Das Open-Air-Festival in Norddeutschland versinkt förmlich im Schlamm. Für Zehntausende wird es wohl ins Wasser fallen. Unserer Redaktion berichten Fans aus der Region, wie sie es aufs Gelände geschafft haben.
Ganz Deutschland blickt gespannt nach Wacken und bangt mit jenen vor Ort, die nicht wissen, ob sie auf das Festival-Gelände dürfen. Denn am Mittwochmorgen verkündete der Organisator auf Facebook: „Jegliche weitere Anreise muss ab sofort gestoppt und abgebrochen werden.“ Der Grund: Starkregen hat das Open-Air-Gelände zu einer großen Schlammparty verwandelt. Für Zehntausende Musikfans könnte das Wacken somit ins Wasser fallen.
Für Jürgen Sum aus Sulz, der bereits von Montag auf Dienstag mit vier Freunden aus dem Kinzigtal nach Wacken gefahren ist, war die Nachricht alles andere als ein Grund zur Freude. „Wir sind um vier Uhr morgens in Lahr losgefahren“, erklärt Sum im Gespräch mit unserer Redaktion. „Schon auf dem Weg herrschte Chaos, es hat sehr viel geregnet.“
Die erste Nacht verbrachten sie in einer Notfallstation beim Hamburger Stadion
Bereits während der Anreise am Dienstag hatte der Veranstalter einen vorläufigen Einlassstopp verhängt. „Es kamen nach und nach neue Infos. Von anderen Lahrern, die schon vor Ort waren, haben wir erfahren, dass man keine Chance auf ein Stellplatz hat.“ Die Gruppe um Sum versuchte deshalb gar nicht erst, aufs Festival-Gelände zu kommen. „Die müssen dort jedes Auto mit einem Traktor aus dem Matsch ziehen.“
Stattdessen entschlossen sich die Fünf, die erste Nacht auf dem Parkplatz des Volksparkstadions zu verbringen – dort war eine Notfallstation für abgewiesene Festival-Besucher eingerichtet worden. „Da war gut was los“, beschreibt Sum die Situation an der Hamburger Fußballarena lachend.
Doch die wichtigste Frage – ob die Metalfans aus der südlichen Ortenau überhaupt aufs Gelände kommen – sollte sich erst am Mittwoch, dem Starttag des Festivals, klären. Zum Zeitpunkt des Telefonats mit unserer Redaktion waren sie auf dem Weg in das Nachbardorf Vaale, wo sie ihre restlichen Nächte verbringen wollen. „Am Nachmittag spielt eine Band, die ich unbedingt sehen möchte“, erklärte Sum. Deshalb versuchte die Gruppe, das Festival zu Fuß zu erreichen – in der Hoffnung, dass der Einlassstopp nur für Autos und Wohnmobile gelte. Zwischenzeitlich hatte der Veranstalter wegen der schlechten Witterungsbedingungen nämlich einen generellen Besucher-Stopp verkündet.
Doch dann – rund drei Stunden nach dem Telefonat – kam die erfreuliche Nachricht per Whatsapp: „Wir sind drin“, freute sich Sum. „Auf den Wegen ist unglaublich viel Matsch, Besucher campen teilweise direkt im Schlamm. Die Konzerte finden heute wohl zeitlich etwas verschoben statt“, berichtet der Metalfan von den teils chaotischen Zuständen auf dem Gelände.Trotzdem habe er nicht den Eindruck, dass weniger Besucher in Wacken sind als die Male zuvor.
Vor Ort hat Sum von Lahrern gehört, die nach der Nachricht über den Einlassstop abgereist seien. Nicht so Lea Marcks. Die gebürtige Reichenbacherin hat es auf das Festival-Gelände geschafft – in Regenponcho und Gummistiefeln. „Trotz der Probleme, die es gibt, haben die Leute hier alle sichtlich Spaß“, berichtete sie unserer Redaktion von Wacken aus. „So viele nette Menschen auf einem Haufen gibt es selten – man hilft sich gegenseitig.“
Am Telefon ist nur noch das Wummern der Musik zu hören
Als unsere Redaktion am frühen Abend noch einmal versucht, mit Jürgen Sum Kontakt aufzunehmen, ist am anderen Ende der Leitung nicht viel mehr als das Wummern der Musik zu hören, dazwischen immer wieder Lachen – es scheint doch noch ein gutes Wacken 2023 zu werden. Bis Samstag soll im 2000-Seelen-Dorf in Schleswig-Holstein noch gefeiert werden. Vorausgesetzt das Wetter macht mit.
Info – Das Festival
Das Wacken-Open-Air wurde erstmals im Jahr 1990 veranstaltet. Seitdem findet es jährlich am ersten Augustwochenende in der namensgebenden Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein statt. Nahezu alle Spielarten des Hard-Rock und Metal sind auf dem Festival vertreten. In den Jahren von 2011 bis 2019 lag die Teilnehmerzahl jeweils bei rund 85 000 Besuchern. Somit ist es eines der größten Metal-Festivals der Welt und eines der größten Open-Air-Festivals im Deutschland.