Im Museum Auberlehaus wurde die neue Fotografie-Dauerausstellung eröffnet. Hier werden Raritäten präsentiert – darunter das älteste Foto Trossingens.
„Fotos zeigen besondere Momente im Leben, zeigen aber auch den Blickwinkel dessen, der hinter der Kamera steht“, sagte Bürgermeisterin Susanne Irion bei der Ausstellungseröffnung im Auberlehaus. Und sie ergänzte: „Die Fotografie ist eine technische Errungenschaft, sie war lange Zeit ein Handwerk, aber auch Kunst.“ Sie präsentiere im Wesentlichen das Leben „und das passt sehr gut ins Auberlehaus“.
Ohne die Fotografenfamile Jörg wäre in den letzten knapp 100 Jahren vieles von Trossingen nicht aufgezeigt worden.
„Sie wurden zu fotografischen Chronisten der Stadt Trossingen“, hieß es bei der Eröffnung der Ausstellung.
Zehntausende Aufnahmen
Museumsleiter Volker Neipp sprach von rund 22.000 Aufnahmen, die im Besitz des Auberlehauses seien, so aus einer legendären Sammlung von Fritz Behn aus Afrika aus den Jahren 1908 bis 1911, ebenso aus einer großen Sammlung von Siegfried Lauterwasser, der in Nußdorf am Bodensee einst ein Nachbar des Trossingers Fritz Kiehn war.
Solche fotografischen Schätze, wie auch fast 10.000 Aufnahmen der Familie Kiehn – komplett beschriftet und aufgenommen vom Trossinger Fotostudio Jörg – ruhen normalerweise in Alben, Ordnern oder Boxen „Sie vertragen kein UV-Licht und man müsste wegen der Fingerabdrücke eigentlich Handschuhe tragen“, so Volker Neipp.
Diese Kiehn-Fotos seien zunächst im Efka-Turm eingelagert gewesen, kamen später in die Firma Efka-Druck ins Industriegebiet und danach ins Haus zur Familie Kiehn „wo wir dann 15 Umzugskisten für das Auberlehaus abholen durften“.
Foto von 1863
In der neuen Dauerausstellung „Fotografie – das visuelle Gedächtnis“ sind historische Aufnahmen zu sehen, darunter das älteste Foto von Trossingen, das wie weitere fotografische Kostbarkeiten in einer Vitrine mit Schubladen liegt. Es stammt vom 23. Februar 1863. Zudem sind es zahlreiche seltene, zum Teil einmalige Exponate, die die Besucher faszinieren werden: von einer Repro-Kamera mit 2,10 Meter Länge bis zum „Highlight“ der Ausstellung, nämlich eine original begehbaren Dunkelkammer mit Rollo der Fotofamilie Jörg, die ihr erstes Atelier im Jahr 1927 in Trossingen gegründet hat.
Auch das ehemalige „Schrankbüro“, in dem Fotoretuschen vorgenommen wurden, hat seinen Platz in der insgesamt rund 120 Quadratmeter großen Ausstellung gefunden.
„Ich bin wahnsinnig stolz auf das, was von meinen Großeltern jetzt alles hier ist“, sagte Alexandra Jörg, die mit ihrem Verlobten Matthias Merk zur Ausstellungseröffnung gekommen war.
Ihren im Jahr 1983 verstorbenen Großvater Karl Jörg habe sie nicht mehr gekannt, „aber die Oma Lotte, die erst vor wenigen Tagen mit 93 Jahren verstorben ist“, sei immer der „Kopf von allem gewesen – immer positiv und stets eine Dame“. Gerade deshalb seien dies hier „ganz tolle Erinnerungen.“
100 Jahre sind es bald
Das Fotoatelier führt Alexandra Jörgs Vater Peter noch heute „er will auf jeden Fall im nächsten Jahr die 100 vollmachen“.
Auf vielen Tafeln gibt es für die Besucher interessante, spannenden und manchmal auch zum Schmunzeln anregende Informationen. Beispielsweise, dass heute dank Smartphone und Sozialen Medien täglich mehr Fotos gemacht werden als im gesamten 19. Jahrhundert.