Dieter Stein Foto: Carle Foto: Schwarzwälder Bote

Heimat: Zwei Autoren kreieren ein lustiges Dialekt-Wörterbuch

Triberg. "Wir können alles außer Hochdeutsch!" Aber bitte, wer kann noch Alemannisch? Mit diesen beiden Sätzen beginnt das soeben frisch gedruckte und erschienene Heft "Alemannisch – Deutsch – 1000x Alemannisch".

Auf 32 Seiten veröffentlichen die beiden Autoren Ernst Obermaier und Dieter Stein ein neuartiges und unterhaltsames Konzept für ein Dialekt-Wörterbuch.

Etwa 1200 alemannische Wörter suchten der geborene Bayer und der Schwarzwälder Alemanne zusammen. Fündig wurden sie vor allem bei den Veröffentlichungen des verstorbenen Mundartdichters Walter Fröhlich aus Singen und Oskar Fleig aus Triberg.

Auch das hundertjährige Büchlein "Silwerdischtle" von August Ganther lieferte Wörter für die Seiten von A bis Z.

Zum Ergötzen der Leser beinhaltet das Werk auch einige Gedichte. Aus seinem Gedichtband "Steinreich" übersetzte Dieter Stein auch Verse ins Alemannische. Dazu kommen verschiedene Anekdoten. Selbst Goethe spricht hier Alemannisch. Vier gelungene und witzige Karikaturen des bekannten Triberger Grafikers Werner Oppelt tragen zur Erheiterung bei.

Akademischen Beistand holten sich die Schreiber bei der Autorentochter Sabine Obermaier, die als Professorin für Mediävistik mittelalterliche Sprachwissenschaft an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität lehrt.

Dieses Wörterbuch ist für Menschen mit Humor geschrieben und soll dazu beitragen, verschüttete und längst vergessene alemannische Ausdrücke wieder ins Gedächtnis zu rufen. Zusätzlich sind Neu­schöpfungen wie "Schwobaschorle", ein Mixgetränk aus Mineralwasser und Leitungswasser oder "Arschbackewetzer" für eine zu enge Hose, hinzugefügt. Dabei ist den Autoren bewusst, die hoch- und auch die niederalemannische Sprache im Sinne eines "Standard-Alemannischen" gibt es nicht. Bereits in einem nur wenige Kilometer weiter entfernten Nachbarort werden Dialekt-Wörter anders ausgesprochen.

Obermaier und Stein sehen dieses Wörterbüchlein als ihren Beitrag zur Erhaltung und Bewahrung der alemannischen Sprache. Verbunden mit der Hoffnung, Alemannisch soll neben dem Hoch­deutschen wieder mehr gesprochen werden.

Da bisher noch kein Verlag für die Herausgabe gefunden wurde, setzen die Autoren auf lokale Sonderausgaben. Besonders für Hotels ist dieses Büchlein als "Kopfkissenlektüre" für die Hotelgäste ein Sympathieträger, um Land und Leute besser kennenzulernen. Deshalb haben Manuela und Georg Wiengarn vom Hotel Schwarzwald Residenz in Triberg nun die Idee aufgegriffen und versuchsweise eine erste Auflage für ihr Haus produzieren lassen. Einen Teil hiervon machen Wiengarns jedoch der Öffentlichkeit zugänglich, und so sind die Broschüren ab Anfang November im Triberg-Land und in der Buchhandlung Schönenberger in der Wasserfallstadt – solange der Vorrat reicht – für fünf Euro erhältlich.

Bleibt zu hoffen, dass weitere Ausgaben dieses lesenswerten Wörterbuchs erscheinen, zur Förderung des Brauchtums und der alemannischen Sprache.