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Trickbetrug in Stuttgart Betrüger spielen die neuen Nachbarn

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Angeblich geht es um den Zuschnitt der Wohnung – doch die Gauner an der Wohnungstür haben ganz anderes im Sinn. Foto: Avanti

Stuttgart - „Guten Tag, wir sind die künftigen Nachbarn und wollten fragen, ob wir den Grundriss Ihrer Wohnung mit unserer vergleichen dürfen.“ – Mit Sätzen wie diesen funktioniert die relativ neue Betrugsmasche an der Wohnungstür. Dabei geht es den Tätern nicht um Grundrisse. Sondern um die Wertsachen, um Schmuck und Geld. Die Fälle stapeln sich beim Stuttgarter Kripodezernat für Einbruchsdelikte – und bisher gibt es von den Tätern keine heiße Spur.

Der jüngste Fall, mit dem sich die Ermittler um Dezernatschef Thomas Oesterwinter beschäftigen muss, wurde am Donnerstag angezeigt. Leider erst zwei Tage nach der Tat. Da war das Betrügerpaar längst über alle Berge. Eine 86-jährige Frau aus dem Stadtbezirk Mitte war von den beiden Tätern hereingelegt worden – und nun fehlt ein Goldarmband im Wert von 750 Euro.

Der Mann will die Wohnung „ausmessen“

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei klingelte es am Dienstag gegen 20 Uhr in einem Mehrfamilienhaus an der Hohenheimer Straße. An der Tür standen ein Mann und eine Frau, beide etwa 50 Jahre alt. Sie hätten im selben Haus eine Wohnung in einem anderen Stockwerk gekauft, erzählten sie in offenbar akzentfreiem Deutsch, und jetzt reagiere dort niemand auf das Klingeln. Dabei wollten sie doch nur die Räume ausmessen – ob man das freundlicherweise bei ihr machen dürfe? Schließlich seien die beiden Wohnungen ja baugleich.

Die 86-Jährige wollte den vermeintlich künftigen Nachbarn den Gefallen tun und ließ sie ein. In der Wohnung hatte sie gegen das Betrügerpaar keine Chance. Während die Frau ihr Opfer mit einem Gespräch ablenkte, konnte sich der Mann in der Wohnung frei bewegen – angeblich zum Ausmessen. Die vermeintliche Besichtigung, dauerte wohl eine halbe Stunde. Danach verabschiedete sich das Paar freundlich. Erst später, nach einem Gespräch mit einer Nachbarin über die angeblich neuen Wohnungskäufer, schöpfte die betroffene Frau Verdacht. Tatsächlich: ein Goldarmband war spurlos verschwunden. Am Donnerstag erstattete das Opfer Anzeige.

Weitere Fälle von Plieningen bis Weilimdorf

Womöglich sind die falschen neuen Nachbarn auch anderswo aufgetaucht: Der Mann soll eine leicht untersetzte Figur und eine hellbraune Lederjacke getragen haben. Die Frau soll lange dunkelbraune Haare haben, zur Tatzeit trug sie eine graue Wollmütze. Hinweise nimmt die Kripo über Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78 entgegen.

Ein Paar war es auch, das am 4. Dezember in Plieningen bei einem 82-Jährigen klingelte. Man interessiere sich für eine Wohnung in einer anderen Etage und wolle einen Vergleich haben, so der Vorwand. Bei der etwa halbstündigen Besichtigung ließe sich die Frau die Küche zeigen, derweil verschwand ein Umschlag mit 1000 Euro. Der Fall blieb ebenso ungeklärt wie der Auftritt eines Paars am 24. November in der Landhausstraße im Stuttgarter Osten. Auch dieses Duo wollte die Wohnung ausmessen, ließ dabei die Schmuckschatulle des 84-jährigen Opfers verschwinden. Eine diebische Besichtigung gab es auch am 20. Oktober im Krokodilweg in Weilimdorf, wo einer 79-Jährigen am Ende Schmuckstücke im Wert von mehreren Hundert Euro gestohlen wurden. Angefangen hatte alles Ende August, wo eine 88-jährige Frau im Stuttgarter Westen eine ganze Familie zu Besuch bekam – angeblich neue Mieter, die eine Mappe mit Geld aus dem Schlafzimmer erbeuteten.

Keine heiße Spur auch im Kreis Böblingen

Die Betrugsfälle werden von den Polizeipräsidien unterschiedlich aufzuklären versucht. Während es in Stuttgart zentrale Ermittlungen bei der Kripo gibt, sind beim Polizeipräsidium Ludwigsburg die jeweiligen Reviere in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen zuständig. „Die Fälle bei uns sind ungeklärt geblieben“, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn.

Auch hier das gleiche Muster: In der Ernst-Barlach-Straße in Sindelfingen behauptet ein Paar, im Nachbarhaus eine Wohnung gekauft zu haben und nun ein Vergleichsobjekt besichtigen zu wollen. Eine 76-Jährige bezahlt am 8. November ihre Gutmütigkeit mit dem Verlust von Geld und Schmuck. Der Fall ist als ungeklärt zu den Akten gelegt. Ähnlich verhält es sich mit Fällen am 19. Oktober in der Eugen-Bolz-Straße in Böblingen bei einer 79-Jährigen, am 4. September in der Jägerstraße in Böblingen bei einer 84-Jährigen und am 7. August in der Dresdner Straße in Sindelfingen bei einer 79-Jährigen. In allen Fällen entkamen die Täter mit Schmuck und Geld.

Leider gebe es wenig Ermittlungsansätze, sagt Widenhorn: „Vermutlich handelt es sich um durchreisende Täter.“ Da ist die Hoffnung groß, dass irgendwo in der Republik falsche neue Nachbarn erwischt werden – um dann eine ganze Serie klären zu können.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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