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Triberg Scheffels Werke als "Kugelfang" im Bücherschrank

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Band 3 der Werke Joseph Victor von Scheffel, in dem der Querschläger stecken blieb. Foto: Archiv Oppelt Foto: Schwarzwälder Bote

Triberg. Frühjahr 1945. Der lang ersehnte Friede war dabei, ins Land zu ziehen und die französische Besatzungsmacht näherte sich in langen Konvois, dem Kinzig- und Gutachtal folgend, unserem Heimatstädtchen.

Ein motorisierter Wagenpark war Mangelware bei den Franzosen, und so bestand ein großes Kontingent des Zuges aus Fuhrwerken, meist Maultieren im Vorspann, Offiziere ritten zu Pferd.

Zwangsrekrutierte Marokkaner bildeten den Löwenanteil des marschierenden Fußvolkes, und als die Kolonne den Ortsteil Schonachbach erreichte, kam es zu einem Zwischenfall, den die Geschwister Fell aus dem ehemaligen Hotel Zum Bachjörg wie folgt schilderten: "Die Franzosen zogen mit ihren Pferde- und Maultiergespannen, begleitet von einigen Motorrädern und Militärfahrzeugen, an unserer Gastwirtschaft vorbei. Plötzlich ertönte ein lauter Knall, der seinen Ursprung am oberhalb gelegenen Bahngelände hatte. Den Kutscher eines mit vier Mulis gezogenen Gespannes traf ein schweres Geschoss, welches ihm den Kopf vom Rumpf abtrennte. In aufrechter Haltung, die Zügel fest in den Händen, lenkte der Getroffene das Fuhrwerk zum Entsetzen aller noch wenigstens 100 Meter Richtung Triberg, ehe das Opfer schließlich seitlich vom Sitz kippte. Dass durch solche Vorfälle die Besatzer unter ständiger Nervosität und Anspannung litten, war nicht weiter verwunderlich.

So löste sich, wohl eher unabsichtlich, vor dem erlösenden 8. Mai 1945 ein Schuss an der Friedrichstraße in Triberg. Frau Maria Trefzger (Locher), zuletzt wohnhaft am Kapellenberg, dokumentierte diesen Zwischenfall direkt auf dem Objekt, in dem sich der Maschinengewehr-Irrläufer verfangen hatte: "Kugel beim Einmarsch 1945 der französischen Truppen von der Ecke Eisele-/Friedrichstraße. Durch das Erkerzimmerfenster, eine Scheibe des Bücherschrankes eingeschossen, blieb im Band 3 der Scheffelwerke stecken (Maria Trefzger)."

Die sechsbändige, leinengebundene Buchreihe ist in einem Schuber untergebracht, das Projektil drang zwei Zentimeter in den Buchrücken ein und schob, wie aus der Abbildung ersichtlich, die innenliegenden Seiten um weitere sechs Zentimeter zusammen. Das konische, 16 Millimeter lange Geschoss hat einen Durchmesser von zehn Millimeter und wurde durch den Einschlag eiförmig deformiert. Der Bleikern wird mit einem millimeterdicken Messingmantel umhüllt.

Die Marokkaner bezogen wohl Quartier am Amtshausweg im ehemaligen Forsthaus (später Schönen und Eisele). Ihre Maultiere waren zum Teil an den Bäumen im Kurgarten festgebunden. Von der Triberger Bevölkerung wurden die verwegen aussehenden Afrikaner als überwiegend freundlich und hilfsbereit beschrieben. So stellt der noch erhaltene Scheffel-Band mit dem Einschuss eine interessante Episode zum Kriegsende in Triberg dar.

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