Rekordinvestitionen trotz Krise? Dieses Verhalten der Stadt Nagold könnte man kritisch sehen. Muss man aber nicht, findet der Autor dieser Glosse. Denn mit der Zeit kommt Geld.
Ach, Stadt sollte man sein. Also aus finanzieller Sicht. Während unsereins bei zu knappem Kontostand den Gürtel enger schnallt, reagiert die Stadt Nagold mit dem exakten Gegenteil. Sie lässt es jetzt so richtig krachen.
„Antizyklisches Verhalten“, nennt sich das. Und wie alles, was Nagold in die Hand nimmt, kann die Stadt auch das so richtig gut. 2026 plant sie satte 29 Millionen Euro in Bauprojekte zu investieren. So viel wie nie zuvor.
Als Nagolder Normalbürger könnte man das kritisch sehen. Muss man aber nicht! Wer das städtische Finanzgeschehen in den vergangenen Tagen verfolgt hat, der muss zwangsläufig zu einem anderen Schluss kommen: Die im Rathaus wissen ganz genau, was sie tun. Das hat alles System. Da steckt ein Plan dahinter!
Plötzlich sieht die Finanzlage der Stadt schon besser aus
Unaufgeregt das Zahlenwerk fortzuschreiben – damit feiert die Stadt Nagold nämlich aktuell bemerkenswerte Erfolge. Nur eine Woche, nachdem Nagolds Finanzbürgermeister Hagen Breitling den Haushaltsplan für das Jahr 2026 in den Gemeinderat eingebracht hatte, befasste sich auch der Technische Ausschuss mit dem Zahlenwerk. Und siehe da: Plötzlich sah die Finanzlage der Stadt schon besser aus.
Die Verwaltung informierte, dass sich die Zahlen für den Haushaltsplan noch mal verändert hätten. Ging man bei der Einbringung noch davon aus, dass der Etat mit einem Minus von 12,8 Millionen Euro abschließt, so lag dieses Minus jetzt nur noch bei 10,4 Millionen Euro.
Da ist man doch gewillt, der Verwaltung zuzurufen: „Weiter so!“
Mehr als zwei Millionen Euro in einer Woche? Sapperlot – da ist man doch gewillt, der Verwaltung zuzurufen: „Weiter so!“ Und vor allem: lasst Euch Zeit. Man muss nun wirklich kein großer Mathematiker sein, um folgende Berechnung anzustellen: Knapp zwei Wochen sind es noch bis zum Haushaltsbeschluss – und hält der aktuelle Trend der vergangen Tage an, gut möglich, dass dann noch weitere vier bis fünf Millionen Euro an Verbesserungen drin sind.
Diesen Lauf gilt es mitzunehmen, im Optimalfall sogar zu verstärken. Und wer sagt eigentlich, dass Nagold den Haushaltsbeschluss noch in diesem Jahr fassen muss? Richtig, niemand.
„Antizyklisches Verwalten“ ist angesagt
Zeit ist Geld. Also gilt es, die Verwaltung explizit darauf zu trimmen, dass sie sich ordentlich viel Zeit lässt beim Weiterplanen der Haushaltszahlen. „Antizyklisches Verwalten“ ist angesagt. Oder wie wir Fachmänner sagen: „Achtsames Haushalten“.
Und wer weiß, wenn wir den Etat einfach noch ein paar Wochen ruhen lassen, ob er sich dann nicht sogar noch von selbst ausgleicht. Wir kennen das von gutem Rotwein, der wird mit der Zeit ja auch immer besser.
Ein ausgeglichener Haushalt in diesen Zeiten – das wäre doch mal ein echtes Nagolder Alleinstellungsmerkmal! Oder um es mit einem von OB Großmanns aktuellen Lieblingswörtern zu sagen: Das wäre halt schon „crazy“!