Kronen-Lichtspiele bieten Parsifal-Inszenierung als Liveübertragung auf der Leinwand / Sekt zur Begrüßung

Von Hans-Jürgen Kommert

 

Triberg/Bayreuth. Es gibt eine eherne Regel: Auf Tickets für die Wagner-Festspiele in Bayreuth liegt die Wartezeit bei etwa zehn Jahren. Und - das Ganze gibt es in der Regel nur als Arrangement mit Übernachtung und kostet richtig viel Geld.

Doch immer wieder gibt es auch in jüngerer Zeit andere Möglichkeiten, die Festspiele live mitzuerleben. Zum einen wird seit einiger Zeit in der Stadt selbst ein "Public Viewing" angeboten. Das aber setzt voraus, dass man direkt nach Bayreuth fährt und die horrenden Hotelpreise bezahlt, wenn man noch überhaupt ein Zimmer bekommt. Jetzt kam die Marketing-Maschinerie der Festspiele auf die Idee, erstmals in der Geschichte eine Live-Übertragung anzubieten, die in etwas mehr als 100 Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragen wurde.

"Wir haben das Glück, dass wir ausgewählt wurden", strahlten Margarete und Anton Retzbach am Samstag um die Wette. Sie seien zwar sicher nicht das kleinste Kino, in dem um 16 Uhr "Parsifal" übertragen wurde, doch "Triberg ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die kleinste Stadt, die ausgewählt wurde", zeigte sich Anton Retzbach sicher.

Der Saal war bei weitem nicht ausverkauft. Das Wetter zeigte sich endlich einmal super, aber es war richtig tolles Schwimmbadwetter. Außerdem war das Angebot "Parsifal" sicher eines der schwersten Werke, die man bei Wagner erleben kann. Rund fünf Stunden erklingen die düsteren, schweren Noten, doch jeweils eine Stunde Pause zwischen den drei Akten lockerte alles etwas auf. Da aber im Kino während der Pausen noch ein wirklich einmaliger Blick hinter die Kulissen ermöglicht wurde, waren hier die Pausen deutlich kürzer. Dafür war durch die digitalisierte Darstellung das Erlebnis sicher einmalig. Die etwa 50 Besucher waren zumindest begeistert.

Vergangenes Jahr unglaubliches Glück

"Wir hatten im vergangenen Jahr das unglaubliche Glück, dass wir durch einen Freund die Möglichkeit erhielten, die Festspiele selbst zu besuchen", erzählten Margarete Becker-Klass und Karin Eppinger aus Villingen. Die eine ist Germanistin, die andere Musikerin, daher sind beide an Wagner sehr interessiert. Sie wussten natürlich, was mit "Parsifal" auf sie zukommt. In Bayreuth selbst hatten sie "Tristan" erleben dürfen, sicherlich leichter verdaulich als die Geschichte des "reinen Toren" Parsifal und des Gralskönigs Amfortas, der schwer verwundet wurde durch den heiligen Speer.

Begeistert von persönlicher Geste

Sie empfanden schon den Empfang in Triberg toll: Mit einem Glas Sekt oder Sekt- Orange wurden sie erwartet. Gelesen hatte Karin Eppinger im Schwarzwälder Boten über das Kino-Angebot. Und sie waren begeistert von der sehr persönlichen Begrüßung. "Durch dieses Angebot hat man Gelegenheit, Bayreuth und die Festspiele vielleicht noch intensiver erleben zu können als vor Ort", waren sich die Freundinnen einig.

Auch Klaus Peter Karger zeigte sich begeistert. Johannes und Charlotte Probst waren ebenfalls nach Triberg gefahren. "Ich finde es sehr schade, dass Karten auf Jahre hinweg nicht erhältlich sind", erklärte der Mediziner und engagierte Hobby-Musiker. Hier habe er Gelegenheit, praktisch hautnah dabei zu sein. "Musisch und kulturell Interessierte können hier das Flair und die Atmosphäre auf dem Grünen Hügel erleben", zeigte er sich überzeugt.

Als nächstes klassisches Projekt kommt in Triberg eine ganze Reihe verschiedener Inszenierungen aus New York von der berühmten Metropolitan Opera auf die Leinwand. Nachdem die Übertragungen aus dem Bolschoi-Theater beendet sind, hat sich das Ehepaar Retzbach für diese Klassik-Übertragungen entschieden, die am 13. Oktober mit "L´Elisir D´Amore“ von Gaetano Donizetti beginnen.