Nachdem vergangene Woche der Ast eines Baumes im Romäusring heruntergebrochen ist, sind noch viele Fragen offen. Eine erst im Juli durchgeführte Kontrolle des Baumes war ohne Auffälligkeiten – und auch sonst nimmt die Stadt den Baumbestand regelmäßig unter die Lupe.
Villingen-Schwenningen - Mit einem Schrecken davon gekommen sind vergangene Woche die Insassen eines Autos im Romäusring in Villingen. Der Ast eines Baumes ist an einer der großen Esche gegenüber des Theaters am Ring abgebrochen, hat einen darunter liegenden Stämmling abgerissen und ist auf die Windschutzscheibe eines Autos gekracht. Die Insassen des Autos sind unbeschadet davon gekommen – keiner will sich ausmalen, was hätte Schlimmeres passieren können.
Nun stellt sich die Frage, was die Ursache für den Unfall gewesen ist. Muss man nun Angst haben, dass reihenweise Äste vom Himmel herabstürzen? Die Polizeibeamten vor Ort haben eine erste Vermutung abgegeben – die Hitze und seit Wochen andauernde Trockenheit könnte für den Sturz des Astes ausschlaggebend gewesen sein. Außerdem: Wer haftet für den Schaden an dem Auto – schließlich ist ein städtischer Baum hierfür die Ursache. Der Schwarzwälder Bote hat bei der Stadt nachgefragt.
Städtischer Baumbestand wird regelmäßig kontrolliert
"Wir bedauern den Vorfall ausdrücklich und sind sehr froh, dass es keinen Personenschaden gegeben hat", teilt Oxana Zapf, Pressesprecherin der Stadt, auf Nachfrage mit. Der städtische Baumbestand werde gemäß den gesetzlichen Vorgaben einmal im Jahr von entsprechend qualifiziertem Personal kontrolliert und unterhalten, sagt Zapf. Für das gesamte Stadtgebiet sind insgesamt zwei Baumkontrolleure in Vollzeit tätig. Zusätzliche Kontrollen der Bäume würden dann stattfinden, wenn eine potenzielle Gefahr nach beispielsweise einem Sturm von den Bäumen ausgehe. Darüber hinaus bestehe eine gesetzliche Verkehrssicherungspflicht, teilt die Pressesprecherin mit.
Die Bäume in den Ringanlagen – diese seien wohl mindestens 80 Jahre alt – seien erst kürzlich, zuletzt im Juli, kontrolliert worden. Dabei konnte an dem betroffenen Baum keine Auffälligkeiten festgestellt werden. Im September sollen die Bäume ein weiteres Mal unter die Lupe genommen werden.
Genaue Ursache ist nach wie vor unklar
Bei den Untersuchungen konnte allerdings nicht festgestellt werden, warum der Ast des Baumes abgekracht, und auf das Auto hinuntergestürzt ist. Die genaue Ursache für den Unfall ist nach wie vor unklar. Zapf betont aber: "Von dem Baum geht aktuell keine akute Gefahr mehr aus."
Und wer kommt für den Schaden auf? "Die Stadt haftet für einen Sach- und Personenschaden, der durch einen städtischen Baum entstanden ist, wenn sie eine ihr obliegende Verkehrssicherungspflicht schuldhaft verletzt hat und diese Pflichtverletzung ursächlich für den Schaden war", erklärt Zapf die grundsätzliche Regelung. Hierzu müssten beispielsweise Vorschäden übersehen oder eine Überprüfung ganz ausgelassen worden sein. Ist das nicht der Fall, dann ist der Schaden auf "höhere Gewalt zurückzuführen und unterliegt daher dem allgemeinen Lebensrisiko, für das die Stadt nicht haftet", erläutert die Pressesprecherin. Bezüglich des aktuellen Falls werden die näheren Schadensumstände derzeit geprüft.
Hitze fordert einen großen Einsatz
Auszuschließen ist natürlich nach wie vor nicht, dass die andauernde Hitze für den Unfall verantwortlich gewesen ist. Es ist nicht unüblich, dass Bäume durch die Trockenheit ihre Äste verlieren. "Es ist wärmer als sonst und es hat seit Wochen so gut wie nicht geregnet", schildert Zapf. Das führe dazu, dass hinsichtlich der Bewässerung der städtischen Grünanlagen mehr gemacht werden müsse – sofern die Kapazitäten dafür vorhanden sind.
Das Gießen obliegt den Technischen Diensten VS (TDVS) sowie teilweise auch externen Firmen. Insbesondere neu gepflanzte Bäume müssen entsprechend bewässert werden. "Neupflanzungen verfügen in der Regel über viel weniger Wurzelvolumen als eingewachsene Pflanzen", erklärt die Pressesprecherin. Wenn nach der Pflanzung das oberirdische Wachstum einsetzt, müsse dafür gesorgt werden, dass der Pflanze trotz steigender Verdunstung durch die zunehmende Blattmasse genügend Wasser zur Verfügung steht – sonst vertrocknen sie. Als Bewässerungsmethode habe sich in Vergangenheit das Anbringen von Gießsäcken bewährt, welche dann im Zuge des Gießganges mit Wasser gefüllt werden und das Wasser langsam an den Boden direkt am Stamm des Baumes abgeben, erklärt Zapf. Zuletzt wurden im Frühjahr im Rahmen verschiedenster Projekte Bäume in der Doppelstadt gepflanzt.
Für den städtischen Baumbestand bleibt jedenfalls nun nur zu hoffen, dass es bald wieder regnen wird.