Der Pegelstand der Nagold gibt keinen Grund zur Besorgnis – zumindest noch nicht. Foto: Klormann

Bis Ende September darf im Kreis Böblingen nichts mehr aus Flüssen und Bächen abgeschöpft werden. Schuld sind niedrige Pegelstände. Rund um Calw sieht die Lage besser aus. Doch das kann sich schnell ändern.

Wer Garten- oder Ackerflächen bewässern will, muss im Kreis Böblingen in den kommenden vier Monaten die Finger von Bächen und Flüssen lassen.

 

Wie das dortige Landratsamt in dieser Woche bekannt gab, gilt ab dem 1. Juni und bis Ende September bis auf an wenigen Stellen ein Wasserentnahmeverbot. Wer trotzdem Wasser entnimmt, muss mit Bußgeld rechnen.

Der Grund: „Die Wasserstände bewegen sich in vielen Bächen und Flüssen Baden-Württembergs, trotz der Niederschläge der letzten Wochen, im Bereich der mittleren Niedrigwasserstände“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Fischbestände geraten in Gefahr

Werde dann noch zusätzlich Wasser abgeschöpft, könne das ökologische Gleichgewicht durcheinandergeraten und gerade in den Sommermonaten den Fischbestand gefährden.

Ganz so trocken ist es indes noch nicht überall. Im Kreis Calw sei aktuell zumindest kein Wasserentnahmeverbot geplant, berichtet Janina Dinkelaker, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes, auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Erzgrube, wie der Stausee an der Nagoldtalsperre in der Regel genannt wird, sei gut gefüllt. Das Gewässer, das vor Hochwasser schützt, kann auch gegen Niedrigwasser eingesetzt werden. Angesichts der ordentlichen Pegelstände von Enz und Nagold sei das aber noch gar nicht nötig.

2022 erstmals Verbot im Kreis Calw

Dies hänge nicht zuletzt damit zusammen, dass es in diesem Jahr bislang mehr geregnet habe als es bis Ende Mai 2022 der Fall gewesen war. Im vergangenen Jahr hatte auch der Kreis Calw erstmals ein Verbot zur Wasserentnahme ausgesprochen, führt Dinkelaker aus.

Allerdings werde die Situation in den kommenden beiden Wochen genau beobachtet. Teils frühsommerliche Temperaturen und wenig Regen sind angekündigt. Sollten die Wasserstände zu stark abfallen, wäre dann vermutlich Mitte oder Ende Juni mit einem Wasserentnahmeverbot zu rechnen.

Doch warum scheint die Lage im Nachbarkreis schon jetzt „dramatischer“ zu sein? Eine Antwort darauf gibt das Böblinger Landratsamt in seiner Mitteilung. Einerseits würden im Kreis zwar viele Bäche entspringen. Im Quellgebiet führten diese aber noch relativ wenig Wasser.

Böblingen gehört zu Wassermangelgebieten

Darüber hinaus versickere Flüssigkeiten in Karstlandschaften wie dem Gäu aus dem Bachbett direkt in den Untergrund. Fließe in den Sommermonaten dann wenig nach und verdunste viel, könnten die Gewässer ganz austrocknen.

Der Kreis Böblingen, so berichtet das dortige Landratsamt, gehöre daher zu den Wassermangelgebieten. Die Wasserentnahme wurde deshalb bereits vor Jahren – genauer gesagt seit 1993 – eingeschränkt.