Wolfgang Grupp wird an diesem Samstag 84 Jahre alt. Eine Biografie über sein Leben ist eben erschienen. Unsere Redaktion hat mit ihm gesprochen.
Viele Menschen schreiben Wolfgang Grupp täglich, schicken ihm Mails, die er alle beantwortet. Rückmeldungen zu seiner Biografie hat er bisher nicht erhalten. Natürlich, das Buch erschien am Dienstag dieser Woche und die 256 Seiten wollen zunächst einmal gelesen sein, die Resonanz kommt später.
Die Rückschau ist elegant geschrieben, bestens recherchiert, und sie bietet bei aller Unterhaltsamkeit einen tiefen, sogar erstaunlich tiefen Einblick in das Privatleben des vormaligen Trigema-Chefs und seiner Familie.
Autor Volker ter Haseborg, Chefreporter der Wirtschaftswoche, meidet keine schwierigen, teils heiklen Themen. Er lässt kritische und nachdenkliche Stimmen zu Wort kommen – auch die von Ehefrau Elisabeth und den Kindern Bonita und Wolfgang Grupp junior.
Mit der Herangehensweise einverstanden
Wolfgang Grupp senior wollte das so. Beziehungsweise er zeigte sich mit der Herangehensweise des Autors einverstanden. Das sei der Grund gewesen, antwortet er auf die entsprechende Frage im Gespräch mit unserer Redaktion, weshalb er nicht eigenhändig zur Feder griff.
„Ich kann ja nicht über mich selbst schreiben, da hätte ich bloß positive Dinge erzählt. Das wäre nicht objektiv.“ Andererseits habe er seine Biografie guten Gewissens – er erhielt mehrere Anfragen von verschiedenen Seiten – in Auftrag gegeben. „Ich konnte das Buch schreiben lassen, so ganz negativ habe ich mich im Leben ja nicht verhalten“, lächelt er.
Er habe verschiedentlich Fehler gemacht, gibt er zu. Das bleibe in 50 Jahren Unternehmertätigkeit nicht aus. „Aber wenn man einen Fehler gemacht hat, muss man dazu stehen und ihn korrigieren. Dann ist das kein Problem. Einen Fehler zu verteidigen, das ist ein Problem! In dem Fall zeigt man, dass man keine Größe besitzt.“
An diesem Samstag, 4. April, begeht der Alt-Unternehmer seinen 84. Geburtstag. (An einem Karsamstag, an dem er auch zur Welt kam.) „Es ist nichts geplant, wir feiern in der Familie hier oder im Jagdhaus im Allgäu, da ist noch nichts festgelegt.“ Die Hauptsache für ihn: „Es ist schön, gesund zu sein. Ich könnte auch 1000 Probleme haben und krank sein.“ Doch der 84. Geburtstag sei nichts Besonderes. „Es ist ein Tag wie jeder andere.“
Seine Wünsche für sich selbst? „Dass ich gesund bleibe, morgens aufstehen kann und nicht abhängig bin.“ Um das zu erreichen, will er seinen disziplinierten Lebensstil beibehalten. Er isst mäßig, achtet auf sein Gewicht von 68 Kilo und schwimmt wie gewohnt jeden Morgen im Außenpool seines Burladinger Anwesens im Freien. „Ob es regnet oder schneit, da gibt es keine Diskussionen. Das ist eine Verpflichtung.“
„Die Welt sollte normaler werden“
Seine Wünsche für das gesellschaftliche Umfeld, das er oft als „total verrückt geworden“ bezeichnete? „Die Welt sollte wieder normaler werden. Krieg, wie er derzeit in der Ukraine herrscht – das gibt es nicht.“ Das entziehe sich seinem Verständnis. Man könne hart verhandeln, scharf kritisieren, in der Sache streiten – „aber am Schluss reicht man sich die Hand. Bei mir gäbe es keinen Krieg.“
Seine Vorhaben für die Zukunft? „Ich habe keine Pläne mehr. Ich habe zig Weltreisen gemacht, als Junggeselle und später mit meiner Frau. Ich bin froh, wenn ich zu Hause bin. Man will nicht mehr so viel Hektik haben wie früher, als man um 1 Uhr nachts von einer noch auf die nächste Party zog.“
Wie verbringt er seine freier werdende Zeit außerhalb der Firma? „Ich schlafe morgens länger und gehe länger spazieren.“ Führt er dabei das neue Familienmitglied, Dackelhündin Sissi aus? Die Antwort darauf lautet klar: Nein! Hunde seien nie seine Sache gewesen, sagt Grupp. Auch als Jäger habe er nie einen besessen. Spaziert er dafür mit dem Enkelkind, das vor zwei Monaten zur Welt kam? Ja, das sei sehr wohl der Fall. Allein werde man ihn jedoch mit dem Kinderwagen nicht antreffen, sondern zusammen mit Familienmitgliedern.
Weiter am Schreibtisch präsent
Ganz ohne Firma, die sein Leben bestimmte, kann er nicht sein. Er ist weiter, wenn auch in geringerem Umfang, an seinem Schreibtisch präsent. Dass es ihm dabei schwerfällt, nicht mehr an leitender Stelle zu stehen, wird in der Biografie ausführlich behandelt. Ebenso die unterschiedlichen Vorstellungen über Unternehmensführung oder Marketing innerhalb der Familie. „Aber das habe ich ja selbst entschieden. Ich habe mit 82 Jahren den Betrieb an meine Kinder und meine Frau verschenkt. Dass ich ewig lebe, kann ich mir nicht einbilden. Meine Familie gibt mir immer noch das Gefühl, gebraucht zu werden. Nur kann ich nicht abstreiten, dass ich nicht mehr 50 bin. Manches ist mir beschwerlicher als früher. Deshalb bin ich ja gottfroh, dass meine Frau und meine Kinder die Verantwortung übernommen haben. Das ist der Lauf der Zeit, die einen kommen unten nach, die anderen gehen oben weg.“ Damit müsse man sich abfinden. Die Verzweiflungstat vom vergangenen Juli, als er in altersdepressiver Stimmung eine Waffe gegen sich richtete, ist für ihn kein Thema mehr – „das ist erledigt.“
An dieser Stelle wünscht unsere Redaktion Wolfgang Grupp zum 84. Wiegenfest alles erdenklich Gute. Er lieferte und liefert nicht nur „Geschichten“, er stand und steht auch bei Anfragen stets zur Verfügung. Was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.
Und wenn die Meinungen mitunter auseinandergingen, der abschließende Handschlag erfolgte immer.