Wolfgang Grupp war am Dienstagabend bei Bild TV. (Archiv) Foto: TRIGEMA

Trigema-Chef Wolfgang Grupp war bei Bild TV und der Sendung "Viertel nach Acht" zu Gast. Dort forderte er erneut ein Ende der Waffenlieferungen und übte Kritik an den USA. Für seine Thesen gab es bereits in der Runde reichlich Gegenwind.

Wolfgang Grupp spricht aus, was er denkt. Bereits in der Vergangenheit hatte der Unternehmer, der im April 2022 80 Jahre alt geworden ist, mehrfach die Beendigung der Waffenlieferung an die Ukraine gefordert. Als Fan der USA gilt Wolfgang Grupp ohnehin nicht.

In einem Interview mit unserer Redaktion erklärte er Ende Juni: „Ich bin kein Putin-Verteidiger, aber wenn aus besten Freunden, mit denen man jahrzehntelang bewusst einseitige Verträge abgeschlossen hat und sich somit abhängig gemacht hat, dann plötzlich Todfeinde werden, dann kann etwas sicher nicht stimmen.“

Und weiter: „Beendet werden kann der Krieg nur mit Diplomatie. Putin wird sich nicht besiegen lassen. Muss man jetzt noch Milliarden in den Krieg investieren, Zerstörung und tausende Tote in Kauf nehmen? Ich glaube nicht. Es ist an der Zeit zu versuchen, mit Diplomatie den Krieg zu beenden.“

Wolfgang Grupp erhält Gegenwind bei Bild TV

Bei bw24.de machte er sinngemäß kürzlich ähnliche Aussagen: „Ich verstehe nicht, dass man 20 Jahre mit Herrn Putin bestens befreundet ist, sich 100 Prozent abhängig macht und innerhalb von zwei Monaten ist man Todfeind! Das gibt es nicht. Da muss schon länger etwas geschehen sein! Ich behaupte, dass der Amerikaner im Hintergrund alles steuert, damit er alleine eine Weltmacht bleibt.“

Insofern war es nicht verwunderlich, dass er gleich zu Beginn der Sendung bei Moderatorin Nena Schink zu Wort kam und über den Ukraine-Krieg sprach. Grupp erklärte: "Wir müssen alles versuchen, um diesen Krieg zurückzufahren und einzustellen und nicht mit Waffen konstant zu verlängern." Auf die Nachfrage von FDP-Urgestein Rainer Brüderle, wie dies zu machen sei, entgegnete Grupp: "Wir müssen auch mit Amerika sprechen."

Kritik an den USA - Contra aus der Runde

Im weiteren Wortlaut warf Wolfgang Grupp den USA vor, dass diese alles versuchen würden, um den Krieg zu verlängern. "Die machen Geschäfte damit und wollen die Großmacht bleiben, daher soll auch Europa klein gehalten werden." Die Runde in der neben Schink und Brüderle noch Publizistin Birgit Kelle und Bild-Politik-Chef Jan Schäfer saßen, war mit diesen Aussagen jedoch nicht einverstanden.

Kelle erwiderte, dass die Amerikaner mehrfach auf die deutsche Abhängigkeit von Russland hingewiesen hätten. "Und man muss sagen, dass sie damit Recht hatten. Daher finde ich die Kritik nun etwas seltsam." Grupp stellte daraufhin klar: "Europa wird aktuell wirtschaftlich geschwächt, das ist Amerika definitiv nicht unrecht." Auch Brüderle und Schäfer schütteltem angesichts der Aussagen des 80-jährigen Trigema-Chefs gedanklich mit dem Kopf.

„Wolfgang Grupp liefert Anschauungsmaterial für Verschwörungstheorien“

Thorsten Benner, Direktor des Berliner Global Public Policy Institute (GPPi), ordnet die Aussagen im Gespräch mit buzzfeed.de ein: „Klischeehafter könnte man reflexhaften Antiamerikanismus nicht in eine Verschwörungstheorie packen, um von einem vermeintlichen Geheimplan hinter der russischen Invasion zu fabulieren.“

Wolfgang Grupp habe mit seinen Thesen „für den Politik-Unterricht perfektes Anschauungsmaterial für Verschwörungstheorien in der öffentlichen Diskussion geliefert“, so Thorsten Benner. 

Bild TV: FDP kommt schlecht weg

Zurück zum Auftritt bei Bild TV: In der Talkrunde wurde wegen der hohen Energie- und Produktionskosten auch deutliche Kritik an der Regierung - genauer gesagt der FDP geübt. Rainer Brüderle, Wolfgang Grupp und Birgit Kelle wurden aufgefordert, der Partei eine Note zu vergeben. Während sich Brüderle nicht äußern wollte, verteilte Kelle die Note "mangelhaft". Grupp meinte, er könne die Bewertung "durchaus verstehen". Man müsse aber auch berücksichtigen, dass die Demokratie die schwierigste Regierungsform sei, "erst recht mit drei Parteien an der Spitze".

Wolfgang Grupp formulierte abschließend den Wunsch nach einer Opposition, die nicht immer nur kritisiert: "Es gibt immer nur contra. Ich würde auch gerne mal von der Opposition hören: Das ist top." Ob dieser Wunsch von Grupp erfüllt wird, scheint zumindest zweifelhaft.