Im Gemeindewald von Grenzach-Wyhlen tut sich etwas. Einerseits erholen sich einzelne Bestände des totgeglaubten Buchses wieder, andererseits breitet sich die Elsbeere aus.
Es ist wie die berühmte zweiseitige Medaille: Was einerseits schlecht ist, kann andererseits gut sein. So hat das nahezu vollständige Absterben des Buchswalds in den vergangenen 15 Jahren zum Beispiel dazu geführt, dass andere Baumbestände sich verjüngen beziehungsweise neu etablieren konnten. Denn durch den Wegfall des dichten und immergrünen Buchses bekamen die unteren Waldschichten wieder Licht. Neue Buchenschösslinge konnten wachsen – Buchen sind die bis jetzt noch dominierende Baumart im Grenzach-Wyhlener Forst –, andere Baumsorten kamen hinzu.
Noch dominiert die Buche
Wie Revierförsterin Theresa Faust im Gemeinderat ausführte, ist dies ganz besonders die Elsbeere. Dieser gefällt es offenbar gut bei Grenzach-Wyhlen, die Baumart verjünge sich und breite sich aus. Laut Faust ist dies ein Vorteil, denn die Elsbeere zähle im Kontext des Klimawandels zu den „Zukunftsbäumen“. Denn die Buche als dominierende Baumart habe durch drei Trockenjahre in Folge sehr gelitten.
Boden zieht sich zusammen
Die Gefahr gehe nun aber weniger von Buchen aus, denen man den schlechten Zustand – zum Beispiel wegen stark ausgelichteter Kronen – auf den ersten Blick ansehen könne. Vielmehr gebe es mächtige, äußerlich noch sehr vital erscheinende Buchen, die „einfach umfallen“ könnten, wie Faust im Gemeinderat ausführte.
Dies sei eine direkte Folge der vergangenen Trockenjahre, denn der Waldboden bei Grenzach-Wyhlen neige aufgrund seiner Zusammensetzung bei starker Trockenheit zu Schrumpfung. Ziehe der Boden sich zusammen, könne dies die Baumwurzeln verletzten – mit allerhand Folgen, die man jetzt sehen könne.
Nässe hilft gar nicht so viel
„Die zuletzt eher nassen Zeitperioden haben deshalb gar nicht so sehr geholfen“, sagte die Revierförsterin angesichts der Notwendigkeit, aus Sicherheitsgründen an mehrere Stellen im Gemeindewald Bäume entfernen zu müssen. „Punktuelle Verkehrssicherungsmaßnahmen“ nennt sich das offiziell.
Sperrungen nötig
Solche wird es zum Beispiel an der Straße in Richtung Neufeld geben. Dort müssen laut Theresa Faust einige „Risikobäume“ entnommen werden. Dazu werde eine ampelgesteuerte Straßensperrung eingerichtet. Werde ein Baum gefällt, müsse der Verkehr für einige Minuten ruhen, sei die Gefahr vorbei, schalte die Ampel wieder auf Grün.
Ähnliche Hiebmaßnahmen sind außerdem in der Verlängerung vom „Tannenboden“ sowie entlang der rechten Seite des Rudishauwegs in Wyhlen geplant. Dort seien Einzelbaum-Entnahmen nötig, kündigte die Revierförsterin an.
Verkehrssicherungsmaßnahmen stehen des Weiteren im Bereich des oberen „Proli“ in Grenzach an. Wie an der Bettinger Straße werde auch dort während der Arbeiten in Richtung Schützenhaus ein Parkverbot samt Straßensperrung nötig sein, sagte Faust.
Wissenschaftler vor Ort
Der Grenzach-Wyhlener Gemeindewald mit seinen botanischen Besonderheiten – der Buchs ist nur eine davon – stößt auch bei der Wissenschaft auf Interesse. Wie Faust mitteilte, seien Wissenschaftler des Julius-Kühn-Instituts zwecks Erforschung des Buchswalds vor Ort gewesen.
Dabei wurde auch eine neu eingewanderte Schlupfwespenart entdeckt, die die Raupen des Buchsbaumzünslers als Wirt benutzt und so dem bis vor etwa 15 Jahren größten wilden zusammenhängenden Buchsbestand nördlich des Alpenhauptkamms die Chance bietet, sich wieder punktuell zu erholen. „Es wird sich einpendeln“, erwartet Faust.