Anlässlich der fünfjährigen Kommunalbeziehung zwischen Hofstetten und Trostjanez trafen sich die Bürgermeister Martin Aßmuth und Mykhailo Tsykhuliak im Oktober 2024. Dabei pflanzten sie eine ukrainische Eiche in Hofstetter Boden. Foto: Aßmuth

Hofstetten ist seit 2022 Partnergemeinde der ukrainischen Kommune Trostjanez. Seit Beginn des Krieges haben die Kinzigtäler viele Tonnen Hilfsgüter in das Land gebracht.

Es war ein Novum: Die Gemeinde Hofstetten startete vor sieben Jahren als erste Kommune im Ortenaukreis eine Kommunalbeziehung mit einer ukrainischen Verbundgemeinde namens Trostjanez, die sich in der Nähe von Lwiw in der Westukraine befindet. „Die Beziehung entstand Anfang 2019 aus einer zunächst losen Anfrage aus dem Bundesministerium, ob ich mir vorstellen könnte mich mit Kollegen aus der Ukraine im Zuge der Dezentralisierungsreform zu kommunalen Themen auszutauschen“, blickte Hofstettens Bürgermeister Martin Aßmuth zurück.

 

Im September 2019 reisten zwei Gemeinderäte und Aßmuth als Bürgermeister nach Trostjanez, im Nachgang beschloss der Gemeinderat die Vertiefung weiterer Kommunalbeziehungen zunächst auf Verwaltungs- und Ratsebene, die im Juli 2022 mit einem Freundschaftsvertrag formal partnerschaftlich besiegelt wurden. Auch der Bürgermeister von Trostjanez, Mykhailo Tsykhuliak, hat positive Erinnerungen an den Start: „Beide Gemeinden teilen ähnliche Werte – ein aktives Gemeinschaftsleben, starke Traditionen und einen engen Zusammenhalt zwischen den Menschen.“

Mehrere Aktionen sind 2026 noch geplant

Dies sei die Grundlage für die Entwicklung der Zusammenarbeit und freundschaftlicher Beziehungen gewesen, so Tsykhuliak.

Die Situation änderte sich schlagartig mit dem russischen Überfall auf die Ukraine seit Februar 2022. Martin Aßmuth zögerte nicht lange und organisierte Hilfsgüter für die Gemeinde, die ab dem Kriegsbeginn in die Gemeinde transportiert wurden. Hofstettens Bürgermeister gründete sogar im Februar 2025 zusammen mit 14 Mitgliedern den gemeinnützige Verein „Hofstetten hilft“ – und freute sich seit Beginn über Unterstützung: „Seit Kriegsbeginn spüren und erleben wir eine große Solidarität in Hofstetten und aus der Region mit unserer Partnerkommune und den Menschen in der Ukraine.“

Auch sein Kollege Tsykhuliak lobte Hofstettens Initiative: „Mit Beginn des russischen Großangriffs im Jahr 2022 wurde die Partnerschaft noch enger und bekam eine besondere menschliche Bedeutung. In dieser Zeit entwickelte sich die Zusammenarbeit zu einer echten Freundschaft zwischen den Menschen.“ Dabei hob er insbesondere Martin Aßmuth hervor, der „die Zusammenarbeit von Anfang an unterstützt hat und persönlich an vielen humanitären Initiativen und Begegnungen beteiligt ist“.

Die Zusammenarbeit sei sehr aktiv und herzlich, stellte Tsykhuliak fest. Die regelmäßige humanitäre Hilfe von Hofstetten und die Bereitschaft der Menschen, eine sehr große Entfernung zurückzulegen, um die Hilfsgüter zu übergeben, sei „sehr bewegend“, so Trostjanez Verwaltungschef. Die Gemeinde erhielt seit 2022 viele Medikamente, medizinische Geräte, Generatoren, Fahrzeuge, Feuerwehrausrüstung sowie Lebensmittel. Insgesamt waren es etwa 450 Tonnen humanitäre Hilfe seit Kriegsbeginn.

Und was steht aktuell und im laufenden Jahr an? „Zwei Transporte haben 2026 bereits stattgefunden, einer davon interkommunal mit der Stadt Ravensburg, die 50 Kilometer entfernt von Trostjanez eine Partnerschaft pflegen. Bis zu den Sommerferien ist ein weiterer Transport mit gespendeten Schulmöbeln geplant.“ Im Herbst solle zudem ein gebrauchter Baggerlader überführt werden und zu Weihnachten sei wieder eine Aktion für die Waisenkinder geplant.

Tsykhuliak ergänzte, dass für die Zukunft die Fortsetzung der humanitären Zusammenarbeit, gemeinsame Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung und kommunale Entwicklung sowie die weitere Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen beider Gemeinden geplant sei.

Auch wenn die beiden Kommunen ungleich wirken, so könne man dennoch sehr viel voneinander lernen, war sich Tsykhuliak sicher. Für die Hofstettener sei die ukrainische Fähigkeit beeindruckend, unter schwierigen Bedingungen zusammenzuhalten und Stärke zu bewahren.

Beide Kommunen können viel voneinander lernen

Andererseits „ist die Erfahrung der deutschen Partner bei der kommunalen Selbstverwaltung, der Infrastrukturentwicklung und der aktiven Beteiligung der Bürger am Gemeindeleben sehr wertvoll“. Man teile gemeinsame europäische Werte.

Aßmuth habe schon 2019 beeindruckt, wie schnell Entscheidungen getroffen werden. „Da gab es schon flächendeckend Glasfaser in Trostjanez, wir warten heute noch darauf.“ Außerdem sei die Widerstandsfähigkeit und die Resilienz der ukrainischen Partnergemeinde bemerkenswert, „das kommt bei mir aus tiefstem Herzen, dass ich Menschen in Not helfe“, unterstrich Aßmuth.

Und was gefällt den Bürgermeistern an den jeweils anderen Gemeinden? „Am meisten beeindrucken mich die Offenheit und die Hilfsbereitschaft der Menschen“, legte Tsykhuliak abschließend dar. „Ich habe mich direkt in die weite Landschaft und Natur von Trostjanez verliebt“, bekundete hingegen sein deutscher Amtskollege. Auch sei die Herzlichkeit der Ukrainer mit der von Hofstettens Einwohnern vergleichbar.

Die Serie

Unsere Redaktion stellt die Städtepartnerschaften der Kinzigtalgemeinden in einer Artikelserie vor. Im Fokus stehen neben der Historie und den Besonderheiten der jeweiligen Region auch immer die Eindrücke der Menschen, die die Partnerschaft mit Leben füllen.