Große Hitze, wenig Regen und große Dürre – immer wieder bestimmten diese Worte die Sommer der Vergangenheit. Ist Nagold für den nächsten Dürresommer gerüstet? Ist die Wasserversorgung gesichert? Die Antwort überrascht etwas.
Wenn es um die Wasserversorgung Nagolds geht, ist Walter Saar eigentlich ziemlich entspannt. Der Betriebsleiter der Stadtwerke weiß, dass man schon jetzt mindestens zur Hälfte auf eigenen Füßen steht. „Nagold wird zu etwa 70 Prozent aus Eigenwasser versorgt“, berichtet er im Gespräch mit der Redaktion. Aktuell werden im Tal vier Tiefbrunnen genutzt, ein fünfter soll mittelfristig in Betrieb gehen. Zwei Quellen gibt es im Schwandorfer Tal, eine weitere soll ebenfalls mittelfristig aktiviert werden, informiert der Betriebsleiter.
Etwas anders stellt sich die Lage in den Ortsteilen dar, da ist man in Nagold größtenteils auf Zulieferer angewiesen. Mindersbachs Wasser etwa kommt von der Schwarzwald-Wasserversorgung. Hochdorfs Wasser kommt von der „Kleinen Kinzig“. Vollmaringen, Emmingen, Gündringen und Schietingen sind in Sachen Wasser auf die Gäuwasserversorgung angewiesen.
Tiefbrunnen liegen in einer Tiefe zwischen 60 und 100 Metern
Man ist also recht breit aufgestellt in Nagold. Auch wenn jetzt eine größere Dürreperiode das Land treffen sollte, ist Walter Saar eigentlich noch relativ entspannt. Immerhin könne man Hochbehälter mit zwei Kammern zur Vorsorge aus eigenen Quellen komplett füllen. Die dafür genützten Tiefbrunnen liegen in einer Tiefe zwischen 60 und 100 Metern. Damit könne man dann in Nagold – ohne externe Wasserversorgung – „relativ lange“ durchhalten. Doch das „relativ lange““ ist eben relativ. Dabei wird die mach- und schaffbare Zeit in Tagen gemessen, nicht etwa in Wochen oder Monaten. Saar gibt die Zahl der Tage mit „ca. zwei“ an.
Doch das Problem ist nicht allein die Menge des Wassers, sondern auch dessen Transport in die richtigen Behälter. Denn dazu braucht man Strom – und wenn der ausfällt, dann sind die Stadtwerke wirklich in Schwierigkeiten.
Ziel ist, jedes Jahr zwei Prozent der Leitungen zu richten
Ein Bereich, der den Betriebsleiter in diesem Zusammenhang mit der Wasserversorgung noch mehr umtreibt, ist der Zustand der Wasserleitungen. Und da sind es besonders die Leitungen aus den 1970er- und 1980er-Jahren, deren Qualität Saar schlicht als „schlecht“ bezeichnet.
Doch mit dem Baujahr allein ist noch kein allgemeingültiges Qualitätsurteil verbunden. „Uns können auch 20 Jahre alte Leitungen Probleme machen, während 70 Jahre alte Leitungen problemlos funktionieren“, erklärt der Fachmann, der bei der Sanierung der Leitungen ein Ziel vor Augen hat: „Jedes Jahr zwei Prozent der Leitungen richten.“ Dann wäre man in 50 Jahren mit dem kompletten Netz durch. Aber dieses Ziel ist bis jetzt nur ein Ziel. Jedenfalls sei man in enger Abstimmung mit dem Tiefbau, erklärt Saar. Wenn die eine Straße oder eine Leitung aufreißen, dann trete man miteinander in Kontakt.
Wasserversorgung gehört zur „kritischen Infrastruktur“
Auf der Agenda der städtischen Wasserversorgung steht natürlich auch die Qualität des eigenen Wassers weit oben. Das werde „extrem regelmäßig“ beprobt – mindestes jede Woche an einer Stelle. „Dadurch wissen wir: Wir haben zwar hartes, aber gutes Wasser in Nagold“, beruhigt der Betriebsleiter, der weiß: Es gibt immer etwas für uns zu tun.“
Wenn etwa 2026 alle Tiefbrunnen saniert sind, wartet danach eine weitere Aufgabe. Und eine ist auch das Thema Sicherheit, denn eines ist für Saar offensichtlich: Die Wasserversorgung der Stadt und deren Einrichtungen gehört zur so genannten „kritischen Infrastruktur“, die besonders vor Angriffen von Außen geschützt werden müsse. Und deswegen werde auch er nicht alle Geheimnisse verraten, die es um die Wasserleitungen der Stadt noch so gebe.