Die erneute Auszeichnung der Aichelberger Traumtour ist für den Bürgermeister ein besonderer Grund zur Freude. Denn hinter dem Rundwanderweg steht kein klassischer Wanderverein.
„Das macht uns schon stolz“, sagt Willi Kübler, der die Entwicklung der Traumtour von Beginn an begleitet hat. „Vor allem, weil wir das selbst angestoßen haben, aus der Region heraus.“
Überzeugungskraft Alles begann vor rund elf Jahren. Jeden Dienstag gehen Kübler und drei weitere ehemalige Fußballer gemeinsam wandern. Früher spielten sie in der Kreisliga B, heute schnüren sie die Wanderschuhe. „Wir haben bei unseren Touren immer wieder über den Sommerberg gesprochen“, erinnert sich Kübler. „Dort ist viel los, manchmal zu viel. Bei uns oben ist es ruhiger, angenehmer – also ideal für Menschen, die Entspannung suchen.“
Die Bergorte Aichelberg, Meistern und Hünerberg seien prädestiniert für naturnahen Tourismus, so sein Credo. Bereits 2008 wurde der historische Fautsburg-Rundwanderweg eingeweiht, der die Geschichte der Region mit Blicken ins Kleine Enztal erlebbar macht. Doch die Idee eines offiziell zertifizierten Qualitätswanderwegs ließ die Wandergruppe nicht mehr los.
„Wir haben uns gefragt: Wenn andere Regionen solche Wege haben und Auszeichnungen bekommen, warum nicht wir?“, erzählt Kübler. Gesagt, getan. Noch vor der Corona-Pandemie machte sich ein kleines, hochmotiviertes Team daran, die Voraussetzungen für eine Zertifizierung zu prüfen.
Unterstützung kam früh von der Touristik in Bad Wildbad. „Wir sind bei Stefanie Bott auf offene Ohren gestoßen“, so Kübler. „Sie hat uns enorm unterstützt und so gab es auch Fördergelder.“ Fachlich begleitet wurde das Projekt zudem von Jürgen Rust, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Calw.
Treibende Kraft
Federführend arbeiteten Kübler und sein Nachbar, Freund und Fußballkamerad Georg Kappler an der Umsetzung. Kappler konnte aus gesundheitlichen Gründen bei der Urkundenvergabe in Stuttgart nicht dabei sein, weshalb Richard Schumacher einsprang. „Georg war von Anfang an eine treibende Kraft“, betont Kübler.
Knapp 19 Kilometer 2023 wurde dann die Aichelberger Traumtour offiziell eingeweiht. Der knapp 19 Kilometer lange Rundweg verbindet landschaftliche und kulturelle Höhepunkte der Region: Ausblicke auf das Kleine und Große Enztal, Einrichtungen der Schwarzwälder Wasserversorgung mit Pumpstationen und Reservoiren, eine gut erhaltene ehemalige Flösserstube auf dem Hünerberg sowie die Kleine Enzquelle und die Kälberquelle auf Aichelberger Gemarkung.
Ein Teil des Weges verläuft zwar auf früheren Schwarzwaldvereinswegen, doch Pflege, Instandhaltung und Organisation liegen vollständig in ehrenamtlicher Hand. „Sechs bis zehn Leute kümmern sich regelmäßig um den Weg“, erklärt Kübler. „Wir laufen ihn ab, schneiden Sträucher zurück, entfernen Brombeerhecken. Zweimal im Jahr muss man einfach durchgehen, sonst funktioniert das nicht.“
Reibungslose Zusammenarbeit
Auch die Zusammenarbeit mit dem Forst ist reibungslos. Förster Stefan Waidelich aus Enzklösterle brachte aktiv Vorschläge zur optimalen Wegeführung ein.
„Wenn Holz gemacht wird, wird seitens des Forstes auf unsere Wege Rücksicht genommen. Das klappt wunderbar“, sagt Kübler.
Kleinigkeiten nachgebessert Die jüngste Rezertifizierung bestätigt die gute Arbeit. Zunächst prüfte ein Experte des Schwarzwaldvereins aus Freiburg die Strecke, anschließend ging die Bewertung an den Deutschen Wanderverband zur Prüfung für den „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ nach Kassel. Schließlich wurde der Weg noch inkognito begangen. „Kleinigkeiten mussten wir nachbessern, etwa zugewachsene Markierungen“, berichtet Kübler. „Da waren wir zwei Tage mit der Astschere unterwegs, aber der Zustand des Weges war insgesamt sehr gut.“
Zentrale Rolle Getragen wird das Projekt von vielen helfenden Händen aus den Bergorten Aichelberg, Meistern, Hünerberg und Rehmühle. Die Dorfgemeinschaft Meistern, seit drei Jahren als Verein organisiert, spielt dabei eine zentrale Rolle. „Über diese Schiene läuft viel, auch die Wegeinstandhaltung“, sagt Kübler bescheiden. Viele Rentner helfen mit, sogar die Enkel sind beim Ausmähen dabei. „Das macht Spaß. Wir sind eine gute Mischung.“
Ein „Vereinsmensch“
Der heute pensionierte Kübler, der sein Berufsleben lang mit Holz sowohl im Sägewerk als auch als Schreiner gearbeitet hat, bezeichnet sich selbst als „Vereinsmensch“. Seit mehr als 20 Jahren engagiert er sich in der Dorfgemeinschaft. An die Zukunft des Weges glaubt er fest: „Mein Wunsch ist, dass auch nach meiner Zeit jemand weitermacht. Ich sehe da kein großes Problem, solange der Zusammenhalt da ist. Es sind nur ein paar Stunden im Jahr, aber sie machen einen großen Unterschied.“
Und genau darin liegt das Erfolgsgeheimnis der Aichelberger Traumtour: gelebtes Ehrenamt, regionale Verbundenheit und die Überzeugung, dass nachhaltiger Tourismus dort entsteht, wo Menschen Verantwortung für ihre Heimat übernehmen.