Fünf mal mehr Ortenauer sind dieses Jahr bei – oder in Folge von – Arbeitsunfällen gestorben als noch 2024. Das ergibt sich aus der die Statistik von Polizei und Landratsamt.
Ein tragischer Arbeitsunfall hat sich wenige Tage vor Weihnachten in Durbach ereignet: Ein 54-jähriger Arbeiter wurde am Freitag von einem Arbeitskollegen in einer Werkstatt auf dem Boden liegend aufgefunden – für ihn kam laut Polizeimeldung jede Hilfe zu spät. Der genaue Hergang ist noch unklar. Am Montag gab es zu dem tödlichen Zwischenfall laut einer Sprecherin des Polizei noch nichts Neues zu berichten. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Nach jetzigem Stand geht die Polizei jedoch nicht von einem Fremdverschulden aus.
Nachdem in der ersten Jahreshälfte zwei Menschen in der Ortenau bei Arbeitsunfällen ums Leben kamen, waren es laut Polizeimitteilungen inklusive des neuesten Falls in Durbach in den folgenden sechs Monaten weitere fünf. So stürzte ein Mitarbeiter einer Gebäudereinigung Mitte Juli in Oberkirch bei der Arbeit von einer Leiter und verletzte sich lebensgefährlich. Der 33-Jährige wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen, wo er später starb. Bei Reinigungsarbeiten eines Abluftkamins in einem Betrieb im Kehler Hafen kam es Ende Juli zu einer Verpuffung, die einen Mitarbeiter das Leben kostete.
57-Jähriger wird von Kippmulde erschlagen
Ein 55-jähriger Mann wurde Anfang September in Gutach bei Arbeiten an einer Poliermaschine so schwer verletzt, dass er trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen noch an der Arbeitsstelle starb. Ein 57 Jahre alter Mann hatte sich Mitte Oktober bei Arbeiten auf einem Firmengelände in Schwanau so schwer verletzt, dass er noch vor Ort starb. Er war von einer mehreren Tonnen schweren Kippmulde erschlagen worden. Hinzu kommen eine Reihe von schweren Arbeitsunfällen, die nicht tödlich endeten: Allein aus der Durchsicht der Polizeimeldungen des zu Ende gehenden Jahres ergeben sich fünf weitere Vorfälle, bei denen Ortenauer bei der Arbeit schwer verletzt wurden.
Die Arbeitsschutzbehörde im Landratsamt registrierte für 2025 gar zehn tödliche Arbeitsunfälle. Sie kümmert sich aber auch um Vorfälle von Firmen aus dem Ortenaukreis, die außerhalb des Landkreises tätig sind. „Hier kommt es zu tödlichen Arbeitsunfällen, die wir ebenfalls dokumentieren und bearbeiten müssen“, erklärt Laura Kirschniok von der Pressespreche des Landratsamts.
Jeder Arbeitsunfall müsse sorgfältig dokumentiert und analysiert werden. Dabei könne es vorkommen, dass sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Berufsgenossenschaft in den jeweiligen Fall eingebunden sind. „Zudem muss der tödliche Arbeitsunfall für die zuständige externe Arbeitsschutzbehörde aufbereitet werden, insbesondere wenn der verunglückte Beschäftigte nicht aus dem Ortenaukreis stammt“, so Kirschniok.
Arbeitsschutzbehörde kann hohe Bußgelder verhängen
Im vergangenen Jahr gab es laut Landratsamt zwei tödliche Arbeitsunfälle im Kreis: Einen Absturz mit einem Gabelstapler in ein Bachbett in einem Nordracher Sägewerk und einen Unfall bei einem Taucher. Zudem wurde ein schwerer Arbeitsunfall gemeldet.
Die Arbeitsschutzbehörde spielt auch grundsätzlich eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung und Kontrolle gesetzlicher Arbeitsschutzvorgaben in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen. Während sich Berufsgenossenschaften primär auf die Versicherung und Prävention konzentrieren, liegt der Fokus der staatlichen Aufsicht auf der Einhaltung der rechtlichen Standards – und dem Eingreifen bei Verstößen. Sanktionen können dabei von Bußgeldern bis hin zur Stilllegung von Betrieben reichen.
Stapler stürzt in Bach
Einer der beiden tödlichen Arbeitsunfälle im vergangenen Jahr hatte sich im September 2024 ereignet: Ein Firmenmitarbeiter war auf einem Betriebsgelände in Durbach beim Umsetzen von Holzstapeln ums Leben gekommen. Der Mann ist laut Polizei mit einem Stapler etwa zwei Meter tief in einen angrenzenden Bachlauf gestürzt und von seinem fahrenden Arbeitsgerät begraben worden. Ein hinzugerufener Notarzt konnte schließlich nur noch den Tod des Arbeiters feststellen.