Wolfgang Grupp beim 100-jährigen Firmenjubiläum 2019 Foto: Frank Engelhardt

Wolfgang Grupp senior wird im Krankenhaus behandelt. Bundesweit berichten Medien, der Mittelständler ist extrem bekannt. Mit ihm als Trigema-Chef gab es nur eine Richtung: nach oben.

Wolfgang Grupp hatte nach Jahren auf dem Internat und seiner Ausbildung zum Diplom-Kaufmann im Jahr 1969 die Geschäfte der „Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer“, die 1919 gegründet worden war, von seinem Vater Franz Grupp übernommen.

 

Grupp etablierte bei Trigema das T-Shirt und die Tenniskleidung als Verkaufshits, verabschiedete sich von den Diversifikations-Ideen seines Vaters, baute die dadurch entstandenen Schulden innerhalb weniger Jahre ab und ist stolz darauf, danach nie wieder einen Kredit für Trigema aufgenommen zu haben.

Größter Spender seiner Heimatstadt

Mit der Elisabeth-und-Wolfgang Grupp-Stiftung engagiert sich der erfolgreiche Textilunternehmer in vielen sozialen Bereichen, wird zum größten Spender seiner Heimatstadt, der er immer wieder Millionenbeträge zukommen lässt.

Die Stiftung unterstützt das DRK oder andere soziale Einrichtungen. Erst jüngst flossen 500 000 Euro für einen Kindergartenanbau.

Zudem gilt Grupp senior als gern gesehener, weil wortgewaltiger Gast in vielen TV-Talkshows, wo er immer wieder die unternehmerische Verantwortung betont und Gier und Größenwahn so mancher Firmenchefs von Dax-geführten Unternehmen geißelt.

Im Magazin Wirtschaftswoche hat er eine regelmäßige Rubrik, in der er sich immer wieder – und längst nicht nur zu Wirtschaftsthemen – äußert. Da geht es Mal um den Ukraine-Krieg und Putin und dann wieder um Trumps Zölle und die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

„Ich vertrete Werte, die viele vermissen“

In einem Interview mit unserer Redaktion vor drei Jahren übte sich der bundesweit bekannte und ideenreiche Firmenchef im Understatement.

Er sagt: „Anscheinend vertrete ich Werte, die viele Menschen vermissen! Ich verstehe daher die Aufregung um meine Person nicht. Ich mache nichts Besonders. Ich habe ein bisschen Anstand, Respekt vor anderen oder mache einem Mitarbeiter klar, dass ich ihn schätze. Das war’s. Alles völlig normal.“

Normal ist bei Grupp, sich und die Firma immer wieder neu zu erfinden. Da lässt er mit dem Affen Charly zur Prime-Time des deutschen Fernsehens vor der Tagesschau werben, da lässt er sein Trigema-Luftschiff just zu der Zeit über ausverkauften Fußballstadien kreisen, in der dort Spitzenspiele stattfinden. Trikot- oder Bannerwerbung war gestern – mit Wolfgang Grupp geht es hoch hinaus.

Und in Pandemie-Zeiten kommt der Visionär mit dem richtigen Riecher auf die Idee, Masken nähen zu lassen, um die Produktion aufrechtzuerhalten obwohl alle Testgeschäfte – für diese ist seine Frau Elisabeth Grupp verantwortlich – schließen mussten.

Bei Vorträgen „eine unglaubliche Präsenz“

Nach der Firmenübergabe an seine gut ausgebildeten Kinder lässt sich Wolfgang Grupp als Redner und Coach anheuern, gibt Seminare und redet über seine Wirtschaftsphilosophie.

„Eine unglaubliche Präsenz. Wenn er den Raum betritt, dann merkst Du sofort: Da kommt jemand, der etwas zu sagen hat“, bescheinigte ihm erst jüngst ein Teilnehmer im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Reich ist, wer gebraucht wird“, sagt Wolfgang Grupp senior auf die Frage nach seinem Vermögen, und dass er so lange da sein will, wie er gebraucht wird.