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Triberg Landtagspräsidentin besucht Schulklasse

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Da hören auch Schulleiter Oliver Kiefer (rechts) und Gemeindeverwaltungsverbands-Geschäftsführer Alexander Kutzner interessiert zu, wenn Landtagspräsidentin Muhterem Aras ihre Geschichte erzählt. Foto: Kommert

Triberg - Da waren sie schon stolz über den hohen Besuch, Schulleiter Oliver Kiefer genauso wie die Gemeinschaftskunde-Lehrerinnen Meike Stommer und Muriel Jellinek. Denn die elfte Klasse mit Neigungsfach Gemeinschaftskunde hatte Landtagspräsidentin Muhterem Aras eingeladen.

Und: Die Elftklässler des Schwarzwald-Gymnasiums bekamen tatsächlich eine Zusage von der Landtagspräsidentin Muhterem Aras aus dem Landtag Baden-Württemberg. Im Rahmen des Programms "Schulbesuch vom Landtag" kam die Politikerin nun zu einem Gespräch mit den Schülern. 

Einblick in ihr Leben

Eigentlich hatte sich auch Bürgermeister Gallus Strobel angemeldet, ein wichtiger Auswärtstermin hielt ihn jedoch ab. Gekommen waren die Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Schwarzwald-Baar, Martina Braun (Grüne) sowie der Geschäftsführer des Gemeindeverwaltungsverbands (GVV), Alexander Kutzner. Entschuldigt waren auch die Bürgermeister aus Schonach und Schönwald, Jörg Frey und Christian Wörpel. Die "Frau Präsidentin", wie laut Oliver Kiefer die offizielle Anrede ist, freute sich über das Interesse der Schüler und gab einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben. Sie erklärte, warum sie die Schlagzeilen anlässlich ihrer Wahl zur Landtagspräsidentin gestört hatten. "Erste Muslimin an Landtagsspitze" habe es 2016 geheißen – was sie als falsch interpretierte. "Ich bin als Kurdin geboren und bin nicht praktizierende Alevitin", stellte sie klar.

In Ostanatolien geboren

Sie sei in Ostanatolien geboren und mit vier Geschwistern dort aufgewachsen, in einfachen Verhältnissen. Der Vater sei nach Deutschland gegangen als Gastarbeiter. Er habe die Familie im Jahr 1978 nachgeholt. Ihr Vater habe erklärt, sie könnten in Deutschland fast alles erreichen, wenn sie nur gute Schüler würden – "und er hat ein Belohnungssystem für gute schulische Leistungen aufgebaut", blickte sie zurück.

Ohne ein Wort Deutsch zu können, sei sie in die fünfte Klasse einer Hauptschule gekommen. Und die erste Schulstunde sei Mathematik gewesen. "Rechnen ist international", weiß sie noch heute – und plötzlich durfte sie die Aufgabe an der Tafel vorrechnen. "Meine Mitschüler haben mich buchstäblich an der Hand genommen und so fiel mir die Integration nicht schwer", betonte sie. Am Ende habe sie dank des Belohnungssystems ihres Vaters als Schulbeste abgeschlossen.

"Ich durfte eigentlich alles, solange meine Noten stimmten, sogar einen Tanzkurs habe ich mitgemacht", erinnerte sie sich. Nach der Hauptschule habe sie die Wirtschaftsschule und das Wirtschaftsgymnasium besucht, nach dem Abitur Wirtschaftswissenschaften studiert und eine Steuerberatung eröffnet.

Direktmandat erzielt

Sie sei zunächst für Bündnis 90/Die Grünen als Lokalpolitikerin tätig geworden und später habe sie 2011 für den Landtag kandidiert. Mit einem sehr guten Ergebnis sei sie im Direktmandat gewählt worden, zunächst als einfache Abgeordnete. 2016 wurde sie mit dem besten Ergebnis aller Abgeordneten zum zweiten Mal in den Landtag gewählt, wonach sie sich entschloss, als Mitglied der stärksten Fraktion als Landtagspräsidentin zu kandidieren.

"Die Arbeit als Landtagspräsidentin verlangt höchste Konzentration", räumte sie ein. Daher wechsle sie sich etwa im Zwei-Stunden-Rhythmus mit ihrer Stellvertreterin Sabine Kurtz in der Sitzungsleitung ab. "Die Sitzungen sind in den letzten beiden Jahren schwieriger und anstrengender geworden", zeigte sie auf. So habe es in der letzten Regierungsperiode keinen einzigen Ordnungsruf gegeben – in den ersten beiden Jahren der laufenden Periode bereits sechs und sogar einen Sitzungsausschluss. "Der Ton ist derzeit einfach rauer", nannte die Politikerin Gründe. Und, sie sei recht viel unterwegs, am Morgen sei sie zuvor schon am Schramberger Gymnasium gewesen. Dabei brach sie eine Lanze für das deutsche Grundgesetz, es sei ihrer Meinung nach das Beste der Welt.

Unter der Moderation von Philipp Saier und Dominik Blum hatten die Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen. So wollten sie wissen, welches die meistdiskutierten Themen seien. "Im Grunde geht es in irgendeiner Form meistens um Bildung, auch mit der Digitalisierung, das sind Kernkompetenzen der Länder", kam die Antwort. Aber auch der ländliche Raum, Gesundheit und innere Sicherheit seien viel besprochene Themen.

Anteil bei 25 Prozent

"Raten sie Frauen, in die Politik zu gehen", wollte eine Schülerin wissen. Natürlich, so Aras, denn der Frauenanteil sei mit weniger als 25 Prozent doch arg mager. Doch, so die Antwort auf eine tiefer gehende Frage, sollte man zunächst eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren und nicht darauf vertrauen, direkt in die Politik zu gehen.

Überparteiliche Aufgaben

Was halten Sie von der AfD, fragte ein Schüler sehr direkt. "Ich vertrete als Landtagspräsidentin alle Fraktionen. Und die Mitglieder der AfD sind zunächst demokratisch gewählt", betonte die Grünen-Politikerin. Manchmal allerdings vermisse sie etwas den Respekt vor dem Amt.

Viele weitere Fragen, beispielsweise zu G8 oder den Ganztagsschulen hatten die Schüler vorbereitet, die die Landtagspräsidentin Muhterem Aras geduldig beantwortete, soweit sie Bescheid wusste. Dann aber war die Zeit abgelaufen und die sympathische Frau musste zum nächsten Termin weiterfahren.

 
 

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