Vom Busbahnhof am Bahnhof Stadt startet in den allermeisten Fällen die Stadtbuslinie 115 (Stadtrunde), die mit Inkrafttreten des neuen Fahrplans 2029 ein Drittel weniger Fahrten beinhaltet, auch sollen drei Haltestellen wegfallen. Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Die Stadt Trossingen spart beim ÖPNV, das führt dazu, dass die Linie 115 nicht mehr so oft fährt und Haltestellen gestrichen werden.

„Stadtrunde“ heißt die Buslinie, die werktags genau 87 Mal zwischen Schulzentrum und Stadtbahnhof pendelt, in den meisten Fällen auch am Stadtbahnhof startet und dann auch noch auf dem Hinweg die Haltestellen Hauptstraße (Einkaufszone) und Hangenstraße mitnimmt.

 

Diese Linie fährt öfter als es dem Standard im Landkreis Tuttlingen entspricht und deshalb zahlt die Stadt Trossingen auch etwas drauf. In Zeiten angespannter kommunaler Kassen nahm die Stadtverwaltung diese Buslinie ins Visier und Bürgermeisterin Susanne Irion schlug dem Gemeinderat vor, auf die Zuzahlung zu verzichten.

Freie Wähler, CDU und FDP sprachen sich dafür aus, die Stadtrunde abzuspecken, also die Linie weniger oft zu bedienen (nur noch zwei Fahrten pro Stunde, ein Drittel der Fahrten fällt ab dem Jahr 2029 weg) und einzelne Haltestellen zu streichen, während von Annika Lenz von der OGL und Thomas Herrmann von der SPD der Vorstoß kam, eine attraktivere neue Linie zu konzipieren, die auch größere Teile Trossingens einbezieht mit der Intention, durch ein besseres Angebot mehr Menschen in den ÖPNV zu locken.

Neuer Konzessionsvertrag ab 2029

Hintergrund der Diskussion ist der Konzessionsvertrag, der im Jahr 2029 ausläuft, dann werden die Linienverkehre neu ausgeschrieben und Trossingen hätte die Möglichkeit, zusätzliche Haltestellen oder Linien beim Landratsamt zu bestellen. Bis Dezember 2026 müssen die Wünsche formuliert werden. Die Stadtrunde (Linie 115) kostet aktuell rund 355.900 Euro. Mit weniger Fahrten, jedoch so, dass der Schülerverkehr bedient wird, könnten sich die Kosten auf jährlich 252.000 Euro reduzieren.

Im Moment werden die erhöhten Kosten von 104.000 Euro nicht einmal komplett von Trossingen getragen, sondern im Verhältnis 60:40 aufgeteilt. Bürgermeisterin Susanne Irion rechnete vor, dass die Stadt mit dem Zuschuss von rund 42.000 Euro für diese Buslinie auch den Betrieb einer Kindergartengruppe finanzieren kann. Wenn die Linie abgespeckt wird, sind davon täglich 38 Personen betroffen, die an den wegfallenden Haltestellen Schwabenpark, Hangenstraße und Hauptstraße aussteigen.

Zu großer Aufwand

„Ich bin der Meinung, dass dies den Aufwand nicht rechtfertigt“, so die Bürgermeisterin. Zudem spare man nicht nur den städtischen Anteil, sondern auch jenen des Kreises und sorge damit dafür, dass bei der Kreisumlage (Trossingen zahlt zehn Prozent der Umlage) gespart werde. Gustav Betzler (FW) unterstützte dies, Annika Lenz (OGL) glaubt, dass es bei einer reduzierten Linie 115 am Stadtbahnhof zu mehr Umsteigevorgängen kommt und Thomas Herrmann (SPD) äußerte den Verdacht, dass die Stadtrunde eventuell deshalb im „Jedermannverkehr“ so schlecht angenommen wird, weil sie zu kurz ist. Er schlug deshalb vor, weitere Bereiche der Stadt einzubeziehen. „Es ist ein schlechtes Signal, wenn wir den ÖPNV runter fahren, gerade auch vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft“, so der SPD-Stadtrat und Pädagoge.

Jochen Karl, Dezernat für Wirtschaft, Kreisentwicklung und Kultur im Landratsamt Tuttlingen, berichtete, seine ÖPNV-Experten schlügen eine Reduzierung der Linie vor.

Einstimmig folgte der Gemeinderat dann dem Vorschlag der Bürgermeisterin, ab 2029 die Linie 115 nicht mehr aus städtischen Mitteln zu bezuschussen, was eine Reduzierung der Fahrten und Haltestellen zur Folge hat. Der Bus verkehrt dann nur noch über die Haltestellen Stadtbahnhof – Konzerthaus – Deibhalde (Akademie) mit einer Fahrzeit von zehn bis zwölf Minuten.

Der Antrag der OGL, eine neue Linie mit attraktiver Linienführung zu prüfen, wurde dann bei fünf Ja-Stimmen und 13 ablehnenden Stimmen abgelehnt. Das Landratsamt schlug noch vor, eine Haltestelle an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung neu einzurichten, hier sollen aber zunächst die Kosten ermittelt werden. Aus den vorgelegten Zahlen geht hervor, dass die Buslinien 120 und 140 am stärksten frequentiert sind. Für den neuen Fahrplan ab 2029 wird eine neue, grenzüberschreitenden Buslinie (100) zwischen Tuttlingen und Schwenningen über Trossingen auf dem Fahrtweg der heutigen Linie 110 und 117 geprüft, die Linie 117 wird dann auf Fahrten mit Relevanz für den Schülerverkehr reduziert.

Die Linie 110 bleibt zur Bedienung von Schura, Gölten, Hürsten und die Anbindung an Talheim bestehen. Die Linien 120 und 140 bleiben erhalten, die Linie 130 verkehrt neu bis Durchhausen. Die Fahrten der Linie 147 (Spaichingen – Aldingen – Gewerbegebiet Nagelsee – Trossingen) zeigen keine befriedigende Nachfrage, die Linie wird deshalb gestrichen, die Linie 160 wird wegen geringer Nachfrage außerhalb der Schülerbeförderung eingestellt. Der bisherige Rufbus-Halt Gaugersee soll ab 2029 nicht weiter bedient werden.