Das neue Präsidium der ENV BW mit den ausgeschiedenen Mitgliedern, die zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden: Berthold Schneider (von links), Alwin Staiger, Michael Baumann, Michaela Schneider, Martin Mauch, Gesine Hesse und Daniel Boon. Foto: Herzog

Das neue Präsidium der Europäischen Narrenvereinigung Baden-Württemberg (ENV BW) ist fest in Kreis- und Schwäbischer Hand.

An der Spitze steht nun „Baronenstolz“ Alwin Staiger aus Lackendorf. Überrascht zeigte sich Bürgermeister-Stellvertreter Werner Thimm, ein Grußwort zu sprechen. Unvorbereitet löste er diese Aufgabe mit Bravour. Die Versammlung „uffm“ Hardt finde zu ungewöhnlicher Jahreszeit statt. Doch derzeit gehe es weltweit närrisch zu „und der größte Narr sitzt in den USA“, war Thimm Beifall sicher.

 

Landtagsabgeordneter Daniel Karrais (FDP) sagte den Narrenvereinen Unterstützung beim Abbau von Bürokratie für Fasnetveranstaltungen zu. Viel schneller als bei der Papstwahl stieg bei der Hauptversammlung der ENV BW in der Arthur-Bantle-Halle weißer Rauch auf. Die Idee der gastgebenden Katzenzunft kam bei den rund 200 Narrenfreunden bestens an.

Zwei Holzäpfel gewählt

Nachdem es mit dem bisherigen Vize-Präsidenten Alwin Staiger (Baronengilde Lackendorf) nur einen Kandidaten für den scheidenden Chef Berthold Schneider (Wyhl) gab, war die Wahl schnell erledigt. Neuer Vize-Präsident ist Michael Buschmann (Narrenzunft Irslingen). Martin Mauch (Holzäpfelzunft Dunningen) löste Generalsekretärin Michaela Schneider (Wyhl) ab, neuer Schatzmeister für Gesine Hesse (Forchheim) wurde Daniel Boon (Hagenhenker Beffendorf) und zum Protokollführer wurde Karl Storz (Dunningen) gewählt. Das neue Präsidium sowie der scheidende Präsident wurden mit minutenlangem Beifall überschüttet.

186 Vereine sind Mitglied

Nach Auskunft von Generalsekretärin Michaela Schneider gehören 186 Vereine und 58 Einzelmitglieder der FEN BW an. In seinem letzten Bericht sprach Berthold Schneider von einer Ehre, die ENV BW seit der Gründung 2010 geleitet und mit den Vereinen die Entwicklung vorangetrieben zu haben.

Im vergangenen Jahr habe es nur zwei Neuaufnahmen gegeben, weil der Ausschuss Brauchtum neue Zielvorstellungen verfolge. Die Bewerber würden genau betrachtet, ob sie der örtlichen Fasnet würdig seien oder sich als Partyvereine entpuppten. Bei Umzügen sei Qualität wichtiger als Quantität. Jeder Verein sollte sich eine Obergrenze für die Anzahl von Umzugsteilnehmern setzen. „Es macht keinen Sinn, wenn ein Umzug über 100 Gruppen zählt und die letzten 15 Zünfte ungeordnet mit heimgehenden Besuchern marschieren“, stellte er klar.

In seiner ersten Amtshandlung als ENV-Präsident schlägt Alwin Staiger Hans-Peter Singler von den „Simsengräbsler“ Hofstetten aufgrund hervorragender Verdienste um die Brauchtumsfasnet zum Ritter mit dem Zusatz „Der Wachsame unter der Heidburg“ geschlagen und das goldene Vlies verliehen. Foto: Herzog

Enttäuscht zeigte sich Schneider über Vorstände, die die Gelegenheit nicht nutzten, Jugendveranstaltungspässe einzureichen. „Wir sollten die Jugend mehr integrieren und ihnen die Möglichkeit bieten, Aktivitäten zu entwickeln. Unsere Kinder sind die Zukunft und wir Vereine ,Schnäppchen-Sozialarbeiter’“, sagte Schneider. Er wolle keine tränenreiche Abschiedsrede halten, sondern sage leise „Servus“. wollen. „Es ist mir aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, die Vereinigung mit derselben Leidenschaft wie bisher zu führen“, schmunzelte Schneider.

Die Aichhalder Hexen zeigten eine Pyramide. Foto: Haberstroh

Nach dem Ende der Versammlung gab es einen Hauch Fasnet – unter anderem mit Vorführungen von mehreren Gruppen.