Investitionen in die Sanierung und einen neuen Anbau für das Trossinger Rathaus sowie in die Sanierung von Gymnasium und beispielsweise Regine-Jolberg-Kindergarten prägen das Jahr 2026.
Einstimmig verabschiedete der Gemeinderat ein 54 Millionen Euro teures Ausgabenpaket, in den mehrwöchigen Beratungen zuvor war das Defizit noch auf überschaubare 0,264 Millionen Euro gesenkt worden, die höchstwahrscheinlich durch Einsparungen noch ausgeglichen werden.
Finanzdezernent Axel Kämmerer darf im nächsten Jahr 15,35 Millionen Euro neue Kredite aufnehmen.
Er kann aber gleichzeitig 0,85 Millionen Euro alte Kredite zurückzahlen, sodass am Ende eine Nettokreditaufnahme von 14,5 Millionen Euro steht.
„Wir leben in einer jungen und wachsenden Stadt“, schilderte Bürgermeisterin Susanne Irion die Situation.
30 Millionen fürs Rathaus
Seit Fertigstellung des Rathausanbaus im Jahr 1980 sei Trossingen um ein Drittel gewachsen, der Platz in dem undichten Gebäude reiche nicht aus. 30 Millionen Euro (nach Abzug der Zuschüsse 21,2 Millionen) will die Stadt in die bereits begonnenen Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses, den Abriss des Anbaus und einen neuen Anbau stecken. Doch dabei verliere man die anderen Gebäude nicht aus den Augen, so die Bürgermeisterin. Sie sprach die gerade erst beschlossene Sanierung und den Anbau an das Gymnasium (18 Millionen Euro) an, die Investitionen in den Substanzerhalt der Löhrschule, die Sanierung des Regine-Jolberg-Kindergartens, die Sanierung der Duschen und Umkleiden in der Friedensschulsporthalle, die Außengeländeneugestaltung an der Friedensschule, die die Sanierung der Fritz-Kiehn-Sporthalle (4,65 Millionen Euro) an sowie die Anschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge.
Glücklicherweise weist der Bund aus seinem Infrastrukturprogramm 10,8 Millionen Euro Trossingen zu, sodass der Eigenanteil der Sanierungs- und Neubaumaßnahme am Gymnasium komplett bezahlt werden kann. Und angesichts der unübersehbaren Krisenstimmung in den Städten und Gemeinden stellte Stadtkämmerer Axel Henninger klar: „Die Ausgangssituation in Trossingen ist nicht schlecht im Vergleich zu anderen Kommunen“.
Ein Aufgabenberg
Dennoch hat auch Trossingen einen Berg von Aufgaben vor sich, so sind zwischen 2026 und 2029 Investitionen in Höhe von 80 Millionen Euro geplant, davon 26,7 Millionen in Schulen, weitere 17,9 Millionen in die Stadtsanierung oder 6,6 Millionen Euro in die Kindergärten.
Bürgermeisterin Susanne Irion sah „dunkle Wolken am Himmel“, denn man müsse investieren, ohne genügend Erträge zu haben.
Zwar sehe es nächstes Jahr noch gut aus, weil der Bund sein Sonderinvestitionsprogramm aufgelegt habe, doch müsse Trossingen in den nächsten Jahren fünf Millionen Euro neue Kredite aufnehmen, nur um die Kreisumlage an den Kreis Tuttlingen zu finanzieren.
Das liege daran, dass auch die Landkreise total überfordert sind. „Wir brauchen eine Finanzreform“, forderte die Bürgermeisterin und kritisierte, dass beispielsweise in der Behörde des Landesdatenschutzbeauftragten 71 Beamte unter anderem darüber wachen, dass Trossingen bei der Videoüberwachung öffentlicher Plätze keine Fehler mache.
Einstimmiger Beschluss
Stadtrat Gustav Betzler (Freie Wähler) meinte: „Das Geld wird von oben nach unten verteilt und wir da unten in den Gemeinden sind die Letzten“. Antje Spehn (FDP) plädierte dafür, den Einzelhandel und das Gewerbe zu stützen und zu stärken und sagte: „Wir sind uns im Gemeinderat nicht immer einig, aber was uns eint, ist der Wille, unsere Stadt zu gestalten“. Weitere Mitglieder des Gremiums bedankten sich beim Finanzdezernenten und dessen Mitarbeitern für die gute Arbeit am Haushalt 2026, der einstimmig verabschiedet wurde.