Mit einem Tag Verspätung springen die Triathleten in das Wasser der Seine. Der Fluss war zuvor bei mikrobiologischen Proben durchgefallen und wurde als zu dreckig bewertet. Die Entscheidung, zu verschieben, trifft in der Ortenau auf Zustimmung. Foto: Ghirda

Erst mit einem Tag Verspätung gingen die Herren beim Olympischen Triathlon an den Start. Das Wasser der Seine war zu verschmutzt. Triathleten der Region beziehen Stellung.

Der Altdorfer Jochen Lehmann von der LG Geroldseck Lahr hatte auf der Arbeit nicht die Gelegenheit, über die ganze Distanz mit den Athleten in Paris mitzufiebern. „Ich habe mehr von dem Damenwettkampf gesehen und hatte ansonsten den Liveticker im Blick“, so der 40-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Laura Lindemann hatte sich sicher mehr als Platz acht erhofft. Bei den Herren kann ich Platz 18 von Tim Hellwig nicht klar einordnen“, so die sportliche Analyse des Ironman-Teilnehmers aus Altdorf zu den beiden besten Deutschen im Wettkampf.

 

Dass aufgrund der zu hohen Werte nach den mikrobiologischen Proben die Herren erst einen Tag später in die Seine sprangen, ist für Lehmann absolut richtig. „Das Warten war nachvollziehbar. Sauberes Wasser ist für den Gesundheitsschutz unerlässlich. Auch im Amateurbereich sind solche genauen Proben üblich, denn man schluckt viel Wasser während dem Wettkampf. Ich bin also auch nicht in dreckigen Gewässern unterwegs gewesen“, erklärt Lehmann. „Für das Tempo oder die Schwimmlage macht dreckiges Wasser allerdings keinen Unterschied.“

Der Offenburger Jörg Scheiderbauer, in seiner Altersklasse selbst noch beim Triathlon dabei und Trainer des racextract-Teams, macht den deutschen Athleten ebenfalls keinen Vorwurf, es nicht unter die Topplätze geschafft zu haben. „Das Ergebnis ist hervorragend. Eine Medaille wäre sensationell gewesen, denn die Leistungsdichte ist enorm. Mehr ist für Deutschland gerade nicht möglich“, hält der 47-Jährige, 2021 Triathlon-Europameister über die Mitteldistanz, fest. Er hat sich den ganzen Wettkampf angeschaut.

Duathlon wäre keine Alternative gewesen

Die Entscheidung für die Verlegung der Herrenwettkampfes aufgrund der mikrobiologischen Proben findet er „super“. Ein besonderes Lob habe sich der Veranstalter dafür verdient, dass ein Doppelstart so reibungslos organisiert wurde. „Gesundheitliche Probleme von Athleten im Nachgang wären der schlimmstmögliche Fall gewesen. Einen Magen-Darm-Infekt kann man sich im dreckigen Wasser durchaus einfangen.“

Im Vorfeld des Wettkampfes wurde auch diskutiert, das Schwimmen ausfallen zu lassen und einfach einen Duathlon zu starten. „Das hätte ich sehr bedauerlich gefunden. Schwimmen gehört einfach dazu“, so Scheiderbauer, der daran erinnert, dass es die genauen Tests der Wasserqualität erst seit wenigen Jahren gibt. „Da, wo in Peking 2008 noch geschwommen wurde, dürfte heute keiner mehr ins Wasser.“