Mit dem Frühjahr nimmt auch die Bärlauch-Saison an Fahrt auf. In Hechingen gibt es unter anderem am Albtrauf ganze „Bärlauchteppiche“. Stadtförster Jürgen Baumer erklärt, was es beim Sammeln der Trendpflanze zu beachten gilt.
Wer derzeit im Wald unterwegs ist, kennt den typischen Knoblauchgeruch: Die Wildpflanze Bärlauch sprießt wieder aus dem Boden. Wer für den Eigenbedarf sammeln möchte, wird auch in Hechingen vielerorts fündig – sogar mitten in der Stadt, wie Hechingens Stadtförster Jürgen Baumer berichtet.
Denn: Auch im Fürstengarten wächst Bärlauch. Dazu kommt die Trendpflanze, die durch die Corona-Pandemie einen Boom erfahren hat, an vielen Stellen rund um die Burg Hohenzollern vor. Nicht zuletzt auch im Bereich der Schlattemer und Beurener Heide am Albtrauf, wo Baumer unserer Redaktion ganze sogenannte Bärlauchteppiche zeigt. „Durch die Pandemie haben viele Menschen die Natur wiederentdeckt“, weiß auch Jürgen Baumer. Seither werde vermehrt Bärlauchpesto oder -butter selbst zubereitet.
Wer den Frühblüher sucht, wird im Bereich nasser, tiefgründiger Böden in Laub- oder Mischwäldern häufig fündig. Kalkreiche Gegenden in der Nähe von Flussläufen seien daher optimal. Weniger mag der Bärlauch die meist bemoosten, schattigen Fichtenwälder, wo er daher auch seltener vorkomme, erklärt Stadtförster Baumer.
In Flussgebieten mag es der Bärlauch
Wenn Bärlauch, der auch als Heilkraut gilt, in der Natur vorkommt, dann meist in Massen. Man spricht im Umgangston auch von Bärlauchwiesen. Eben solche gibt es auch am Hechinger Albtrauf in Schlatt. Baumer bezeichnet den Bereich seines Reviers gerne auch als „ökologische Schatzkiste Hechingens“, sind dort doch unter anderem seltene Vogelarten heimisch. Auch ein Projekt der Biotopverbundplanung zur Bereitstellung von Lebens- und Überwinterungsquartieren für Kreuzottern und deren Vernetzung treibt Baumer dort voran. Er betreut zurzeit zudem die Stelle des Klimaschutzmanagers.
Wichtig für Bärlauchsammler ist zu beachten, dass dieser lediglich in haushaltsüblichen Mengen geerntet werden darf. Für die kommerzielle Nutzung, beispielsweise in der Gastronomie, bedarf es einer Genehmigung. „Dass Bereiche im Wald flächig abgeerntet wurden, ist aber auch noch nicht vorgekommen“, informiert Baumer weiter. Er empfiehlt, pro Strauß nur ein oder zwei Blätter mitzunehmen. Dieser schonende Umgang trage dazu bei, dass der Bärlauch-Standort erhalten bleibt. Je nach Wetter, kann die Pflanze von Mitte März bis in den Juni geerntet werden. Sobald die Temperaturen steigen, drohen die Blätter jedoch welk zu werden und der Geschmack lässt nach. In Naturschutzgebieten wie der Beurener Heide auf Hechinger Gemarkung darf die Pflanze nicht gepflückt werden.
Vorsicht: Bärlauch nicht mit Maiglöckchen verwechseln
Aufpassen beim Sammeln ist auch hinsichtlich der Ähnlichkeit des Bärlauchs mit dem giftigen Maiglöckchen angesagt. Charakteristisch für Bärlauch ist sein dreieckiger Stengel. Dazu kommt pro Stengel nur ein Blatt aus dem Boden. Die Blätter des Maiglöckchens sind typischerweise als eine Art Strauß ineinandergerollt. Weiteres Unterscheidungsmerkmal: Die Blattunterseite des Bärlauchs ist matt, die des Maiglöckchen glänzend, erklärt Experte Baumer.
Dass der Bärlauch durch den Klimawandel in Süddeutschland künftig zurückgedrängt wird, glaubt Baumer nicht. Angesichts der zunehmenden Wasserknappheit sei es aber möglich, dass einzelne Standorte teilweise wegfallen. Doch: Bärlauch sei robust. Auch mit einem möglichen späteren Frost im Frühjahr komme die Pflanze gut zurecht.
Das Frühjahr ist für den Waldzustand entscheidend
Hoffnung auf Niederschlag
Stadtförster Jürgen Baumer hofft auf ein nasses Frühjahr. Zwar habe es einige Niederschläge gegeben. Doch die Böden seien noch nicht so gut mit Wasser versorgt. Für die nun anlaufende Vegetationsperiode sei Wasser aber besonders wichtig.
Neupflanzungen für Sturm
In Hechingen stehen unter anderem Neupflanzungen auf Sturmflächen an. Sorgen macht sich Baumer hinsichtlich des Borkenkäfers. Ein später Frost würde diesen zurückdrängen, sei aber wiederum schlecht für die Obstbäume in Blüte.