Sein kleines Studio hat Quentin im Keller mithilfe seiner Eltern selbst gebaut. Hier arbeitet er am Computer oft stundenlang an neuen Beats. Foto: Schütz

Beats von Hobby-Produzenten Quentin Mohr sorgen auch in Berliner Szene für Aufmerksamkeit.

Trossingen - Mehr als 80.000 Klicks auf YouTube hat der Song "Squad am Set" des Berliner Rappers Dekaveli auf YouTube. Die Beats dazu kommen aus Trossingen: In seinem kleinen selbstgebauten Studio im Keller produziert der 15-jährige Quentin Mohr an seinem Computer Musik für die Berliner Rap-Szene.

Dabei hatte Quentin eine solche Karriere überhaupt nicht im Sinn, als er sich vor rund zwei Jahren erstmals mit der Produktion von Beats beschäftigte. "Das war in den Sommerferien in Italien. Quentin war krank und konnte deshalb nicht an den Strand", erinnert sich seine Mutter Jasmin Mohr. "Also habe ich mir eine App runtergeladen", sagt der Schüler. 15 Euro habe die gekostet und auch Anfängern die Musikproduktion leicht gemacht. Quentin, der zuvor immer wieder Videos für YouTube geschnitten hatte, fand Gefallen an dem neuen Hobby - so sehr, dass er irgendwann in den Ferien an einem Workshop des Hip-Hop-Produzenten KD-Beatz teilnahm, den das Jugend- und Kulturzentrum K3 Villingen-Schwenningen organisiert hatte.

KD-Beatz betreibt eigenes Studio

KD-Beatz, mit bürgerlichem Namen Karim Deriche, hat inzwischen 50 chartrelevante Alben von bekannten Rappern wie Kollegah, Haftbefehl oder Kool Savas mitproduziert und betreibt seit 2012 sein eigenes Studio. "Er hat mir gezeigt, wie alles geht", sagt Quentin, wenn er vom Melodien Komponieren, Arrangieren oder Mixen spricht. In seinem Workshop war es auch, dass Quentin jemanden traf, der begann, Beats von verschiedenen Hobby-Produzenten an Künstler und Plattenlabels zu verschicken. Eines Tages landete Quentins Musik beim aufstrebenden Berliner Nachwuchsrapper Dekaveli - und der war begeistert. "Er wollte meine Beats haben", erzählt Quentin. "Das hat mich schon überrascht, aber ich finde es natürlich gut."

Dekaveli und sein Team konnten kaum glauben, dass die Musik von einem 15-Jährigen produziert wurde. Neugierig geworden, luden sie Quentin in ihr Tonstudio ein. Der Trossinger Schüler musste nicht zweimal überlegen. Gemeinsam mit seinem Vater machte er sich vor Kurzem auf den Weg nach Berlin, wo er ins professionelle Tonstudio schauen durfte und einige bekannte Rapper kennenlernte, unter anderem Pablokk, Jason und Undacava vom Label B.O.M. Music.

"Pablokk war auch an meinen Beats interessiert", sagt Quentin, dazu sei ein Rapper aus den USA auf ihn aufmerksam geworden. Einen A-Capella-Text eines Rappers hat er ebenfalls aus Berlin mitgenommen, mit der Aufgabe, dazu die passende Musik zu liefern.

"Ich höre jetzt eigentlich nur noch die Beats"

Und auch für Dekaveli soll er weiterproduzieren. Zwei Songs, deren Musik Quentin produziert hat, hat der Rapper schon veröffentlicht: "Squad am Set" und "Ferrari Flow", letzteres erst vor wenigen Tagen. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut läuft", meint Quentin, der immer gespannt auf die Resonanz auf seine Beats ist. Die Songs werden beispielsweise von Hip-Hop-Fans in YouTube-Videos rezensiert. "Das Feedback war bisher positiv", stellt er fest. Die Rapper hätten den 15-Jährigen gern fest unter Vertrag, sagt seine Mutter, doch weil Quentin noch keine 18 Jahre alt ist, gestaltet sich das nicht ganz einfach.

Songs hört der Trossinger inzwischen anders an als früher. "Ich höre jetzt eigentlich nur noch die Beats", sagt Quentin. Spezialisiert hat er sich auf sogenannte Drill-Beats, eine Richtung des Rap, die eher düster ist und zum Beispiel "viel Abwechslung beim Bass" oder einem anderen Rhythmus beim Schlagzeug folgt, wie Quentin erläutert. "Drill kam erst vor ein paar Monaten nach Deutschland, noch nicht viele Rapper machen das hier. Es wird aber immer bekannter. In England gibt es Drill schon lange", sagt der Schüler. Für seinen ersten Drill-Beat habe er eine halbe Stunde am Computer gesessen. "Davor habe ich andere Sachen gemacht, Hip-Hop und auch mal R’n’B." Er probiert sich gerne aus, sagt er, und versucht sich an verschiedenen Styles. Dafür holt er sich gerne aus YouTube A-Capella-Texte und legt sie über seine Beats, um eine Vorstellung zu haben, wie der fertige Song sich anhören könnte. "Man muss einfach ein bisschen kreativ sein", sagt Quentin.

Ob er später auch hauptberuflich Beats produzieren will, steht aber noch in den Sternen. Erstmal wird der 15-Jährige sein Abschlussjahr an der Aldinger Gemeinschaftsschule absolvieren und nebenher genügend Zeit finden, um an seinem Computer an neuer Musik zu basteln. "Es macht mir ja viel Spaß", betont er. Sein Wunschtraum wäre, für den US-amerikanischen Rapper Fivio Foreign oder den Berliner Künstler Luciano zu produzieren. "Aber die sind zu berühmt, als dass sie meine Beats anhören würden", meint er achselzuckend. Noch jedenfalls. In Trossingen zumindest wird Quentin Mohr jetzt schon häufig auf seine Beats angesprochen.