Mit Verwandten und Bekannten wollte der Langenbrander Helmut Schray die Schönheit der Golfregion entdecken. Doch dann brach der Krieg aus. Er schildert, wie er diese Zeit erlebte.
Der Handwerksmeister und Schömberger Gemeinderat Helmut Schray ist ein vorsichtiger Mensch.
Als Schray beschloss, in einer Reisegruppe von neun Personen mit seiner Frau sowie Verwandten und Bekannten auf einem Kreuzfahrtschiff den „Zauber des Orients“, so das Motto der Reise, zu erleben, hat er sich zuvor sorgfältig erkundigt. Es gab keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die Region. Eine solche veröffentliche das Auswärtige Amt erst am Samstag, 28. Februar.
Also machte sich die Gruppe am Sonntag, 22. Februar, auf den Weg zum Flughafen in Frankfurt am Main, um in der Nacht mit einer Maschine von Fly Emirates nach Dubai zu fliegen. Am Vormittag des 23. Februar kamen die Touristen in Dubai an.
Mit dem Bus ging es zum Hafen von Dubai. Dort bestiegen die Touristen den Kreuzfahrtriesen „Mein Schiff 4“. Wegen seines Luxus beschrieb Schray das Schiff als „schwimmendes Fünf-Sterne-Hotel“.
Kreuzfahrt-Route führte Straße von Hormus
Von Dubai aus ging es zunächst zur Hafenstadt Khasab, wo das Schiff am Morgen des 24. Februar ankam.
Der Ort liegt an der Straße von Hormus an der südöstlichen Spitze der arabischen Halbinsel und gehört zum Sultanat Oman. Die Region um Khasab ist eine Enklave des Sultanats. Von Khasab ging es am Abend des 24. Februar mit dem Kreuzfahrtschiff durch die Straße von Hormus nach Muscat, der Hauptstadt des Oman. Dort kamen sie um die Mittagszeit des 25. Februar an.
„Alles normal“ bei Ankunft von Mein Schiff 4 in Abu Dhabi
So vergingen die Tage wie geplant. Die Passagiere genossen die Annehmlichkeiten auf dem Kreuzfahrtschiff und die Landgänge. Sie erlebten den „Zauber des Orients“ und die Gastfreundschaft der Menschen. Am Donnerstagabend, 26. Februar, legte das Kreuzfahrtschiff von Muscat aus ab. Am 27. Februar war das Schiff den ganzen Tag über auf See. Die Route führte zurück über die Straße von Hormus.
Am Morgen des 28. Februar kam „Mein Schiff 4“ in Abu Dhabi an. Den Passagieren fiel nichts auf. Alles erschien ganz normal. „Das kann man sich nicht vorstellen“, so der Langenbrander Schray im Rückblick.
Plötzlich mitten im Krieg
Am Nachmittag des 28. Februar bekamen die Kreuzfahrtreisenden in Abu Dhabi dann mit, dass etwas geschehen ist. Am Morgen hatten israelische und amerikanische Kampflugzeuge den Iran angegriffen. Die Verantwortlichen auf dem Kreuzfahrtschiff reagierten. „Sämtliche Landgänge waren verboten“, berichtete Schray: „Wir durften nicht mehr raus.“ Auch die Balkone hätten nicht mehr genutzt werden dürfen, so Schray im Gespräch mit unserer Redaktion. Auf dem Oberdeck durfte sich niemand aufhalten.
Iranischer Flugkörper schlägt in der Nähe des Schiffes ein
Am Samstagnachmittag, 16 Uhr, dann der Schock. Ein iranischer Flugkörper schlägt im Hafen von Abu Dhabi in der Nähe des Kreuzfahrtschiffes ein. Schray bekommt den Einschlag direkt mit – fotografiert und filmt die Rauchsäule mit seinem Smartphone. Am 28. Februar und 1. März habe es mehrmals Sirenenalarm gegeben, so Schray. Die geplante Weiterfahrt nach Dubai am Abend des 28. Februar fiel angesichts der Lage aus. Die Touristen aus Deutschland waren plötzlich mitten im Kriegsgeschehen.
Angesichts der Lage forderte der Kapitän die Passagiere des Kreuzfahrtschiffes dazu auf, ins Innere des Schiffes zu gehen. Von der neunköpfigen Reisegruppe, zu der Schray gehörte, trafen sich sieben in einer Kabine, zwei waren weiter unten im Schiff.
Außer den geschilderten Beschränkungen sei das Leben normal weitergegangen, berichtete Schray. Er räumte ein, dass unter den Passagieren die Anspannung groß, die Stimmung mitunter gereizt gewesen sei.
Die Mannschaft habe aber gut reagiert, lobte Schray das Personal auf dem Schiff. Weil es verboten worden sei, nach draußen zu gehen, habe sie sogar eine Raucher-Ecke eingerichtet.
Raucher-Ecke eingerichtet
Durch freies WLAN sei eine Kommunikation mit Verwandten in Deutschland möglich gewesen, berichtete Schray: „Ganz großes Lob an den Veranstalter.“
Kritik übte er am Auswärtigen Amt, zu dem er am 28. Februar Kontakt aufgenommen habe. Von dort seien auf das Smartphone nur allgemeine Vorschläge gekommen.
Konkrete Hilfe habe der Reiseveranstalter geleistet. Zwar seien die Flughäfen in Abu Dhabi und Dubai dicht gewesen. Ab Dienstag, 3. März, habe es aber Ausflüge gegeben.
Und dann ging doch alles relativ schnell. Am Donnerstag, 5. März, seien sie auf dem Schiff um 0.30 Uhr Ortszeit geweckt worden, berichtete Schray. Sie hätten eine Stunde Zeit gehabt ihre Sachen zu packen. Gegen 1.30 Uhr seien etwa 500 Menschen mit Bussen evakuiert worden.
Nach zwei Stunden Fahrzeit seien sie um 3.30 Uhr am Flughafen in Dubai angekommen und um 8.30 Uhr Ortszeit von dort abgeflogen. Die Flugroute führte über Saudi-Arabien, Rotes Meer, Ägypten, Griechenland, Balkan, Kroatien und Österreich. Um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit seien sie in Frankfurt am Main gelandet. Zu Hause seien sie dann am Donnerstagabend angekommen. „Ich bin einfach froh, dass ich wieder zu Hause bin“, so Schray: „Bis zum 28. Februar war es ein wunderschöner Urlaub.“
In die Golfregion wolle er aber erst einmal nicht mehr. Das habe ihm allein schon seine Schwester verboten.