Das Stammhaus der Triberger Uhrenfabrik Hubert Herr, die zum 30. April die Tore schließen musste. Foto: Kommert

Insolvenzverfahren bei Traditionsbetrieb eröffnet. Kunden stornieren Aufträge.

Triberg - Seit vergangenem Freitag ist die traditionsreiche Uhrenfabrik Hubert Herr in der Wasserfallstadt Geschichte. Das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Unternehmens wurde mit Beschluss des Insolvenzgerichts am Amtsgericht Villingen-Schwenningen eröffnet.

Bis dahin wurde der Betrieb seit dem 20. Februar im sogenannten "vorläufigen Insolvenzverfahren" fortgeführt. Die Insolvenzverwalterin leitete einen Interessentenprozess ein, es habe mit mehreren Kaufinteressenten Gespräche gegeben, Besichtigungstermine wurden durchgeführt.

Insgesamt habe man laut der Insolvenzverwalterin, der Rechtsanwältin Christiane Marx von der Villinger Kanzlei Schleich und Kollegen, eine sehr positive Rückmeldung mit guten Ansätzen und Konzepten für die Weiterführung des Geschäftsbetriebs erhalten.

Interessenten sagen ab

Allerdings hätten dann, aufgrund der Entwicklungen infolge der Corona-Krise, zwischenzeitlich alle Kaufinteressenten abgesagt. Da die Tourismus-Branche, der auch die Schwarzwälder Uhrenmanufakturen zuzurechnen sind, durch die derzeitigen Einschränkungen erheblich betroffen ist, könnten die Interessenten nach Angaben der Anwältin zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Verpflichtungen eingehen. 

 Im Verlauf des vorläufigen Insolvenzverfahrens hätten zudem eine Vielzahl von Kunden aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation ihre Bestellungen storniert oder zurückgestellt. So konnten bereits im vorläufigen Insolvenzverfahren die geplanten Umsätze nicht erreicht werden. "Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, die insbesondere die Tourismusbranche erheblich trifft, ist eine Fortführung des schuldnerischen Geschäftsbetriebs nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens unter der vollen Kostenlast nicht ohne Verlust möglich. Vor diesem Hintergrund wurde der Geschäftsbetrieb des über 200 Jahre alten Familienbetriebs zum 30. April eingestellt sowie sämtliche Arbeitsverhältnisse gekündigt und die Mitarbeiter von ihrer Arbeitsleistung freigestellt", teilte Rechtsanwältin Christiane Marx auf Anfrage unserer Zeitung mit. Insgesamt 17 Mitarbeiter seien betroffen, hiervon seien acht Vollzeit- und fünf Teilzeitangestellte sowie vier geringfügig Beschäftigte.

Ebenfalls betroffen ist die Hubert Herr GmbH, für die Christiane Marx’ Kollege Florian Götz als Insolvenzverwalter bestellt ist. Allerdings handelt es sich bei dieser Gesellschaft um die Komplementärin der Triberger Hubert Herr Uhrenfabrik und Holzschnitzereien GmbH & Co. KG, die keinen Geschäftsbetrieb unterhielt.

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