Ein Stachel im Fleisch Tribergs und in der Haut derer, die Touristen in die Wasserfallstadt holen wollen. Das Hotel Wehrle, steht leer. Ein Investor wird immer noch gesucht. Foto: Börsig-Kienzler

In Triberg ist das Thema Ferienwohnungen zum Reizthema geworden. Jetzt spricht der Unternehmer Thomas Weisser und will einiges gerade rücken.

„Uns sind in Triberg in den vergangenen Jahren rund 250 Gästebetten einfach weggebrochen“, sagt der Triberger Stadtmarketingleiter Nikolaus Arnold mit fast dramatischem Ton in der Stimme. Der rührige Mitarbeiter der Wasserfallstadt, dem fast in jedem Jahr etwas Neues einfällt, um den Wirtschaftsfaktor Tourismus in seinem Städtchen am Laufen zu halten – auch er scheint gegen manches Unbill einfach machtlos zu sein.

 

Nikolaus Arnold kann die Hotels und Beherbergungsbetriebe, die in den vergangenen Jahren in Triberg ihre Türen einfach für immer geschlossen haben in einer Reihe aufzählen. Aus den unterschiedlichsten Gründen haben sie dicht gemacht. Sie fanden keine Service-Mitarbeiter mehr, die Nachfolge war nicht geregelt, weil die Kinder der Inhaber den Betrieb nicht übernehmen wollten oder das Unternehmen geriet innerhalb kurzer Zeit und selbst für Mitarbeiter und Gäste unerwartet, in die wirtschaftliche Schieflage.

Wo Gästebetten fehlen, könnte das Kassenklingeln bald leiser werden

Das Fehlen so vieler Gästebetten – es könnte sich alsbald auch in den Kassen anderer Unternehmer bemerkbar machen. Denn was ist eine Touristenhochburg ohne ihre vielen stillen Kämmerlein? Vor diesem Hintergrund findet der Triberger Unternehmer Thomas Weisser vom „Haus der 1000 Uhren“ jetzt deutliche Worte.

Er hat die jüngste Diskussion im Triberger Gemeinderat um die Ferienwohnungen und die Kritik der Gemeinderäte daran, dass Häuslebauer und Sanierer immer mehr Ferienwohnungen nach dem Muster von Airbnb ausweisen wollen genau verfolgt.

Thomas Weisser, ganz rechts, ist ein Triberger Urgestein und bekam für seinen Einsatz zusammen mit Rainer Huber, links, die Bürgermedaille von Gallus Strobel, mitte, verliehen. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Er und seine Tochter sind rührig dabei, den indischen Markt zu erschließen, Tribergs landschaftliche und traditionsreiche Reize inklusive des Bollenhutes, der Kuckucksuhren, des Wasserfalles und der Wälder in den höchsten Tönen anzupreisen. Sie reisen unter hohem persönlichen Einsatz nach Indien und lotsen Gäste um den halben Globus. Aber: „Uns gehen hier die Optionen aus, diese Gäste dann auch unterzubringen“, sagt Weisser kopfschüttelnd. Kein Zweifel, die Diskussion im Triberger Gemeinderat hat den Unternehmer und einstigen Mitorganisator des Triberger Weihnachtszaubers verärgert. Denn auch beim Ferienwohnungsthema gibt es schließlich die andere Seite der Medaille.

Ginge es nach dem Inhaber des „Hauses der 1000 Uhren“, müssten die Gemeinderäte vor dem Hintergrund des Hotelsterbens nicht nur wenigstens die Ferienwohnungen à la Airbnb zulassen, sondern – so Thomas Weissers Meinung – sollte sich die Stadtverwaltung auch proaktiv darum kümmern, verlassene Wohnhäuser auf Triberger Gemarkung und in der Innenstadt dem Tourismus wieder zur Verfügung zu stellen. Und auch er kann Leerstand in und rund um seine Heimatstadt in einer Reihe aufzählen.