveens (SPD) Hoffnungen ruhen derweil auf dem Digitalpakt 2.0. Gertrud Wittek (FW), selbst pensionierte Schulleiterin, rief ebenfalls nach mehr Landesmitteln.
Der LMG-Direktor geht derweil davon aus, dass das Thema sehr bald wieder zurück aufs Tapet kommen wird. „Denn diese Dinge können wir nicht aus dem Schulbudget bestreiten. Auch nicht in Tranchen.“ Und in Richtung von Annette Grether: „Es sind keine Wünsche von uns, sondern Aufgaben, die man uns stellt.“ Natürlich habe seine Schule ein Priorisierungssystem, aber er wolle jetzt nicht irgendwelchen Zahlen in den Raum werfen, hielt Schührer abschließend fest.