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Ratsmitglied soll laut Schreiben gar nicht in Triberg wohnen. Bürgermeister Strobel lässt Sachlage prüfen.

Triberg - Ein Schreiben eines Villinger Rechtsanwalts erreichte die Stadt Triberg. Im Auftrag eines Triberger Bürgers bittet er Bürgermeister Gallus Strobel um Auskunft über Georg Wiengarn. Dieser soll nicht in Triberg wohnen – damit wäre die Rechtmäßigkeit seines Gemeinderatsmandats in Frage gestellt.

"Wir werden die Sache prüfen und das Schreiben zu gegebener Zeit beantworten", sagte Strobel auf Anfrage unserer Zeitung. Er sei von dem Rechtsanwalt "höflich aufgefordert worden, sich bis 29. Juli zu äußern", doch er lasse sich keine Fristen setzen.

Rechtzeitig vor der jüngsten Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 habe man die Unterlagen Georg Wiengarns, der für die CDU kandidierte, wie die der weiteren Kandidaten geprüft, so wie es die Gemeindeordnung von Baden-Württemberg vorsehe. Laut dieser sind alle Bürger der Gemeinde wählbar, die Deutsche und Unionsbürger sind, das 18. Lebensjahr vollendet haben und seit mindestens drei Monaten ihre Hauptwohnung in der Gemeinde haben...

"Wiengarn ist mit seinem ersten Wohnsitz nach wie vor in Triberg in der De Pellegrini Straße 20, in der Schwarzwald Residenz, gemeldet, sonst hätte er nicht kandidieren können", betonte der Bürgermeister hörbar genervt. "Wenn er umgezogen wäre, hätte er es melden müssen. Das hat er bis dato nicht gemacht. Daher gehe ich nach wie vor davon aus, dass er seinen ersten Wohnsitz rechtmäßig in Triberg hat." Es gebe auch keinen Grund, weshalb er anzweifeln solle, dass Wiengarn nicht mehr hier, sondern, wie im Schreiben angedeutet, angeblich in Schonach wohne.

Wie Strobel weiter betont, befasst er sich mit "solchen Lappalien" ungern. "Es geht mir darum, die Stadt voranzubringen. Beispielsweise den geplanten Greifvogelpark und den Edeka-Markt ins Laufen zu bringen". Die diesbezüglich in jüngster Zeit gefassten Gemeinderatsbeschlüsse in Sachen laufendem Bebauungsplanverfahren "Naturerlebnis Triberg" sowie weitere Beschlüsse beispielsweise betreffs des Boulevard-Ausbaus oder des Gewerbegebiets Adelheid sind laut des Kritikers in Frage gestellt. Der Grund: Er bezweifelt, dass Wiengarn, seit seinem Nachrücken in das Triberger Gremium am 1. November 2015 noch in Triberg wohnt.

Erstaunt und irritiert über das Interesse an seinem Privatleben versicherte Wiengarn gegenüber unserer Zeitung, dass er rechtlich in dem von ihm in Triberg geführten Hotel in der De Pellegrini Straße 20 mit Erstwohnsitz angemeldet sei. Es sei zwar richtig, dass er einige Zeit in Schonach gemeldet war, als er drei Jahre im Haus seiner Eltern in der Konrad-Adenauer-Straße 12 wohnte. Danach sei er jedoch wieder nach Triberg umgezogen. Und das lange bevor er sich Gedanken darüber gemacht habe, auf der CDU-Liste für den Gemeinderat zu kandidieren. Seine Familie wohne hingegen nach wie vor in Schonach, informierte der zweifache Vater.

An den Triberger Ratstisch nachgerückt war Wiengarn aufgrund des Ausscheidens von Thomas Gniech. Dieser war in der letzten Oktobersitzung 2015 aus dem Gremium gerade wegen seines Umzugs in die Nachbargemeinde Schonach offiziell von Strobel verabschiedet worden. Als sein Nachfolger verpflichtete dieser in der Sitzung am 25. November Wiengarn, der als selbstständiger und in Triberg engagierter Hotelkaufmann bei der Gemeinderatswahl 561 Stimmen auf sich vereinigt hatte. Seit Herbst 2014 leitet Wiengarn den DRK-Ortsvserein Triberg-Schonach und seit Mai 2015 auch den CDU-Ortsverband der Wasserfallstadt. Er ist zudem aktives Mitglied beim Wirteverein Raumschaft Triberg, den er lange führte.