Der Bauhof in Steinach soll für mehr als eine Million Euro modernisiert werden – doch im Gemeinderat sorgte die Planung für hitzige Diskussionen und Irritationen.
Dem Steinacher Gemeinderat wurden in der Sitzung am Montag im Sitzungssaal des Rathauses die Pläne für den Umbau des Bauhofs vorgestellt. Der Sozial- und Sanitärbereich muss nach den Vorgaben der Unfallkasse Baden-Württemberg grundlegend modernisiert werden, da er den Anforderungen der Arbeitsstättenrichtlinie nicht mehr entspricht.
Architekt Thomas Kopf oblag die Vorstellung der Voruntersuchung zur Modernisierung mit einem Raum-Programm, wie es von den Behörden gefordert wird.
Derzeit besteht der Bauhof aus Garage, Betriebsgebäude und offenem Lager, außerdem wird ein Teil des Schwimmbad-Parkplatzes als Lagerfläche genutzt. Der Standort sei nicht ganz einfach, weil es sich um ein Mischgebiet handle und der Platz überwiegend im HQ-50-Bereich liege.
Neubau ist nicht möglich
„Eine Neubebauung wäre baurechtlich nicht möglich“, erklärte Kopf. Die bisherigen Lagerkapazitäten seien ausgeschöpft, die Aufenthaltsräume in der Ausstattung bescheiden, der Werkstatt-Bereich im Betriebsgebäude integriert. Dieser Bereich könnte in die bisherige Garage ausgelagert werden und dafür ein Anbau am Betriebsgebäude Platz für die Garage bieten. Innerhalb des Bestandsgebäudes wäre eine Umnutzung für Sanitär- und Aufenthaltsräume möglich.
„Flächenbedarfsmäßig sind wir damit auf null“, bilanzierte der Architekt. Eine erste Hochrechnung liege bei 1,03 Millionen Euro, wovon 755 000 Euro auf das Sozialgebäude, 118 000 Euro auf die Werkstatt und 157 000 Euro auf den Anbau entfielen. Es habe auch Überlegungen gegeben, das Gebäude abzureißen und in die Höhe zu erweitern, was sich aber in der Praxis als sehr ungeschickt darstellen würde. Außerdem wären die Kosten mit 1,7 Millionen Euro deutlich höher. Und perspektivisch sei ein Erweiterungsbau geplant, der mit 350 000 Euro beziffert wurde.
Eine Gegenstimme und eine Enthaltung
Gemeinderat Hartmut Schwendemann (Grüne) zeigte sich „irritiert, weil das weit mehr ist, als zuletzt besprochen wurde“. Er sei geschockt, dass der dortige Spielplatz wegkommen solle. Doch Kämmerin Petra Meister verdeutlichte, in der jetzigen Form dürfe der Bauhof nicht weiter betrieben werden, und die vorgestellte Version entspreche lediglich dem Mindeststandard.
Kopf verdeutlichte, dass beim Erweiterungsbau versucht werde, diesen entlang der Parkflächen zu platzieren und den Spielplatz zu erhalten. Silke Moschberger (FWV) zeigte sich ebenfalls irritiert: „Wir haben über Sanitärräume beschlossen und die Planung an Kopf vergeben, jetzt bekommen wir einen komplett neuen Bauhof.“ Günter Schmidt (FWV) sprach gar von einer „Totgeburt, die wir hier machen“.
Es fehle hinten und vorn an Platz, ein Bauhof auf der grünen Wiese sei aufgrund fehlender Flächen nicht umsetzbar, aber warum jetzt so viel Geld investiert werden solle, erschließe sich ihm nicht.
Thomas Kopf argumentierte: „Wenn man die Höhe der Investition infrage stellt, stellt man den Standort infrage.“ Die vorgestellte Variante werde in Abstimmung mit den Bauhofmitarbeitern als beste Variante gesehen. Bürgermeister Benedikt Eisele verwies auf die Haushaltslage und die damit verbundene schrittweise Umsetzung der Planung.
Der Gemeinderat sei jederzeit Herr des Verfahrens, betonte er. Xaver Rockenstein (FWV) erkundigte sich, ob das Regenrückhaltebecken in der Hochwassergefahrenkarte bereits berücksichtigt sei und warum der Sanitärbereich nicht im zweiten Stock eines möglichen Neubaus untergebracht werden könne. Der Architekt verwies bei Zweigeschossigkeit auf die Notwendigkeit eines Fahrstuhls sowie entsprechend großem Treppenhaus und die geforderte schwarzweiß Trennung im Sanitärbereich.
„Unpraktisch, teuer und absolut atypisch“, fasste er zusammen. Für Carina Klemm stand fest: „Wenn der Bauhofleiter sagt, dass es so funktioniert, sollten wir das Geld investieren.“ Dem pflichtete Julian Faltin (FWV) bei. Felix Glatz (FWV) sah es als „nicht zeitgemäß, wenn wir ein Lager herstellen, das nur händisch bestückt werden kann“. Und Manuel Schöpf (CDU) forderte eine vorausschauende Planung, um alle Fahrzeuge und Gerätschaften unterzubringen. Am Ende stimmte das Gremium bei einer Gegenstimme von Hartmut Schwendemann und einer Enthaltung von Silke Moschberger für die weitere Planung des Projekts.
Hochwassermanagement
Die Abkürzung HQ steht nach Angaben des Hochwassermanagements Baden-Württemberg für die Abflussmenge bei Hochwasser. Die Zahl dahinter gibt an, in wie vielen Jahren das Ereignis statistisch einmal vorkommt. Daraus resultieren bei Neubauten spezielle, hochwasserangepasste Bauvorschriften.